weichtier

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
ecb

Beitragvon ecb » 16.06.2013, 19:27

mich treibt es um
wogen setzen mich ab
mal hier mal da
schwer zu sagen
ich sauge durch einen
kiemenspalt
was hereinströmt
drücke ich aus
der eindringling bleibt
so umkleide ich ihn
bis er schimmert
und ich mich wieder
in mich verbeiße
geschlossen bin

................

2. Version:


mich treibt es um
wogen setzen mich ab
mal hier mal da
eh alles bestimmt
was eh bestimmt
ich sauge durch einen
kiemenspalt
hereingeströmtes
drücke ich aus
der eindringling bleibt
so umkleide ich ihn
bis er schimmert
und ich mich wieder
in mich verbeiße

................

3. Version:


mich treibt es um
wogen setzen mich ab
mal hier mal da
eh alles bestimmt
was eh bestimmt
ich sauge durch einen
kiemenspalt
was hereinströmt
drücke ich aus
der eindringling bleibt
so umkleide ich ihn
bis er schimmert
und ich mich wieder
in mich verbeiße
Zuletzt geändert von ecb am 17.06.2013, 20:30, insgesamt 2-mal geändert.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 16.06.2013, 22:02

Wie schön, ein Muschelgedicht! Das ist etwas Besonderes und außerdem eine tolle Metapher!

Einzige Anmerkung: "mal hier mal da" stimmt nicht ganz, da die Muschel sich entweder im Sand eingräbt, um nicht fortgespült zu werden (z.B. die Große Teischmuschel in Süßwasserflüssen) oder sich mit einem Saugfuß festsaugt, wenn sie an einer günstigen, von Gezeiten umströmten Stelle angespült wurde (Miesmuschel). Also so ganz das Vagabundenleben ist es auch nicht, nur anfangs.

Viele Grüße
fenestra

Mucki
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Beitragvon Mucki » 16.06.2013, 22:28

Hallo Eva,

feines Gedicht mit der Mehrdeutigkeit, die es enthält. Schön auch, wie du die Perle umschreibst. Einzig die letzte Zeile würde ich evtl. überdenken, da m.E. nicht mehr nötig, da "in mich verbeiße" das "geschlossen bin" bereits enthält.

Liebe Grüße
Gabi

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 17.06.2013, 09:13

"der eindringlich bleibt
so umkleide ich ihn
bis er schimmert"

Ich versuchte, vergeblich, dieses Gedicht zu entziffern. ich dachte an Strandgut, kam aber nicht auf den Punkt.

Im Nachhinein ist es so deutlich, so klar: jetzt darf ich über diese Perle nur staunen.

ecb

Beitragvon ecb » 17.06.2013, 13:52

Vielen Dank, fenestra, vorallem für deinen Hinweis zur Lebensweise der Muscheln! Daran hatte ich zu wenig gedacht, und solche poetischen Bilder müssen in der Sache stimmen. Mir ist da noch etwas eingefallen, um diesen Zusammenhang zu korrigieren und auch meine Sichtweise zu ergänzen, ich habe ein bißchen gestrichen und ein paar neue Zeilen eingefügt. Sagt mir mir mal bitte alle, was ihr davon haltet!

Auch dir muß ich Recht geben, Gabriella, die letzte Zeile ist überflüssig, ich habe sie gestrichen - danke dir!

Und danke für deine netten Worte, Carlos!

Liebe Grüße
Eva Bild

Mucki
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Beitragvon Mucki » 17.06.2013, 14:06

Hallo Eva,

das vorherige "was hereinströmt" finde ich passender zu den "wogen" als das neue "hereingeströmtes". Man sieht die Bewegung mehr vor seinem geistigen Auge.
"eh alles bestimmt" zu ersetzen für "schwer zu sagen" finde ich sehr passend, auch zu dem, was fenestra schrieb, doch hier
ecb hat geschrieben:eh alles bestimmt
was eh bestimmt

verstehe ich den Unterschied in der Aussage der beiden Zeilen nicht. :12:
Vielleicht bin ich zu verschlossen dafür. ,-)

Muschelgrüße
Gabi

ecb

Beitragvon ecb » 17.06.2013, 20:26

Doch, nach einiger Überlegung finde ich "was hereinströmt" auch besser als "hereingeströmtes", die Bewegung ist darin sinnfälliger - danke dir, Gabriella.

Das mit

eh alles bestimmt
was eh bestimmt


damit wollte ich das Motiv der Begrenzung besser andeuten und die innere durch eine äußere ergänzen, oder umgekehrt, irgendwie gehören sie ja immer zusammen, die Begrenzungen.

Ich setze dann mal die Rückänderung in eine dritte Version, und die gefällt mir selbst jetzt eigentlich ganz gut, was meint ihr?

Liebe Grüße
Eva

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 19.06.2013, 19:07

Liebe Eva,

der Text ist immer noch sehr schön, mir gefallen beide Hereinströmversionen. Mit der anderen Neuerung habe ich allerdings so meine Probleme. Die Muschel passt ja den Moment ab, wo sie sich festsaugen oder eingraben kann, auf diesen Moment wartet sie. Sie möchte schon sesshaft werden. Das kommt mir hier noch nicht heraus, durch dieses "eh alles bestimmt". Ich würde ihr eher ein "Halt! Hier will ich bleiben! - Ach nein, doch wieder nicht - weiter geht die Reise..." in den Mund bzw. Kiemenspalt legen, aber das ist vermutlich nicht das, was du ausdrücken wolltest.

Viele Grüße
fenestra

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 20.06.2013, 10:00

"eh alles bestimmt
was eh bestimmt"

Bei diesen Versen geht es mir wie Gabriella und Fenestra.

"Schwer zu sagen" hatte ich gleich verstanden ...

Die zwei neuen Versen sind ein wenig zu philosophisch.

ecb

Beitragvon ecb » 20.06.2013, 21:10

Im Moment fällt es mir schwer, noch einen vernünftigen Gedanken zu fassen, es ist einfach zu warm und ich vertrage das nicht so gut.

Habt aber vielen Dank für eure Eindrücke, fenestra und Carlos, ich werde mir das alles noch mal gut überlegen, vielleicht muß es noch ein bißchen ... abkühlen. :schwitz:

Liebe Grüße
Eva


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