Trägt Einklang meine Seele zu den Sternen,
verlieren alle Sorgen ihr Gewicht,
erstrahlt in Dunkelheit ein fernes Licht
und mein Gemüt will stillen Frieden lernen.
So wie beim Keim aus harten Samenkernen,
der kraftvoll seine zähe Schale bricht,
mit zartem Grün schon einen Baum verspricht,
strömt Hoffnung wie aus innersten Zisternen.
Aus Überheblichkeit wird ein Verstehen:
Ich bin kaum mehr als nichts, doch mittendrin,
im Ganzen nur erkennbar und zu sehen.
Nur eins mit allem spür ich meinen Sinn
und etwas Wunderbares kann geschehen:
Die Seele findet Heimat, ein Wohin.
Fern
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Niko
scheiße, klingt das schön!
es hat sowas von rilke......... nach meinem ermessen lupenrein gereimt, inhaltlich eine sehr schöne beschreibung eines moments, den wir wohl alle kennen.
aaaaaaaaaaaaaaaaaber: was mir nicht gefällt ist das wort "gesamtheit". vielleicht "in dieser einheit"......"ganzen" hast du ja grad vorher schon geschrieben, sonst wäre das auch passend.....
aber: berückend schön in seiner gesamtheit.gif)
liebe grüße: niko
es hat sowas von rilke......... nach meinem ermessen lupenrein gereimt, inhaltlich eine sehr schöne beschreibung eines moments, den wir wohl alle kennen.
aaaaaaaaaaaaaaaaaber: was mir nicht gefällt ist das wort "gesamtheit". vielleicht "in dieser einheit"......"ganzen" hast du ja grad vorher schon geschrieben, sonst wäre das auch passend.....
aber: berückend schön in seiner gesamtheit
.gif)
liebe grüße: niko
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Klimperer
So wie vor lauter Bäumen den Wald, kann man auch vor lauter Verse das Gedicht nicht sehen ...
Ein wunderbares Sonett.
Ich wollte es gleich auswendig lernen, habe es für mich aufgeschrieben.
Selten, wie hier, stimmen Klang und Aussage überein.
Ein wunderbares Sonett.
Ich wollte es gleich auswendig lernen, habe es für mich aufgeschrieben.
Selten, wie hier, stimmen Klang und Aussage überein.
Zuletzt geändert von Klimperer am 30.06.2013, 18:45, insgesamt 1-mal geändert.
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galapapa
Lieber Niko,
danke für Deinen Kommentar und Dein Lob!
Bei Deinem "aber" ist mir zwar nicht ganz klar, ob Du das Wort an sich nicht magst oder Du es wegen seiner Bedeutung unpassend findest, ich will aber versuchen zu erklären, was damit gemeint war:
Das "Ganze" und die "Gesamtheit" haben ja eigentlich die gleiche Bedeutung und genau so ist das auch gemeint; ich wollte das selbe Wort nicht verwenden.
Es ging ja letztendlich um das Verständnis des eigenen Seins. Angesichts der Gesamtheit des Universums, die wir ja gar nicht verstehen können, sind wir als Individuum eigentlich völlig unerheblich, geradezu unsichtbar. Im Sinne des Zahnrädchens im Uhrwerk aber, das isoliert sinnlos erscheint, können wir in der Gesamtheit einen Sinn erahnen.
Also, erst wenn man das Gesamte betrachtet, wird dieser Sinn erkennbar.
Recht hast Du damit, dass der Ausdruck "dieser Einheit" auch einsetzbar wäre, ja, sogar besser klänge, doch ist mir die "Gesamtheit" näher an der gewollten Aussage.
Eine Alternative, über die ich nachdenke, wäre: "...In Einheit mit dem Ganzen spür ich Sinn...", doch dann müsste der dritte Vers des ersten Terzetts geändert werden und das wichtige "meinen" fehlte.
Vielleicht kann meine Erklärung ja Dich und Amanita mit meiner Version anfreunden.
Lieben Dank nochmal und herzliche Grüße!
galapapa
Liebe Amanita,
hab herzlichen Dank für Deinen lobenden Kommentar.
Zum Thema "Gesamtheit" bitte ich Dich, meine oben stehende Antwort an Niko zu lesen.
Liebe Grüße!
galapapa
Hallo Klimperer,
ein schönes Lob, herzlichen Dank dafür!
Das mit den Bäumen und dem Wald habe ich verstanden. Diese gekonnte Art, das auszudrücken, was Du empfandest, hat mir gefallen und ließ mich schmunzeln.
Herzliche Grüße auch an Dich!
galapapa
danke für Deinen Kommentar und Dein Lob!
