guten morgen, carl,
jo mei, die männer scheinen sich viel leichter mit der herrenrolle anfreuden zu können, gell?
es freut, gerade weil flora solche schwierigkeiten damit hat, dass du eine für dich stimmige lesart gefunden hast. muss ich also nicht ganz verzweifeln.
... als ersten Versuch finde ich die Form schon sehr beachtlich!
Deswegen brauchst du im Titel niemanden mit der Nase drauf zu stoßen.
ich habe eher mit formaler kritik gerechnet, weil das ja mein erster versuch in distichen ist, und bin einigermaßen überrascht von den widerständen auf bildebene.
elegie hab ichs schon auch deshalb genannt, weil es ja tatsächlich ein klagelied ist, wenn auch nicht ganz hoffnungslos

. meinest du denn, ich sollte einen anderen titel wählen?
vielen dank für deine rückmeldung,
herr carl,
liebe grüße, poeta
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guten morgen, flora,
aussagen wie: 'ich kann mir das inhaltlich schon zurechtdenken' empfinde ich als glatten tiefschlag, das tut richtig weh in der magengrube

. wenns erst zurechtgedacht werden muss, taugts wohl nicht viel.
an deinen erklärungen erkenne ich schon, warum es für dich nicht stimmig ist, wärs so für mich auch nicht.
Der Regen ist dafür vielleicht ein gutes Beispiel. An diesem Morgen, sagt mir der Text, ist es windstill und es regnet. Der Regen wird als "Hüter der Namen" eingeführt, was für mich positiv konnotiert ist, auf etwas Schützenswertes verweist.
wenn du da genau hinfühlst, ist der regen wirklich positiv? mir erzählt er, von trauer und einsamkeit, weil LI die gehüteten namen viel lieber freilassen möchte. zurechtgedacht!?
aber die stimmung im ersten vers mit dem sich selbst verschweigenden morgen, der windstille ist doch nicht positiv und das 'hüten' hier eher eine 'überbehüten'.
Der Regen und damit das Ende der verödeten Haut, der Anfang des Keimens und Wachsens bis hin zur Blüte, ist aber offensichtlich unabhängig von seiner Anwesenheit, denn es regnet ja schon.
das hast du dir jetzt zurechtgedacht, seit wann bewirkt regen automatisch keimen und wachsen. da gehören doch auch im strengen naturbild noch andere faktoren dazu: bodenbeschaffenheit, klima: sonne, temperatur, höhenlage ...
'
verödet' ist ja auch nicht einfach 'vertrocknet' im synonymlexikon finde ich da:
1.öde: ausgestorben, menschenleer, tot
2. verlassen: einsam, entvölkert, geisterhaft, mechanisch, menschenleer, seelenlos, still, unbelebt, öde, unbevölkert, unbelebt, unempfindlich, unempfänglich tot.
3. einsam: entvölkert, geisterhaft, leer, menschenleer, unbelebt, unbeseelt, unbevölkert, öde, verlassen, verschlafen, leblos, unwirtlich, verkehrsarm, ausgestorben.
LIch hofft nun aber auch nicht auf neue Küsse des Herrn, was ja erstmal das naheliegende wäre, wenn es auf seine Heimkehr wartet, es LIch nach ihm dürstet, sondern darauf, dass die alten, auf der Haut bewahrten Küsse/Samen aufblühen mögen.
wo steht das denn, bitte? LI 'hofft auf blüten im mai' - woher die kommen legt der text doch gar nicht fest , meinst nicht, dass da wieder etwas aufblühen kann, was grundgelegt wurde, weil sich der körper erinnert, dass gleichzeitig ganz neues blütenküsse dazukommen können?
auch denkbar, die küsse wären gleich als samen verschenkt worden (geheim und diskret eingetütet), hätten noch gar nicht richtig geblüht, weil bisher einfach die äußeren bedingungen nicht stimmten... ???
Ich war nur verwundert, dass da "Kritik", oder die Darstellung einer Problematik drinstecken sollte.
naja, da steckt schon noch mehr drin, als bloßes warten, bilder und sprache wurden bewusst so gewählt (ich hab ja auch weiter oben schon auf die bibel verwiesen), weil das meinen protas naheliegend ist. es gibt also schon noch einen zweiten boden, unter dem schotter den fels ...
liebe grüße, poeta