Creeping in poverty

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Klimperer

Beitragvon Klimperer » 07.05.2013, 10:35

Arme Leute Gericht
in Deutschland:
Honigmelone mit Schinken,
mit Kochschinken ...

Je eine kleine Scheibe
Weißbrot dazu.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 09.05.2013, 20:07

Hola Carlos,

was sind wir Deutschen doch arm. ,-) Dein Rezept oben ist eher ne Delikatesse. :mrgreen:
Und wohl auch so von dir gedacht. *g*

Übrigens, was "eigentlich" als Arme-Leute-Gerichte deklariert wird, finde ich persönlich einfach nur köstlich, z.B.
Armer Ritter
Pellkartoffeln mit Quark
"Scheiterhaufen" mit Vanillesauße
Bauernfrühstück
"Himmel und Erde" (das hab ich als Kind total gerne gegessen)

Appetitangeregte Grüße
Gabriella, die jetzt total Lust auf armer Ritter bekommen hat! *schmatz*

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 10.05.2013, 00:37

Hola Gabriella,

was ist "Himmel und Erde"?

Bestimmt was Süßes, da du es so gerne als Kind gegessen hast.

Ich selbst liebe auch einfache Gerichte, ich könnte jeden Tag Reis und Bohnen essen. Das habe ich die ersten 25 Jahren meines Lebens gegessen, und das prägt.

Das mit meinem Gedicht aber, das ist eine ernste Sache, das basiert auf erlebte einschleichende Armut, es hat sich genau so abgespielt. Du weißt, dass zu Honigmelone eigentlich Parma Schinken gehört. Es hat mich tief getroffen.

Mitten im Reichtum kann man plötzlich arm sein.

Oder es langsam werden ...

Ich fühle mich immer reicher.

A bientot

Carlos

Mucki
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Beitragvon Mucki » 10.05.2013, 10:24

Buenas dias Carlos,

ja klar, Prosciutto e melone wird mit Parmaschinken serviert und ist eine der klassischen Antipasti. Da hast du sehr dezent auf eine "schleichende" Armut hingewiesen, zumal es ja eine Vorspeise ist und dann erst der Hauptgang folgt.

"Himmel und Erde" ist ein ganz einfaches Gericht, in dem Kartoffeln (Erde) mit Äpfeln (Himmel) zusammen gekocht werden, bis es eine Art Mus wird. Es hat so einen "Urgeschmack", wie ich es nenne. So, wie wenn man ein Brötchen in Milch tunkt. Keine Gewürze oder so rein, sondern ganz pur eben. "Himmel und Erde" wird auch oft mit Bratwurt und Zwiebeln serviert, aber ich kenne und mag es nur ganz pur.

Es gibt ja viele Menschen, die wirkliche Notzeiten erlebt haben, in denen sie nur Brot mit Senf gegessen haben z.B. So etwas habe ich zum Glück nie erlebt.
Klimperer hat geschrieben:Ich fühle mich immer reicher.

Das finde ich sehr schön, wenn man das so bewusst empfinden kann. Vielen ist gar nicht bewusst, wie gut es ihnen eigentlich geht.

Saludos
Gabriella

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 13.05.2013, 17:24

Wenn ich mich mal einmischen darf: Zu Himmel und Erde gehört Blut-, nicht Bratwurst.
Jedenfalls bei uns im Hesseland.

Grüße von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 13.05.2013, 17:32

Blutwurst *schüttel*
Ich bin aber im Ruhrpott aufgewachsen, Zefi. Aber meine Eltern hatten eh so merkwürdige Geschmäcker. Die haben auch Blutsuppe gegessen. *würg*

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 13.05.2013, 17:35

Ich muss gestehen, auch noch nie Blutwurst mit Apfel gegessen zu haben, obwohl es geschmacklich ein Highlight sein soll.
Melone mit Schinken hatte ich auch noch nie - allerdings schon Aprikose in Gulasch, das war wirklich gut!

lG Zefira
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Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 14.05.2013, 04:01

Frugal...

Eine frugale Mahlzeit - wie sie Rousseau in seinen Confessions beschreibt (Eier, speck und Bratkartoffeln) - missverstand ich lange, sehr lange als "opulentes Mahl"...

Frugal bedeutet aber: einfach, arm, schlicht, bäuerlich, ...

Woraus ich schließe: was dem einen arm ist dem andern REICH.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 14.05.2013, 08:22

Apropos opulentes Mahl, üppiges Mahl: Wie nennt man das eigentlich, wenn man, wie es die Franzosen am besten verstehen, lange und genüsslich ein Essen regelrecht zu zelebrieren, ohne, dass es dekadent ist und ohne Völlerei? Diese vielen kleinen Speisen, die sich über Stunden hinziehen?