Bei Deinem "aber" ist mir zwar nicht ganz klar, ob Du das Wort an sich nicht magst oder Du es wegen seiner Bedeutung unpassend findest, ich will aber versuchen zu erklären, was damit gemeint war:
Das "Ganze" und die "Gesamtheit" haben ja eigentlich die gleiche Bedeutung und genau so ist das auch gemeint; ich wollte das selbe Wort nicht verwenden.
Es ging ja letztendlich um das Verständnis des eigenen Seins. Angesichts der Gesamtheit des Universums, die wir ja gar nicht verstehen können, sind wir als Individuum eigentlich völlig unerheblich, geradezu unsichtbar. Im Sinne des Zahnrädchens im Uhrwerk aber, das isoliert sinnlos erscheint, können wir in der Gesamtheit einen Sinn erahnen.
Also, erst wenn man das Gesamte betrachtet, wird dieser Sinn erkennbar.
Recht hast Du damit, dass der Ausdruck "dieser Einheit" auch einsetzbar wäre, ja, sogar besser klänge, doch ist mir die "Gesamtheit" näher an der gewollten Aussage.
Eine Alternative, über die ich nachdenke, wäre: "...In Einheit mit dem Ganzen spür ich Sinn...", doch dann müsste der dritte Vers des ersten Terzetts geändert werden und das wichtige "meinen" fehlte.
Vielleicht kann meine Erklärung ja Dich und Amanita mit meiner Version anfreunden.
Lieben Dank nochmal und herzliche Grüße!
galapapa
Liebe Amanita,
hab herzlichen Dank für Deinen lobenden Kommentar.
Zum Thema "Gesamtheit" bitte ich Dich, meine oben stehende Antwort an Niko zu lesen.
Liebe Grüße!
galapapa
Hallo Klimperer,
ein schönes Lob, herzlichen Dank dafür!
Das mit den Bäumen und dem Wald habe ich verstanden. Diese gekonnte Art, das auszudrücken, was Du empfandest, hat mir gefallen und ließ mich schmunzeln.
Herzliche Grüße auch an Dich!
galapapa
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Niko
hallo galapapa,
das mit der gesamtheit und dem ganzen - das war mir schon klar. mir klingt aber in diesem traumhaft verwobenen ganzen die "gesamtheit" zu sachlich, zu mathematisch, zu technisch. aber klar - das ist rein subjektives empfinden. es war mir nur ein anliegen, es dir zu erzählen, damit du für dich abwägen und entscheiden kannst, ob die besagte stelle eine ist, die du aus deiner sicht heraus für änderungswürdig hälst...
liebe grüße: niko
das mit der gesamtheit und dem ganzen - das war mir schon klar. mir klingt aber in diesem traumhaft verwobenen ganzen die "gesamtheit" zu sachlich, zu mathematisch, zu technisch. aber klar - das ist rein subjektives empfinden. es war mir nur ein anliegen, es dir zu erzählen, damit du für dich abwägen und entscheiden kannst, ob die besagte stelle eine ist, die du aus deiner sicht heraus für änderungswürdig hälst...
liebe grüße: niko
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galapapa
Hallo Niko,
ich hatte das schon vermutet und ich hatte Dir ja geschrieben, dass mir Dein Vorschlag klanglich auch besser gefallen hätte. Ich stehe eh immer im Zweifel bei Worten, die mit "keit" oder "heit" enden. Es ist aber sehr schwierig, ein passendes Synonym zu finden.
Ich arbeite noch dran und bin Dir dankbar für Deinen Hinweis. Mir selber klingt das Wort zwar nicht unbedingt zu technisch, aber ich kann gut nachvollziehen, dass es vielen Lesern so gehen mag.
Liebe Grüße nochmal!
galapapa
ich hatte das schon vermutet und ich hatte Dir ja geschrieben, dass mir Dein Vorschlag klanglich auch besser gefallen hätte. Ich stehe eh immer im Zweifel bei Worten, die mit "keit" oder "heit" enden. Es ist aber sehr schwierig, ein passendes Synonym zu finden.
Ich arbeite noch dran und bin Dir dankbar für Deinen Hinweis. Mir selber klingt das Wort zwar nicht unbedingt zu technisch, aber ich kann gut nachvollziehen, dass es vielen Lesern so gehen mag.
Liebe Grüße nochmal!
galapapa
Ich stimme Estragon zu, besonders was die erste Strophe angeht, schon die erste Zeile haut mich direkt raus, klanglicher Singsang hin oder her, da fehlt jegliches Spezifikum, ich will mehr Zisternen und weniger Plattitüden.
