2. Version
Gezeiten
sprich langsam und zerdehne
die Minuten, ich könnt vergehen
mit jeder Silbe dieser Worte:
Ich liebe dich
lass mich mit einer Lupe
betrachten Haar und Haut
auch deine Regenbogenaugen
die zärtlich schauen ohne Müdigkeit
zerdehn die Zeit, als ob es sie nicht gäbe
nicht zeichne uns die Altersflecken auf
als würde niemals Streit entzweien
und wir stets schmelzen nur in Leidenschaft
die Alltagswelt von Voile verborgen
spielt sich vor bloßen Fenstern ab
entrückt im Flammenschein der Kerzen
wiegen beim Tango wir uns Leib an Leib
und wünschen, dass es ewig währe
wohl wissend, eines Tags zerbricht’s
in der Gewohnheit und der Langeweile
es ist ja immer so: Am End’ bleibt Leere
1. Version
sprich langsam und zerdehne
die Minuten, dass ich vergehen
möge mit jeder Silbe dieser Worte:
Ich liebe dich
lass mich mit einer Lupe
betrachten Haar und Haut
auch deine Regenbogenaugen
die zärtlich schauen ohne Müdigkeit
zerdehn die Zeit, als ob es sie nicht gäbe
nicht zeichne uns die Altersflecken auf
als würde niemals Streit entzweien
und wir stets schmelzen nur in Leidenschaft
die Alltagswelt verborgen von Voile
spielt sich bloß vor unsren Fenstern ab
entrückt im Flammenschein der Kerzen
wiegen beim Tango wir Leib an Leib
und wünschen, dass es ewig währe
wohl wissend, eines Tags zerbricht’s
in der Gewohnheit und der Langeweile
es ist ja immer so: Am End’ bleibt Leere
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Gezeiten
Hallo Elsa,
die ersten vier Strophen gefallen mir sehr, die letzte, davon aber nur die letzten drei Zeilen, nicht.
In den ersten Strophen befindest du dich in einer aktuellen Liebessituation, Genuss, Freude, Erfüllung verbunden mit der Sehnsucht: So soll es bleiben. Das kann ich nachfühlen. Die Überlegungen der letzten Strophe, so berechtigt und kompetent sie sein mögen, passen meines Erachtens nicht in diese Stimmung der ersten Strophen hinein. hinein. So nüchtern denkt man nicht, wenn man liebend liegt, Haut und Haar des anderen studiert und sich wünscht, dass die Zeit stehen bleibt. So denkt man vielleicht, wenn man ein Gedicht schreibt.
„wohl wissend, eines Tags zerbricht’s“ schreibst du. Nein, man weiß es nicht. Man will es auch nicht wissen. Wissen kann man es erst, wenn es zerbrochen ist. Bestenfalls erinnert man sich. Verstehe mich nicht falsch, mir gefällt dein Gedicht, ich finde es nur nicht stimmig am Ende. Zu brüsk. Fatalismus passt nicht zum Verliebt sein.
Indirekt fließt das alles in der dritten Strophe ein, ich finde das reicht.
Liebe Grüße
Dede
die ersten vier Strophen gefallen mir sehr, die letzte, davon aber nur die letzten drei Zeilen, nicht.
In den ersten Strophen befindest du dich in einer aktuellen Liebessituation, Genuss, Freude, Erfüllung verbunden mit der Sehnsucht: So soll es bleiben. Das kann ich nachfühlen. Die Überlegungen der letzten Strophe, so berechtigt und kompetent sie sein mögen, passen meines Erachtens nicht in diese Stimmung der ersten Strophen hinein. hinein. So nüchtern denkt man nicht, wenn man liebend liegt, Haut und Haar des anderen studiert und sich wünscht, dass die Zeit stehen bleibt. So denkt man vielleicht, wenn man ein Gedicht schreibt.
„wohl wissend, eines Tags zerbricht’s“ schreibst du. Nein, man weiß es nicht. Man will es auch nicht wissen. Wissen kann man es erst, wenn es zerbrochen ist. Bestenfalls erinnert man sich. Verstehe mich nicht falsch, mir gefällt dein Gedicht, ich finde es nur nicht stimmig am Ende. Zu brüsk. Fatalismus passt nicht zum Verliebt sein.
Indirekt fließt das alles in der dritten Strophe ein, ich finde das reicht.
