viermalmorgen

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 14.01.2013, 20:04




viermalmorgen


ich hab mir ein haus gebaut
aus vergessen musik und worten
unter diesem dach
belebe ich mich
und beherberge zwei länder als gäste
morgen und gestern

draußen auf glatten kufen
schlittern wirklichkeiten vorbei
ab und zu
schrammt eine mein haus

im viermalmorgen
bleibe ich den träumen treu
und schwanke im blauen dunst

den untergang bitte ich um feuer



.
Zuletzt geändert von Niko am 14.01.2013, 23:31, insgesamt 1-mal geändert.

scarlett

Beitragvon scarlett » 14.01.2013, 22:22

die kuven sind wohl kufen.

ansonsten respekt!

und für mich ein weiteres gedicht zum wählen.

scarlett

Niko

Beitragvon Niko » 14.01.2013, 23:32

oops.....danke, monika! habe den kufen das f geschenkt!
freut mich, dass es dir sehr zusagt!

liebe grüße: niko

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 15.01.2013, 00:52

Ich habe vergeblich versucht, zu entschlüsseln, was mit "viermalmorgen" gemeint ist.

Ich habe das Gedicht abgeschrieben, was hilft, besser zu verstehen.

Kann es sein, dass mit "viermalmorgen" morgen, im Gegensatz zum gestern gemeint ist?

Es leben ja Gestern und Morgen im Haus.

Das Haus ist aus Vergessen, Musik und Worten gebaut. Gestern ist einer der zwei Gästen, was für das Vergessen nicht gut sein kann ...

Mit "blauen Dunst" ist wahrscheinlich der Blaue Salon gemeint.


Ob ich ich es verstehe oder nicht, der letzte Vers: "Den Untergang bitte ich um Feuer" gefällt mir sehr gut.

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leonie
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Beitragvon leonie » 15.01.2013, 09:42

Lieber Niko,

Ich kann nciht sagen, dass ich den Text völlig "verstehe", er hat ja etwas fast Surreales und Träumendes.

Aber ich finde ihn auch toll! Ich mag die zweite Strophe und den Schluss besonders. Klimperer, bei "blauem Dunst" assoziiere ich einen Raucher, dass der den Untergang um Feuer bittet, finde ich spannend. (Ich verstehe das aber nicht als Appell, mit dem Rauchen aufzuhören, ich denke eher an die Farben eines Sonnenuntergangs. Und finde einfach die Breite des Assoziationsraumes, den Du, Niko öffnest , faszinierend.

Ich denke, es ist eher ein Text, in den man sich "hineinbegeben" kann als einen, den man "verstehen" muss.

Liebe Grüße

leonie

Klimperer

Beitragvon Klimperer » 15.01.2013, 10:11

Danke, Leonie, für deine Erklärung.

Jetzt, im Nachhinein, erscheint es mir ganz deutlich.

Evharistó polí! (Das ist Griechisch für vielen Dank)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 15.01.2013, 16:23

Hallo Niko,

auch wenn ich den "viermalmorgen" nicht verstehe, besticht dein Gedicht durch seine originellen Formulierungen, z.B. den Sonnenuntergang um Feuer zu bitten. ,-)

Saludos
Gabriella

carl
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Beitragvon carl » 16.01.2013, 08:08

Lieber Niko,

ich kann mich den Vorrednern nur anschließen!
Wie Leo die letzten drei Verse erklärt hat, so habe ich sie auch verstanden:
Zum einen ist "blauer Dunst" für mich das Illusionäre von Träumen, zum andern der Rauch einer Zigarette, zu dem sich das Lyr.Ich von seinem eigenen Untergang Feuer geben lässt, um dann passiv zuzuschauen.
Das gefällt mir wirklich gut!

Wie Gabriella verstehe ich den Titel nicht.

"aus vergessen musik und worten" hört sich für mich gewollt altertümelnd an.
Mir ist klar, dass es bei der Vorgabe "Musik und Worten" keine elegante Lösung gibt.
Vielleicht wäre "aus vergessener Musik und Sprache" eine Alternative.
Ist aber sicher Geschmacksache.

Aus ähnlichen Erwägungen würde ich den Länder-Vergleich nicht potenzieren: Gestern oder Morgen als Gäste sind schon ein indirekter Vergleich!
Wenn du das Fremde betonen willst: weitgereiste Gäste oder Pilger.
"und beherberge zwei weitgereiste Gäste
morgen und gestern"
oder gar nichts:
"und beherberge zwei Gäste
morgen und gestern"
Eben nur nicht heute.
Wie gesagt: keine "Verbesserungsvorschläge" sonder Rückmeldungen über die Wirkung!

LG, Carl


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