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Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 28.01.2013, 19:53

Wir liegen im Hafen fest
löschen Tag für Tag
unsere Fracht
die Last der Jahre
und werden kaum etwas los
die Leinen sichern uns
unser Schiff
aber sie binden uns auch
an die Ufer der grauen Stadt
mit immer denselben Worten
beschreiben wir sie
auf Ansichtskarten nach Übersee
der verflossenen Liebe

Mucki
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Beitragvon Mucki » 29.01.2013, 15:49

Hallo Amanita,

die Verbindung von Hafen und Stadt, von der doppelt besetzten Fracht, gefällt mir gut.
Ich würde überlegen, nach "an die Ufer der grauen Stadt" zu enden und die restlichen Zeilen zu streichen. Sie scheinen mir entbehrlich. Also so:


Wir liegen im Hafen fest
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unsere Fracht
die Last der Jahre
und werden kaum etwas los
die Leinen sichern uns
unser Schiff
aber sie binden uns auch
an die Ufer der grauen Stadt



Saludos
Gabriella

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 29.01.2013, 15:57

Danke, Gabriella!

Ich finde (natürlich), dass da noch was hin muss. Bin aber gespannt, wie das die anderen sehen - lasse mich eventuell noch überzeugen :)

Herby

Beitragvon Herby » 29.01.2013, 21:11

Der Text spricht mich in seiner mehrschichtigen Bildhaftigkeit sehr an, Amanita. Was die von Gabriella angeregte Verkürzung des Textes angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits ergibt Gabis Überlegung Sinn, andererseits frage ich mich, ob deinem Text nicht ein wesentlicher Aspekt fehlen würde, ließest du die letzten vier Verse weg. Jedenfalls finde ich das Element der verflossenen Liebe im vorhergehenden Text nicht - oder lese ich da etwas falsch? --

Ja, ich lese wohl wirklich falsch, das wird mir gerade erst klar - die Rede ist ja von "wir", also Plural. Ich weiß trotzdem nicht, ob ich Gabi folgen kann, enthält der letzte Vers doch zumindest eine Präzisierung. Weglassen könnte man die Verse, wären sie redundant, aber das sehe ich nicht.

Herzliche, wenn auch leicht konfuse Grüße,
Herby

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 29.01.2013, 21:23

Mir wäre die graue Stadt als Andeutung eben auch ein bisschen zu wenig, Herby, ja, da scheinen wir konform zu gehen.
Ich sähe die Betrübnis schon gern noch etwas erläutert, das tägliche Einerlei gesteigert. Allerdings ist es natürlich immer so: Kommt der Vorschlag, etwas wegzustreichen, wirkt das zunächst mal wie eine Verstümmelung - auch bei Fragmenten, die wirklich überflüssig sind.

ecb

Beitragvon ecb » 29.01.2013, 22:10

Ich denke, daß "Übersee" eine Gegenwelt zur "grauen Stadt" signalisieren soll, von daher wären schon beide Bilder unentbehrlich für den Sinnzusammenhang des Gedichts. Welcher Art diese Gegenwelt ist, ist eigentlich deutlich ausgesprochen und erklärt für mich das "wir" der ersten und drittletzten Zeile - beide liegen an ihrem jeweiligen Ende der Welt fest, und die Ansichtskarten gehen in beide Richtungen.
So ungefähr würde ich es verstehen.

Liebe Grüße
Eva

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 29.01.2013, 23:32

Ich teile Gabriellas Meinung

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.01.2013, 00:16

Hallo Amanita,

das "Wir" habe ich anders gelesen als Eva, also kein Wir aus zwei Menschen an entfernten Orten. Ich verstand dieses Wir als "wir Menschen". In diesem Fall Menschen, die einst ihren Heimatort liebten, diesen Ort jedoch nun als grau erleben, sich aber nicht von ihm lösen können. Daher resultierte mein Vorschlag zur Streichung der letzten vier Zeilen.
Wenn du jedoch tatsächlich ein Wir aus zwei Menschen meinst, die sich liebten, müsste das m.E. irgendwie deutlicher aus den Zeilen lesbar sein. Das "der verflossenen Liebe" finde ich zumindest nicht eindeutig.