Liebe Grüße
Dede
Danke für die Befassung, liebe Dede,
du meinst, ich sollte nur die 1. Z. der 4. St. beibehalten? Wäre auch eine Möglichkeit. Eigentlich dachte ich an 2, die nach unglücklichen Lieben nun doch versuchen eine neue Liebe zu leben, obwohl sie die Angst haben, es könnte wieder schmerzvoll enden. Ob das dann noch erhalten bleibt?
Liebe Grüße
Elsa
du meinst, ich sollte nur die 1. Z. der 4. St. beibehalten? Wäre auch eine Möglichkeit. Eigentlich dachte ich an 2, die nach unglücklichen Lieben nun doch versuchen eine neue Liebe zu leben, obwohl sie die Angst haben, es könnte wieder schmerzvoll enden. Ob das dann noch erhalten bleibt?
Liebe Grüße
Elsa
Schreiben ist atmen
Liebe Elsie,
mir gefällt die Erst- und auch die Zweitfassung mit dem Schluss gut, da der Schluss eben diesen angstvollen Blick in die Realität wirft, die beide erlebt haben. Sonst wäre es mir zu sehr Friede-Freude-Eierkuchen.
Du könntest es evtl. etwas relativieren, wenn du das Wort "immer" abmilderst, da es sehr absolut klingt.
Liebe Grüße
Mucki
mir gefällt die Erst- und auch die Zweitfassung mit dem Schluss gut, da der Schluss eben diesen angstvollen Blick in die Realität wirft, die beide erlebt haben. Sonst wäre es mir zu sehr Friede-Freude-Eierkuchen.
Du könntest es evtl. etwas relativieren, wenn du das Wort "immer" abmilderst, da es sehr absolut klingt.
Liebe Grüße
Mucki
Liebe Mucki, dankeschön!
Ich denke auch, ich kann den Schluß nicht kappen. Und das "immer", das finde ich rhythmisch schon gut, ich glaub, das muss auch bleiben, denn es war ja immer so beim LI, dass ja schon in der neuen Liebe genaugenommen den Schlussstrich zieht.
Liebe Grüße
ELsie
Ich denke auch, ich kann den Schluß nicht kappen. Und das "immer", das finde ich rhythmisch schon gut, ich glaub, das muss auch bleiben, denn es war ja immer so beim LI, dass ja schon in der neuen Liebe genaugenommen den Schlussstrich zieht.
Liebe Grüße
ELsie
Schreiben ist atmen
Liebe Elsa,
mir gefällt dein Gedicht auch so, wie es ist. Was ich meinte: die Sorge, die Liebe könne in einem Fiasko enden, ist immer da, außer in der Zeit, in der man wirklich verliebt ist. Über diese Phase dichtest du im ersten Teil. Und zwar so, dass ich berührt bin. Kein Wort davon, dass es sich um einen wiederholten Versuch handelt, es wird geliebt.
Im letzten Teil reflektierst du über die Liebe, es ist kein LiebesFlussGedicht mehr. Keinesfalls wollte ich auf Friede, Freude, Eierkuchen hinaus. Das „immer“ in der letzten Zeile klingt wirklich absolut, wie Gabriella schon schreibt. Das Ende einer Liebe muss nicht Leere und Langeweile sein. Und dass es keine niemals endende Liebe gibt, ist noch nicht einmal erwiesen. (o.K. denke dir den letzten Satz gestrichen
).
Alles in allem gefällt mir die zweite Fassung noch besser als die erste.
Liebe Grüße
Dede
Elsa hat geschrieben:Eigentlich dachte ich an 2, die nach unglücklichen Lieben nun doch versuchen eine neue Liebe zu leben, obwohl sie die Angst haben, es könnte wieder schmerzvoll enden. Elsa
mir gefällt dein Gedicht auch so, wie es ist. Was ich meinte: die Sorge, die Liebe könne in einem Fiasko enden, ist immer da, außer in der Zeit, in der man wirklich verliebt ist. Über diese Phase dichtest du im ersten Teil. Und zwar so, dass ich berührt bin. Kein Wort davon, dass es sich um einen wiederholten Versuch handelt, es wird geliebt.
Im letzten Teil reflektierst du über die Liebe, es ist kein LiebesFlussGedicht mehr. Keinesfalls wollte ich auf Friede, Freude, Eierkuchen hinaus. Das „immer“ in der letzten Zeile klingt wirklich absolut, wie Gabriella schon schreibt. Das Ende einer Liebe muss nicht Leere und Langeweile sein. Und dass es keine niemals endende Liebe gibt, ist noch nicht einmal erwiesen. (o.K. denke dir den letzten Satz gestrichen
). Alles in allem gefällt mir die zweite Fassung noch besser als die erste.
