essentiell

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
poeta

Beitragvon poeta » 27.02.2013, 19:20

essentiell


es sind die ufer deiner augen,
die weit hinterm horizont liegen
oder auch nirgendwo,
wenn mir kinderlachen
unverstellt in den schoß fällt
oder irgendwann

sind dämonentänze auf
heißen herdplatten,
wenn sich meere zu einem
einzigen tropfen ballen
oder etwas in der art.

hexenfeuer sind es,
die mich vollgestopfte taschen
rauchopfern lassen
auf der suche nach dem wort,
das dich aufspürt
und mich findet
oder auch nicht

Mucki
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Beitragvon Mucki » 28.02.2013, 16:05

Hallo poeta,

hier gefällt mir diese Hin- und Herbewegung, die du durch die "oder auch nirgendwo" /"oder irgendwann", "oder etwas in der art", "und mich findet"/"oder auch nicht" erzeugst.
Die einzelnen Absätze würde ich jeweils immer mit "es sind" beginnen lassen. Ich finde, dass dadurch diese Bewegung auf eine paradoxe Art und Weise verstärkt wird.

Saludos
Gabriella

ecb

Beitragvon ecb » 28.02.2013, 17:58

Sie haben etwas Kühnes, Forderndes, diese aufflammenden Bilder, diese Hexenfeuer, aber durch die "oder ..."-Formeln fallen sie gleich wieder in sich zusammen und werden zurückgenommen, als bekäme da jemand Angst vor seiner eigenen Courage.
Insofern finde ich die Kontraste sehr ausdrucksstark.

Liebe Grüße
Eva

poeta

Beitragvon poeta » 01.03.2013, 07:40

hi Gabriella,
es freut mich, wenn dieses pendeln zwischen erkenntnis und unsicherheit, zwischen ahnung und zweifel, zwischen mut und angst... bei dir so wohlwollend augenommen wurde.
deinen vorschlag bezüglich des 'es sind...' werde ich überdenken, doch denke ich grundsätzlich, dass 'es sind' einen eher 'schwachen' einstieg darstellt, den ich gerne im verlauf stärken möchte, besonders in der letzten strophe durch die umkehrung und den starken beginn mit 'hexenfeuer'; ein versuch des immer 'essentieller-werdens' der konzentration auf das wesentliche, des sich trennens (rauchopfern) von allem was 'zerstreut', hemmt und belastet. alles auf eine karte setzen mit nur relativer gewissheit, denn absolute sicherheit gibt es in diesem leben genausowenig wie die absolute wahrheit.

vielen dank für die beschäftigung mit dem text und deine anregung.
liebe grüße, poeta


________________________



hi ecb/Eva,
ja, ich denke auch die kühnen, fordernden sind nicht ganz frei von zweifeln. das ganze leben ist riskant, aber wenn du nicht riskierst, hast du schon verloren.um zum wesentlichn zu gelangen, zur essenz, sind immer wieder mut, aufbruch ins ungewisse, ein sich einlassen auf das gefühlte, erahnte , zutrauen und vertrauen nötig, kritisches hinterfragen, korrektur und umkehr aber auch. ein pendenln zwischen extremen.

danke dir herzlich, dass du dich mit dem text beschäftigt und mir deinen kommentar dagelassen hast.
liebe grüße, poeta


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