Saludos
Gabriella

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 30.01.2013, 08:03

Wir sind an einem Ort, das stimmt schon, Gabriella.

Aber ich finde, das Gefangensein im Alltäglichen, die Sehnsucht nach draußen, verbunden mit einer gewissen Spießigkeit/ Unbeweglichkeit, sollte gegen Ende noch etwas mehr betont werden. Die graue Stadt wäre mir zu sehr Objekt.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.01.2013, 12:24

Hallo Amanita,

dann habe ich es doch richtig gelesen. Dieses "Gefangensein, diese "Sehnsucht nach draußen" würde ich dann aber nicht mit "der verflossenen Liebe" beschreiben. Dann vielleicht nur einen Ersatz für die letzte Zeile finden oder nur die letzte Zeile streichen? "verflossene Liebe" finde ich einfach zu dicke, verstehst du?

Wenn es für dich so komplett rund ist, dann lass es so. Ist ja nur meine Ansicht.

Saludos
Gabriella

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birke
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Beitragvon birke » 30.01.2013, 12:30

Guter Text, der die letzten Zeilen mMn unbedingt braucht, um rund, komplett zu sein.

Und "verflossen" ist natürlich vom Wort her in diesem Zusammenhang schon ziemlich raffiniert ... ich würde es so lassen!

Hier könntest du aber eventuell noch mal schauen, Amanita, ist etwas viel "uns..."??


unsere Fracht
die Last der Jahre
und werden kaum etwas los
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unser Schiff
aber sie binden uns auch


Liebe Grüße
diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 30.01.2013, 13:03

Hallo Diana, danke, danke auch für den Hinweis - da es "wir" heißt, darf auch einiges "uns" drin sein, ich überlege aber, ob ich schreiben soll:




Wir liegen im Hafen fest
löschen Tag für Tag
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und werden kaum etwas los
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unser Schiff
aber sie binden auch
dich und mich
an die Ufer der grauen Stadt
mit immer denselben Worten
beschreiben wir sie
auf Ansichtskarten nach Übersee
der verflossenen Liebe



P. S.: Schön, dass Du das "verflossen" richtig erkannt hast :)

- das wäre vielleicht wirklich besser?

uns/ unser Schiff würde ich gern so lassen.

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birke
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Beitragvon birke » 30.01.2013, 13:08

:-)

jaaa, das liest sich sehr schön mit dem "dich und mich" :daumen:

lg, diana
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fenestra
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Beitragvon fenestra » 30.01.2013, 18:47

Liebe Amanita,

ich finde es sehr spannend, in welcher Form du die Schiffsmetapher treffend für eine langjährige Beziehung verwendest. Vor einigen Jahren habe ich auch mal so ein Schiffs-Beziehungsgedicht geschrieben, allerdings ganz anders. Ich werde es mal einstellen.

Aber erstmal zu deinem Text im Detail:

.".. und werden kaum etwas los"

Da könntest du die Zeile statt dessen auch direkt an die vorherige anbinden - die Assoziation zum erfolglosen Abladen käme ja trotzdem:

löschen Tag für Tag
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die Last der Jahre
wird doch nicht geringer

Die Zeile "aber sie binden uns auch" finde ich etwas zu direkt und erklärend. Leinen oder Seile, Taue binden doch immer, das steckt schon drin. Vielleicht eher in die Richtung:

Die Leinen halten uns fest - das müssen wir aushalten.

Die graue Stadt steht da so als poetische Formel, die etwas abgegriffen ist. Warum ist die Stadt grau? Weil das Schiff schon so lange seinen Rauch darüber bläst, bis sie grau wird?

Und zum Schluss noch: Ist es nicht eher so, dass wir mit immer neuen Worten das immer gleiche Einerlei beschreiben? Aber vielleicht meinst du es ja ganz anders.

Auf jeden Fall gern gelesen!

Viele Grüße
fenestra


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