Liebe Grüße
Dede
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poeta
hi und guten morgen,
was mir ganz wunderbar gefällt, ist dieses 'spricht langsam und zerdehne ...' und 'zerdehne die Zeit, als ob es sie nicht gäbe'. daraus spricht die sehnsucht, das halten, bewahren zu können, was gerade ist: diesen augenblick, in dem wissen, dass er so nie wieder kommt. da schwingt für ich etwas feierliches mit, eine liebe, die zelebriert wird im wissen um ihre veränderlich- und vergänglichkeit, ein gerade darum besonderes wertschätzen, eine achtsamkeit, die bemüht ist voll auszukosten, nur ja keinen tropfen zu verschwenden ...
mir käme ein ende in '... und wünschen, dass es ewig währe' ziemlich platt vor. Ob die beziehnung immer in gewohnheit, langeweile und leere enden muss (?), sei dahingestellt. die (vor)erfahrungen des LI sprechen da eine eindeutige sprache. das kann man inhaltlich schon so stehen, LI kann sich ja auch irren. die leserin muss diese ansicht auch nicht teilen ...
sehr gut gefällt mir auch das betrachten durch die lupe (in der für mich auch die 'zeitlupe' mitschwingt) und das ausblenden wollen der altersflecken, von 'abnutzung' und streit und natürlich des alterns der beziehung und der protas. manche formulierungen würde ich mir ein bisschen weiter weg vom gängigen wünschen, z.b. das 'schmelzen in leidenschaft' oder das 'entrücktsein im flammenschein der kerzen' ... naja geschmackssache!
was hältst du davon im letzten abschnitt nicht 'zerbrechen' sonder 'verlaufen' od. so ähnlich zu lassen, gewohnheit, langeweile mogeln sich ja eher unbemerkt rein, stellen keinen bruch mit pauken und trompeten dar. bei bruch denke ich eher an vertrauensbruch, einander hintergehen ...
mir gefällt in der ersten fassung die verknüpfung mit den 'dass' besser ('zerdehne..., dass ich vergehe' - möge erscheint mir nicht unbedingt nötig, aber warum nicht).
insgesamt gefällt mir dein 'plädoyer für mehr achtsamkeit im augenblick' gerade vor dem erfahrungshntergrund des scheitern in gewohnheit und langeweile, möglicherweise liegt darin verborgen der keim einer hoffnung, mit konzentration auf den moment die langeweile noch recht lange fernzuhalten.
liebe grüße, poets
was mir ganz wunderbar gefällt, ist dieses 'spricht langsam und zerdehne ...' und 'zerdehne die Zeit, als ob es sie nicht gäbe'. daraus spricht die sehnsucht, das halten, bewahren zu können, was gerade ist: diesen augenblick, in dem wissen, dass er so nie wieder kommt. da schwingt für ich etwas feierliches mit, eine liebe, die zelebriert wird im wissen um ihre veränderlich- und vergänglichkeit, ein gerade darum besonderes wertschätzen, eine achtsamkeit, die bemüht ist voll auszukosten, nur ja keinen tropfen zu verschwenden ...
mir käme ein ende in '... und wünschen, dass es ewig währe' ziemlich platt vor. Ob die beziehnung immer in gewohnheit, langeweile und leere enden muss (?), sei dahingestellt. die (vor)erfahrungen des LI sprechen da eine eindeutige sprache. das kann man inhaltlich schon so stehen, LI kann sich ja auch irren. die leserin muss diese ansicht auch nicht teilen ...
sehr gut gefällt mir auch das betrachten durch die lupe (in der für mich auch die 'zeitlupe' mitschwingt) und das ausblenden wollen der altersflecken, von 'abnutzung' und streit und natürlich des alterns der beziehung und der protas. manche formulierungen würde ich mir ein bisschen weiter weg vom gängigen wünschen, z.b. das 'schmelzen in leidenschaft' oder das 'entrücktsein im flammenschein der kerzen' ... naja geschmackssache!
was hältst du davon im letzten abschnitt nicht 'zerbrechen' sonder 'verlaufen' od. so ähnlich zu lassen, gewohnheit, langeweile mogeln sich ja eher unbemerkt rein, stellen keinen bruch mit pauken und trompeten dar. bei bruch denke ich eher an vertrauensbruch, einander hintergehen ...
mir gefällt in der ersten fassung die verknüpfung mit den 'dass' besser ('zerdehne..., dass ich vergehe' - möge erscheint mir nicht unbedingt nötig, aber warum nicht).
insgesamt gefällt mir dein 'plädoyer für mehr achtsamkeit im augenblick' gerade vor dem erfahrungshntergrund des scheitern in gewohnheit und langeweile, möglicherweise liegt darin verborgen der keim einer hoffnung, mit konzentration auf den moment die langeweile noch recht lange fernzuhalten.
liebe grüße, poets
Liebe Dede
Ich denke, dass es sich um einen weiteren Versuch handelt, kommt eben im 2. Teil heraus.