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Beitragvon Zefira » 14.05.2013, 08:27

Bzgl. Reichtum: Mich hat es berührt, was ich in einer Strickzeitschrift (wo sonst?) einen Artikel über einen Milchschafbauern in Norddeutschland gelesen habe - übrigens ein Mann unserer Generation, Renée, ein Althippie mit langem Haar. Wenn ich es richtig verstanden habe, warf sein Hof gerade die Unkosten ab. Ob er reich sei, wurde er gefragt, und gab zur Antwort: ja, natürlich. Alles was er sich wünsche, könne er sich leisten.


Reiche Grüße
Zefira
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(Ikkyu Sojun)

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 14.05.2013, 11:23

liebe Gabi

das ist schlicht und einfach "un repas" evtl "un repas de famille" ... es ist einfach Essen --- ohne Aufwand, aber mit Zeit, und Liebe und Sinn für Langsamkeit. Reden ist wichtiger als Esssen. Nichts ist bierernst, alles heiter und Geplänkel. Man bleibt an der Oberfläche, scharrt weder in Wunden, noch in sich selbst, sondern prickelt vor sich hin. Jeder prickelt, schäumt verhalten, freut sich nicht nur des Lebens... Man ist Gast unter Gästen. Auch der Gastgeber übrigens. ein wunderbares Wort: der "convive" der Mitlebende ist derjenige, der Gast ist, zur selben Zeit wie ich ....

ich vermisse es soooooooooooo sehr ...

EIn Festessen in Deutschland wird virtuos gekocht, virtuos hingelegt, aber man muss dann zu allem klatschen und bravo sagen. Ein gutes Essen ist, wenn man die Speise vergisst, nur gelegentlich, fast verschämt es genießt, lobt man, lobt man mit wenigen Worten, denn all das ist Nebensache, Hauptsache das Zusammensein.

Der Kommunist prostet dem Le Pen-Anhänger ausnahmsweise zu. (innerlich mag er entrüstet sein, aber das Gemeinsam am Tisch sitzen heiligt den Mitgast, den Convive)

Dieses Tafeln ....

während der Deutsche die Tendenz zur Unversöhnlichkeit hat -- " was Eberhard der Greiner tat (Schlacht bei Reutingen, Ludwig Uhland)

er schnitt das Tafeltuch entzwei

.

Ach unsere Tendenz zum Radiikalen, zum Unversöhnlichen ...

un repas

pourrait arranger tout ca ...

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 14.05.2013, 12:26

Salut, Renée,

hier ein Kommentar, der weit mehr als nur ein solcher ist.
Interessant, das französische Wort für Gastgeber. Es scheint direkt aus dem Lateinischen, aus CONVIVA, zu stammen.

A bientot,

Carlos

Mucki
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Beitragvon Mucki » 14.05.2013, 12:44

Wunderbar, wie du es beschreibst, liebe Renée. :stern:
Deine Schilderung allein ist bereits ein Genuss!
Genau das meinte ich.
Renée Lomris hat geschrieben:ich vermisse es soooooooooooo sehr ...

Das glaub ich dir!

Liebe Grüße
Gabi

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 15.05.2013, 16:33

Hallo Klimperer,

Das mit meinem Gedicht aber, das ist eine ernste Sache, das basiert auf erlebte einschleichende Armut, es hat sich genau so abgespielt. Du weißt, dass zu Honigmelone eigentlich Parma Schinken gehört. Es hat mich tief getroffen.
Ob es sich so abgespielt hat, oder nicht, ist für das Gedicht selbst ja erst einmal nicht von Bedeutung. Deine Texte sind oft schöne Anknüpfungspunkte für Gespräche, wie auch hier wieder. Wenn ich mir aber rein den Text anschaue und deine Intention, soweit ich das aus deinem Kommentar herauslesen kann, so klafft da für mich etwas auseinander. Du hast es in die Rubrik humorige und satirische Lyrik eingestellt. So ließe es sich für mich auch lesen, gerade durch den "hippen" englischen Titel, der sehr dramatisch überzogen klingt und die Betonung auf "in Deutschland".
Wie es da steht, nimmt es für mich das Jammern auf hohem Niveau auf die Schippe. Gabriella scheint ganz ähnlich gelesen zu haben. Aber so scheint es nicht von dir gedacht zu sein?

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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