Gruß
Gruß
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)
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Renée Lomris
ein Vorschlag:
Trägt etwas meine Seele zu den Sternen,
verlieren alle Sorgen ihr Gewicht,
erstrahlt im Dunkeln mir ein fernes Licht
und mein Gemüt wird stillen Frieden lernen.
So wie beim Keim aus harten Samenkernen
wenn kraftvoll er die zähe Schale bricht,
das zarte Grün schon einen Baum verspricht,
strömt Hoffnung wie aus innersten Zisternen.
Aus Hochmut wird dann ein Verstehen,
bin ich doch wenig mehr als nichts und mittendrin,
im Ganzen nur erkennbar und zu sehen.
Als ganzer Baum spür ich jetzt meinen Sinn
und etwas Wunderbares kann geschehen
Die Seele findet Heimat, ein Wohin.
So weit entfernt von Rilke ist es ja nicht. Mich stören die punktuellen Fehler mehr. Vor allem der Keim, der "So wie beim Keim, aus harten Samenkernen, der" .... Aber wollen wir jetzt wie Rilke schreiben?
Trägt etwas meine Seele zu den Sternen,
verlieren alle Sorgen ihr Gewicht,
erstrahlt im Dunkeln mir ein fernes Licht
und mein Gemüt wird stillen Frieden lernen.
So wie beim Keim aus harten Samenkernen
wenn kraftvoll er die zähe Schale bricht,
das zarte Grün schon einen Baum verspricht,
strömt Hoffnung wie aus innersten Zisternen.
Aus Hochmut wird dann ein Verstehen,
bin ich doch wenig mehr als nichts und mittendrin,
im Ganzen nur erkennbar und zu sehen.
Als ganzer Baum spür ich jetzt meinen Sinn
und etwas Wunderbares kann geschehen
Die Seele findet Heimat, ein Wohin.
So weit entfernt von Rilke ist es ja nicht. Mich stören die punktuellen Fehler mehr. Vor allem der Keim, der "So wie beim Keim, aus harten Samenkernen, der" .... Aber wollen wir jetzt wie Rilke schreiben?
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Estragon
es ist nicht jeder ein Dichter, nur weil er einen Internetzugang hat, schaut euch mal das Gedicht an und zeigt mir einen, der hier so ein Gedicht schreiben kann
Rainer Mairia Rilke
Orpheus. Eurydike. Hermes
Das war der Seelen wunderliches Bergwerk.
Wie stille Silbererze gingen sie
als Adern durch sein Dunkel. Zwischen Wurzeln
entsprang das Blut, das fortgeht zu den Menschen,
und schwer wie Porphyr sah es aus im Dunkel.
Sonst war nichts Rotes.
Felsen waren da
und wesenlose Wälder. Brücken über Leeres
und jener große graue blinde Teich,
der über seinem fernen Grunde hing
wie Regenhimmel über einer Landschaft.
Und zwischen Wiesen, sanft und voller Langmut,
erschien des einen Weges blasser Streifen,
wie eine lange Bleiche hingelegt.
Und dieses einen Weges kamen sie.
Voran der schlanke Mann im blauen Mantel,
der stumm und ungeduldig vor sich aussah.
Ohne zu kauen fraß sein Schritt den Weg
in großen Bissen; seine Hände hingen
schwer und verschlossen aus dem Fall der Falten
und wußten nicht mehr von der leichten Leier,
die in die Linke eingewachsen war
wie Rosenranken in den Ast des Ölbaums.
Und seine Sinne waren wie entzweit:
indes der Blick ihm wie ein Hund vorauslief,
umkehrte, kam und immer wieder weit
und wartend an der nächsten Wendung stand, -
blieb sein Gehör wie ein Geruch zurück.
Manchmal erschien es ihm als reichte es
bis an das Gehen jener beiden andern,
die folgen sollten diesen ganzen Aufstieg.
Dann wieder wars nur seines Steigens Nachklang
und seines Mantels Wind was hinter ihm war.
Er aber sagte sich, sie kämen doch;
sagte es laut und hörte sich verhallen.
Sie kämen doch, nur wärens zwei
die furchtbar leise gingen. Dürfte er
sich einmal wenden (wäre das Zurückschaun
nicht die Zersetzung dieses ganzen Werkes,
das erst vollbracht wird), müßte er sie sehen,
die beiden Leisen, die ihm schweigend nachgehn:
Den Gott des Ganges und der weiten Botschaft,
die Reisehaube über hellen Augen,
den schlanken Stab hertragend vor dem Leibe
und flügelschlagend an den Fußgelenken;
und seiner linken Hand gegeben: sie.