Vielen Dank fürs Nochmalige,
LG, ELsa
Elsa hat geschrieben:Eigentlich dachte ich an 2, die nach unglücklichen Lieben nun doch versuchen eine neue Liebe zu leben, obwohl sie die Angst haben, es könnte wieder schmerzvoll enden. Elsa
mir gefällt dein Gedicht auch so, wie es ist. Was ich meinte: die Sorge, die Liebe könne in einem Fiasko enden, ist immer da, außer in der Zeit, in der man wirklich verliebt ist. Über diese Phase dichtest du im ersten Teil. Und zwar so, dass ich berührt bin. Kein Wort davon, dass es sich um einen wiederholten Versuch handelt, es wird geliebt.
Ich denke, dass es sich um einen weiteren Versuch handelt, kommt eben im 2. Teil heraus.
Mir ist klar, dass du nicht darauf hinaus wolltest, das weiß ich. Und nein, erwiesen ist es nicht, aber die Angst des LI ist nach den Erfahrungen, wo es IMMER so endete ist groß-Im letzten Teil reflektierst du über die Liebe, es ist kein LiebesFlussGedicht mehr. Keinesfalls wollte ich auf Friede, Freude, Eierkuchen hinaus. Das „immer“ in der letzten Zeile klingt wirklich absolut, wie Gabriella schon schreibt. Das Ende einer Liebe muss nicht Leere und Langeweile sein. Und dass es keine niemals endende Liebe gibt, ist noch nicht einmal erwiesen. (o.K. denke dir den letzten Satz gestrichen).
Danke! Da hat mir scarlett geholfen :)Alles in allem gefällt mir die zweite Fassung noch besser als die erste.
Vielen Dank fürs Nochmalige,
LG, ELsa
Schreiben ist atmen
liebe poeta,
erstmal danke für die freundliche befassung, schön!
Liebe Dankesgrüße
ELsa
erstmal danke für die freundliche befassung, schön!
Wäre schön wenn LI sich irrt. Und klar, die Leserin kann ganz andere Erfahrungen gemacht haben.mir käme ein ende in '... und wünschen, dass es ewig währe' ziemlich platt vor. Ob die beziehnung immer in gewohnheit, langeweile und leere enden muss (?), sei dahingestellt. die (vor)erfahrungen des LI sprechen da eine eindeutige sprache. das kann man inhaltlich schon so stehen, LI kann sich ja auch irren. die leserin muss diese ansicht auch nicht teilen ...
Dieser Kitsch sollte Hinweis sein, dass *noch* die rosarote Brille das LI trotz Angst verführt, sich auf das alles einzulassen. Also überbordend :)manche formulierungen würde ich mir ein bisschen weiter weg vom gängigen wünschen, z.b. das 'schmelzen in leidenschaft' oder das 'entrücktsein im flammenschein der kerzen' ... naja geschmackssache!
Darüber denke ich gern nach...was hältst du davon im letzten abschnitt nicht 'zerbrechen' sonder 'verlaufen' od. so ähnlich zu lassen, gewohnheit, langeweile mogeln sich ja eher unbemerkt rein, stellen keinen bruch mit pauken und trompeten dar. bei bruch denke ich eher an vertrauensbruch, einander hintergehen ...
Ok. Es klang vielleicht besser, aber inhaltlich war es blöd, denn LI will ja nicht wirklich vergehen, dann hätte es ja nix mehr von der Liebe.mir gefällt in der ersten fassung die verknüpfung mit den 'dass' besser ('zerdehne..., dass ich vergehe' - möge erscheint mir nicht unbedingt nötig, aber warum nicht).
Vielleicht hats LI ja diesbezüglich mal Glück *g*insgesamt gefällt mir dein 'plädoyer für mehr achtsamkeit im augenblick' gerade vor dem erfahrungshntergrund des scheitern in gewohnheit und langeweile, möglicherweise liegt darin verborgen der keim einer hoffnung, mit konzentration auf den moment die langeweile noch recht lange fernzuhalten.![]()
Liebe Dankesgrüße
ELsa
Schreiben ist atmen
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