Haiku

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Gerda

Beitragvon Gerda » 27.05.2013, 14:13

am bahnsteig letzte sonne
die mücken schwärmen
sein zug fällt aus

©GJ201305


Edit:
Z 2 geändert, vorher "mückenschwärme"
Z3 "der" ausgetauscht gegen "sein"



Hier fenestras Vorschlag:

der zug fällt aus
mückenschwärme nehmen
den letzten sonnenstrahl

Wen es interesssiert, über die Verschiebung der Bedeutung habe ich w. u. etwas geschrieben.
Zuletzt geändert von Gerda am 29.05.2013, 08:53, insgesamt 3-mal geändert.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 27.05.2013, 21:56

Liebe Gerda,

das ist eine schöne Miniatur, an die ich sicher das nächste Mal auf einem abendlichen Bahnhof (wenn der Zug hoffentlich nicht ausfällt, sondern "nur" Verspätung hat) denken werde.

Die Anordnung ist für mich etwas abgehackt. Ich habe mal damit herumgespielt. Wie wäre denn sowas:

am bahnsteig

der zug fällt aus
mückenschwärme nehmen
den letzten sonnenstrahl


Ohne die Überschrift (durchaus denkbar) ist es auch ein Haiku.


Viele Grüße
fenestra

scarlett

Beitragvon scarlett » 27.05.2013, 22:05

ich kriege keine verbindung zwischen den bildern.
kann sein, ich bin zu doof dafür.
was soll denn die aussage dieses dreizeilers sein?
"der zug kommt nicht- also bleibe ich bei den mücken im licht"?
ich mein das wirklich ernst, gerda, ich verstehs nicht. sorry.

lg
scarlett

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Eule
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Beitragvon Eule » 27.05.2013, 22:36

Z.B. "Ein Tag, eine Zeit geht schön zu Ende. Was spielt es dann für eine Rolle, dass etwas anders läuft als erwartet ?".

Vllt. könnte Frau den Schwärmen auch ein anderes Verbum spendieren ? ;-)
Ein Klang zum Sprachspiel.

scarlett

Beitragvon scarlett » 27.05.2013, 22:41

mückenschwärme - schön???
na ich weiß ja nicht ...

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birke
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Beitragvon birke » 27.05.2013, 22:52

hmmm ... positiv lese ich dies nicht unbedingt ... aber dennoch sagt es mir etwas :
die mückenschwärme suggerieren mir einen: sommerabend.
an dem der zug nicht kommt, mit dem ich eigentlich (in die nacht? weiter!) fahren will.
ich bin ausgeliefert. dem, was kommt. oder nicht kommt.

also, ich kann dem haiku, ja, durchaus! einiges abgewinnen. :smile:

liebe grüße
birke
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 27.05.2013, 22:54

X

©GJ201305[/quote]
Hallo, ich misch mich mal ein:
Monika ich finde gar nicht so schlecht nachvollziehbar,

es handelt sich um eine aggravation (mMn)







am bahnsteig letzte sonne (hier klingt Abschied, Abend: Alter H- infälligkeit)
mückenschwärme
der zug fällt aus (Hier geht es um das störende Element, das alte Gescicht
etwas Erwartetes geht nicht in Erfüllung ...

Vielleicht kann an den Worten noch gearbeitet werdem ,aber die Grundaussage stimmt so .

lG
Renée

scarlett

Beitragvon scarlett » 27.05.2013, 22:56

das mag sicher stimmen, liebe renée, das hab ich ja gar nicht bezweifelt.
nur ICH kann damit nix anfangen. es tut mir leid.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 27.05.2013, 22:56

Hallo, scarlett, ein Haiku muss keine Botschaft haben, sondern beschreibt eine Szene, z.B. jahreszeitlich geprägt, hier tageszeitlich. Der Zug kommt nicht, daher ist es still und die Abendsonne kann ungehindert ihre Strahlen unter die Überdachungen der Bahnsteige senden. Da erst fallen die Mücken auf, die im letzten Licht spielen. Ich finds schön!

Gerda

Beitragvon Gerda » 28.05.2013, 00:01

Dankeschön, liebe fenestra, ich fühle den Haiku (der vielleicht ein Senryu ist) von dir verstanden.

Ich finde deine Version geschmeidiger, ja meinem Empfinden näher.
Dennoch... darum geht es im Haiku nicht. ;-) Der Dichter hat sich zurückzunehmen, mit Wertung und Empfinden.
Mir war die "Wendung", die ein Haiku beinhalten soll wichtig und ich bin nicht sicher, ob ich deine Version der Bedingung genügt, obgleich sich sich so amüsant liest. Dankeschön für deine Gedanken!

Seit Jahren versuche ich mich immer mal wieder an dieser Form ... und finde es zunehmend schwieriger ein Haiku zu schreiben ... Da heißt es dann bei der Deutschen Haku Gesellschaft , ein Haiku solle ein "lustiger" Vers sein ... eine Beobachtung ohne Wertung, eine Momentaufnahme die eine Wendung beinhalten sollte. Aber das ist längst nicht alles.

Dies ist meine erste Reaktion zu fast mitternächtlicher Stunde ...

Dank an alle, die sich in diesem Thread geäußert haben.
Ich komme darauf zurück ...

Liebe Grüße
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 28.05.2013, 11:05

Lieber Eule,

du hast mich auf eine Idee gebracht.
ein Haiku soll möglichst konkret beschreiben.
Ein anderes Verb fällt mir zwar nicht ein, aber ich könnte mir vorstellen zu schreiben

die mücken schwärmen

Das Praktische ist, dass das Jahreszeitenwort hier wie selbstverständlich verankert ist ...
(bei den letzten Sonnstrahlen weiß man nur, es ist Abend, aber nich um welche Jahreszeit es sich handelt)

also :
am bahnsteig letzte sonne
die mücken schwärmen
der zug fällt aus

Ich stelle das mal im Seitenkopf mit ein.

Dankeschön fürs Lesen und deine Anmerkung.

Sonnengrüße an den Main
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 28.05.2013, 11:10

Liebe Monika,

das hat mit doof ganz sicher nichts zu tun ...
Stell dir vor, ein lauer Sommerabend, du freust, dich nach einem Arbeitstag auf zu Hause, stehst am Bahnsteig siehst den schwärmenden Mücken zu und dann kommt die Durchsage: Zug xyz fällt aus...
Interessant ist es nun darüber hinaus zu denken, über diese Wendung weiter ... wird der Wartende nun stehen bleiben und weiter versonnen schauen oder sogar gestochen, oder ist er verärgert und, und, und

Danke dir für deine Rückmeldung.

Liebe Grüße
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 28.05.2013, 11:20

Liebe Diana,

dir hat sich eine weitere Betrachtungsebene eröffnet, das freut mich sehr, ich danke dir für dein Feedback.

Herzliche Grüße
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 28.05.2013, 11:23

Liebe Renate,

dankeschön auch dir für deine Rückmeldung.
Fein, dass du mir im Kern folgen kannst.
An diesen Worten ist indes schon ganz schön lange gearbeitet worden ;-)
Das habe ich nicht mal eben aus dem Ärmel gezaubert ... die Grundidee ist ein Jahr alt.
Was natürlich nicht heißt, dass es perfekt ist. Aber es ist tatsächlich eine gelungenes Haku, was mir viel bedeutet.

Liebe Grüße
Gerda


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