Die So-geliebte, daß aus einer Leier
mehr Klage kam als je aus Klagefrauen;
daß eine Welt aus Klage ward, in der
alles noch einmal da war: Wald und Tal
und Weg und Ortschaft, Feld und Fluß und Tier;
und daß um diese Klage-Welt, ganz so
wie um die andre Erde, eine Sonne
und ein gestirnter stiller Himmel ging,
ein Klage-Himmel mit entstellten Sternen - :
Diese So-geliebte.
Sie aber ging an jenes Gottes Hand,
den Schrittbeschränkt von langen Leichenbändern,
unsicher, sanft und ohne Ungeduld.
Sie war in sich, wie Eine hoher Hoffnung,
und dachte nicht des Mannes, der voranging,
und nicht des Weges, der ins Leben aufstieg.
Sie war in sich. Und ihr Gestorbensein
erfüllte sie wie Fülle.
Wie eine Frucht von Süßigkeit und Dunkel,
so war sie voll von ihrem großen Tode,
der also neu war, daß sie nichts begriff.
Sie war in einem neuen Mädchentum
und unberührbar; ihr Geschlecht war zu
wie eine junge Blume gegen Abend,
und ihre Hände waren der Vermählung
so sehr entwöhnt, daß selbst des leichten Gottes
unendlich leise, leitende Berührung
sie kränkte wie zu sehr Vertraulichkeit.
Sie war schon nicht mehr diese blonde Frau,
die in des Dichters Liedern manchmal anklang,
nicht mehr des breiten Bettes Duft und Eiland
und jenes Mannes Eigentum nicht mehr.
Sie war schon aufgelöst wie langes Haar
und hingegeben wie gefallner Regen
und ausgeteilt wie hundertfacher Vorrat.
Sie war schon Wurzel.
Und als plötzlich jäh
der Gott sie anhielt und mit Schmerz im Ausruf
die Worte sprach: Er hat sich umgewendet -,
begriff sie nichts und sagte leise: Wer?
Fern aber, dunkel vor dem klaren Ausgang,
stand irgend jemand, dessen Angesicht
nicht zu erkennen war. Er stand und sah,
wie auf dem Streifen eines Wiesenpfades
mit trauervollem Blick der Gott der Botschaft
sich schweigend wandte, der Gestalt zu folgen,
die schon zurückging dieses selben Weges,
den Schritt beschränkt von langen Leichenbändern,
unsicher, sanft und ohne Ungeduld.
Aus: Neue Gedichte (1907)
Rainer Mairia Rilke
Orpheus. Eurydike. Hermes
Das war der Seelen wunderliches Bergwerk.
Wie stille Silbererze gingen sie
als Adern durch sein Dunkel. Zwischen Wurzeln
entsprang das Blut, das fortgeht zu den Menschen,
und schwer wie Porphyr sah es aus im Dunkel.
Sonst war nichts Rotes.
Felsen waren da
und wesenlose Wälder. Brücken über Leeres
und jener große graue blinde Teich,
der über seinem fernen Grunde hing
wie Regenhimmel über einer Landschaft.
Und zwischen Wiesen, sanft und voller Langmut,
erschien des einen Weges blasser Streifen,
wie eine lange Bleiche hingelegt.
Und dieses einen Weges kamen sie.
Voran der schlanke Mann im blauen Mantel,
der stumm und ungeduldig vor sich aussah.
Ohne zu kauen fraß sein Schritt den Weg
in großen Bissen; seine Hände hingen
schwer und verschlossen aus dem Fall der Falten
und wußten nicht mehr von der leichten Leier,
die in die Linke eingewachsen war
wie Rosenranken in den Ast des Ölbaums.
Und seine Sinne waren wie entzweit:
indes der Blick ihm wie ein Hund vorauslief,
umkehrte, kam und immer wieder weit
und wartend an der nächsten Wendung stand, -
blieb sein Gehör wie ein Geruch zurück.
Manchmal erschien es ihm als reichte es
bis an das Gehen jener beiden andern,
die folgen sollten diesen ganzen Aufstieg.
Dann wieder wars nur seines Steigens Nachklang
und seines Mantels Wind was hinter ihm war.
Er aber sagte sich, sie kämen doch;
sagte es laut und hörte sich verhallen.
Sie kämen doch, nur wärens zwei
die furchtbar leise gingen. Dürfte er
sich einmal wenden (wäre das Zurückschaun
nicht die Zersetzung dieses ganzen Werkes,
das erst vollbracht wird), müßte er sie sehen,
die beiden Leisen, die ihm schweigend nachgehn:
Den Gott des Ganges und der weiten Botschaft,
die Reisehaube über hellen Augen,
den schlanken Stab hertragend vor dem Leibe
und flügelschlagend an den Fußgelenken;
und seiner linken Hand gegeben: sie.
