weiß wie papier [m]

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Benutzeravatar
Eule
Beiträge: 2055
Registriert: 16.04.2010

Beitragvon Eule » 11.06.2013, 17:37

weiß wie papier
zwischen steinen
an den wänden dem
rost am geländer

den atem hoch über
den dächern der
wolken vergesse ich
nie deine lichter

weiß wie papier
Ein Klang zum Sprachspiel.

Mucki
Beiträge: 26644
Registriert: 07.09.2006
Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 11.06.2013, 18:03

Hallo Eule,

dein Gedicht hat etwas so Pures und Liebevolles. Auch den Titel finde ich klasse gewählt. Einfach wunderbar und berührend! :stern:

Saludos
Gabriella

Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5886
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 12.06.2013, 08:22

Hallo Eule! Auch mir gefällt das Gedicht, nur habe ich leider mit dem so zentralen "weiß wie papier" meine Schwierigkeiten. Wenn es sich auf die "lichter" bezieht, wäre mir das Papier zu stumpf. Ein leuchtende Licht lässt sich m. E. nur mit Papier vergleichen, wenn eine Zeichnung drauf ist, die dieses Leuchten gekonnt wiedergibt. Aber davon ist hier ja nicht die Rede. - Ist aber das lyrische Ich gemeint, ginge es ihm so schlecht, dass man ihm Höhenangst unterstellen müsste oder ganz extremes Heimweh.

Benutzeravatar
birke
Beiträge: 5707
Registriert: 19.05.2012
Geschlecht:

Beitragvon birke » 12.06.2013, 18:41

... ich finds wie gabriella sehr schön und stimmungsvoll.
ich lese dieses "weiß wie papier" eher als rein, unbeschrieben, unschuldig.
einzige kleinigkeit, wäre es mein text, würde ich wohl die zeile nicht doppelt setzen, sondern nur an den schluss (und auf den titel verzichten). nur zum überdenken. :smile:
lg,
birke
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

ecb

Beitragvon ecb » 12.06.2013, 19:21

Ich habe wie Amanita meine Schwierigkeiten mit der Verbindung von "weiß wie Papier" und Lichtern - das will mich als Vorstellung nicht wirklich ansprechen. Um die Bedeutung des "weiß wie Papier" als "beschriebenwerdenmüssen" zu bewahren, wäre es vielleicht eine Möglichkeit, "Lichter" durch "Farben" zu ersetzen? - Dadurch ergäbe sich auch eine Art Ambivalenz und Paradoxalität, die mir ohnehin unterschwellig angelegt scheint, aber vielleicht irre ich mich da.

Liebe Grüße
Eva

Mucki
Beiträge: 26644
Registriert: 07.09.2006
Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 12.06.2013, 19:26

Für mich bezieht sich das "weiß wie papier" nicht auf die Lichter oder etwas in den Zeilen. Nach meiner Lesart ist es das Empfinden des LIs, wenn es an seine Stadt denkt. Seine Stadt ist "weiß wie papier" (wie Diana verstehe ich es als rein, unschuldig, unverdorben) trotz Rost, etc.

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 16.06.2013, 19:50

Dieses "Weiß" zwischen den Steinen ... Ist das etwa Schnee?

Benutzeravatar
Eule
Beiträge: 2055
Registriert: 16.04.2010

Beitragvon Eule » 16.06.2013, 21:11

Danke für Eure Kommentare ! Gabriellas Interpretation liegt äm nächsten an meinen Gedanken, das Wort Weiß ist allerdings, wie Eva schreibt, mehrdeutig verwendet. Weiß - u.a. offen, aber auch grell. Vielleicht auch deshalb die Zeilenwiederholung ... Gedankliches Abschweifen ausdrücklich erlaubt ! :smile:
Ein Klang zum Sprachspiel.


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 9 Gäste