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[m] frostgefahr
Verfasst: 02.03.2013, 17:39
von poeta
frostgefahr
leise rieseln bald statt schnee
erste blütenblätter von den bäumen.
naseweise grüne spitzen säumen
zarte zweige an der haupallee
mancher schwärmt hier tags nach bienenart
oder flötet mittels honigtönen
nächtens in das ohr der frühlingsschönen
die sich frostig jede antwort spart
Verfasst: 03.03.2013, 00:07
von Klimperer
Ein schönes Gedicht.
Eines, das in einer Anthologie nicht enttäuschen würde.
Zum ersten Mal werde ich hier mit Reim konfrontiert, den ich schon als überholt vergessen wollte.
Nein, er lebt noch, aber es bedarf richtiges Talent, um ihn überzeugend zu verwenden.
Hier ist es so.
Alles passt hier, auch der Titel, der im letzten Vers sich wieder meldet ...
"Leise rieseln bald statt Schnee
erste Blütenblätter von den Bäumen."
Schon diese zwei Verse würden jeden Dichter neidisch machen.
Verfasst: 03.03.2013, 14:28
von poeta
hi Klimperer,
ich bedanke mich für das außergewöhnliche lob, umso mehr als du reimgedicht für überholt gehalten und deine meinung hier geändert hast. ich freue mich sehr darüber.
liebe grüße, poeta
Verfasst: 04.03.2013, 01:50
von fenestra
Liebe poeta,
ich finde diesen Text in seiner traditionellen Machart auch sehr gelungen. Reimschema und Metrik sitzen hundertprozentig, es fließt völlig ungezwungen und du hast im zweiten Teil augenzwinkernd ein paar nicht alltägliche Metaphern untergebracht. Wirklich ein Vergnügen, zu lesen!
Viele Grüße
fenestra
P.S.: Gerade erst das Akrostichon gesehen! Und trotzdem ein so müheloser Textfluss, alle Achtung!
Verfasst: 05.03.2013, 15:35
von poeta
liebe fenestra,
ich freu mich, dass du den text gelungen findest.
es sollte ein leichtes, heiteres frühllingsgedicht werden, von denen es schon viel zu viele klischeebehaftete gibt. genau diese klischees aufzugreifen und mit einem augenzwinkern zu beugen war intention. mit dem schnee zu beginnen und frostig zu enden, könnte aber auch zynisch verstanden werden oder als appell, mit beiden beinen am boden der tatsachen zu bleiben ... was aber alles nichts nützt, wenns einen erst einmal erwischt hat.
vielen dank für deinen beitrag,
liebe grüße, poeta
Verfasst: 07.03.2013, 23:59
von ferdi
Hallo Poeta,
an sich gefällt mir der Text auch; auf der formalen Seite sehe ich allerdings nicht ein, warum der erste Vers, der den Leser ja "einstimmt", ein Vierheber ist, wenn danach nur noch Fünfheber folgen; und dann hast du am Anfang auch noch das Grundübel aller trochäischen Verse im Text, das durch Übereinstimmung von zweisilbigem Versfuß und zweisilbigem Wort hervorgerufene "Klappern" (um es mit Heine zu sagen): erste / blüten- / blätter / von den / bäumen / nase- / weise / grüne / spitzen / säumen / zarte / zweige - Elfmal, nur vom "von den" unterbrochen, das einförmige tamta, tamta, tamta ... Das ist arg langweilig und etwas, das du noch ändern solltest, denke ich.
Ferdigruß!
Verfasst: 08.03.2013, 08:19
von poeta
hi ferdi,
du hast natürlich recht mit deinem 'formalen auf die finger klopfen', wobei mich der verkürzte einstiegsvers eigentlich selbst nicht gestörte hat (ich hätte ihn natürlich aufplustern können, fand aber die nähe zum zitat 'leise rieselt der schnee' wichtiger und treffender). das mit dem klappern ist so ein wunder punkt bei mir, das wurmt mich selbst. ich kriegs aber nicht weg.
danke für deinen kritischen blick,
liebe grüße, poeta