Die So-geliebte, daß aus einer Leier
mehr Klage kam als je aus Klagefrauen;
daß eine Welt aus Klage ward, in der
alles noch einmal da war: Wald und Tal
und Weg und Ortschaft, Feld und Fluß und Tier;
und daß um diese Klage-Welt, ganz so
wie um die andre Erde, eine Sonne
und ein gestirnter stiller Himmel ging,
ein Klage-Himmel mit entstellten Sternen - :
Diese So-geliebte.
Sie aber ging an jenes Gottes Hand,
den Schrittbeschränkt von langen Leichenbändern,
unsicher, sanft und ohne Ungeduld.
Sie war in sich, wie Eine hoher Hoffnung,
und dachte nicht des Mannes, der voranging,
und nicht des Weges, der ins Leben aufstieg.
Sie war in sich. Und ihr Gestorbensein
erfüllte sie wie Fülle.
Wie eine Frucht von Süßigkeit und Dunkel,
so war sie voll von ihrem großen Tode,
der also neu war, daß sie nichts begriff.
Sie war in einem neuen Mädchentum
und unberührbar; ihr Geschlecht war zu
wie eine junge Blume gegen Abend,
und ihre Hände waren der Vermählung
so sehr entwöhnt, daß selbst des leichten Gottes
unendlich leise, leitende Berührung
sie kränkte wie zu sehr Vertraulichkeit.
Sie war schon nicht mehr diese blonde Frau,
die in des Dichters Liedern manchmal anklang,
nicht mehr des breiten Bettes Duft und Eiland
und jenes Mannes Eigentum nicht mehr.
Sie war schon aufgelöst wie langes Haar
und hingegeben wie gefallner Regen
und ausgeteilt wie hundertfacher Vorrat.
Sie war schon Wurzel.
Und als plötzlich jäh
der Gott sie anhielt und mit Schmerz im Ausruf
die Worte sprach: Er hat sich umgewendet -,
begriff sie nichts und sagte leise: Wer?
Fern aber, dunkel vor dem klaren Ausgang,
stand irgend jemand, dessen Angesicht
nicht zu erkennen war. Er stand und sah,
wie auf dem Streifen eines Wiesenpfades
mit trauervollem Blick der Gott der Botschaft
sich schweigend wandte, der Gestalt zu folgen,
die schon zurückging dieses selben Weges,
den Schritt beschränkt von langen Leichenbändern,
unsicher, sanft und ohne Ungeduld.
Aus: Neue Gedichte (1907)
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Estragon
Bei Rilke würde man den Sinn spüren weil er ihn aufdeckt, er nimmt das Wort nicht in sein Gedicht, er braucht das nicht, Sinn, ist ein Füllwort, was bedeudet es denn? Ich benutze solche Wörter auch, aber sie taugen nichts, auch Tiefe ist so ein Blödsinn, ich brauche nicht Tiefe zu schreiben, wenn ich sie beschreiben kann, Rilke kann das, Dichter können das wir sind keine Dichter, vielleicht wären wir gerne welche
-
Renée Lomris
Lieber Estragon,
das ist eigentlich "mein" Gedicht. aber natürlich darfst du es auch lieben.
l
Wenn ich durchaus verstehen kann, dass du diesen Unterschied machen musst - oder willst - der den zeitgenössischen Möchtegerndichter von der Größe eines Rilke, von uns kleinen Würstchen trennt, so verstehe ich nicht wirklich, was du sagen willst.
Drück klar aus, was dir missfällt, dann ist die Antwort ebenfalls klarer.
Jedenfalls, wenn man davon ausgeht, dass wir das Handwerk "Schreiben" üben, lernen, stimulieren, bereichern, verbessern, diskutieren, kommentieren, --- dann ist alles an seinem Platz.
das ist eigentlich "mein" Gedicht. aber natürlich darfst du es auch lieben.
l
Wenn ich durchaus verstehen kann, dass du diesen Unterschied machen musst - oder willst - der den zeitgenössischen Möchtegerndichter von der Größe eines Rilke, von uns kleinen Würstchen trennt, so verstehe ich nicht wirklich, was du sagen willst.
Drück klar aus, was dir missfällt, dann ist die Antwort ebenfalls klarer.
Jedenfalls, wenn man davon ausgeht, dass wir das Handwerk "Schreiben" üben, lernen, stimulieren, bereichern, verbessern, diskutieren, kommentieren, --- dann ist alles an seinem Platz.
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