Hallo A.S.,
wie oft, zieht mich dein Stil gleichermaßen an wie er mich dann allerdings immer wieder abstößt. Das Faszinierende besteht darin, dass es dir, (meiner subjektiven Meinung nach) gelingt, diesen Rhythmus zu halten, eine Sprachmeldoie zu erzeugen, die das Erhabene der Sprache ausdrückt und zugleich im Inhalt das "Niedere" nicht ausschließt. Dabei interessiert mich nicht besonders, welches Metrum du gewählt hast, ob es sich um dreizehn oder zwölf Hebungen, das spielt nur eine Rolle, wenn Brüche plötzlich auftauchen und nicht mehr der Konsequenz der vorangegangenen Verse entsprechen. - Das passiert z.B. hier: "
der ihn fleißig zum Gehn treibtMich interessiert dann der Inhalt weniger und weniger, denn zu Beginn entsteht beim Leser die Erwartung, etwas über diese ziellos Wandernden zu erfahren.
Ziemlich Träg, sehr müde umherziehnd, lahm gleich Weidvieh,
Taumelt der Läufer voran durch den Nachtwald. Woher kam er?
Was ist sein Ziel, und des Aufbruchs Grund der ihn fleißig zum Gehn treibt?
Drehn an der Zeit wir ein wenig, zurück in die frühere Nacht hin:
Sehr hell strahlte der Mond, als der Wind aus sandte die Träume,
So auch ihm, dem beharrlichem Wanderer. Welches entsandte
Diesem die der Wind, dass er jäh aufsprang zu der nächtlichen Reise?
Laut aufstöhnende Stürmböhn wehn, auch der kräftigste Baum fällt,
Flüchtend vor heftig erbebenden Grunde. Es schäumen die Meere.
Wahnhaft krümmt sich das Wild, röhrt klagend hinauf, als auf einmal,
Ähnlich der Borke, abscheulich grinsende Mäuler sich lang ziehn:
Stöhnend das Erdfleisch bricht, pflügt selbst wohltätig die Haut rein,
Sengendes Blut spritzt grell aufglühnd hoch! Kahl ist der Erdball!
Grausam laut, aus den Tiefen des Erdballs, dröhnende Worte:
Sind schon im ersten Abschnitt Fehler aufgefallen, verstärkt sich her der Eindruck, Originalität würde auf dem Rücken der Sprache angeboten, diese habe stillzuhalten, während man sich ihrer bedient, wahllos, respektlos, sprachliches Gefüge zur Nebensache erklärend.
"vor erbebendem Grunde???" vermute ich ... Man muss natürlich nicht wissen, welche subtilen Sprachgesetze hier den Dativ und den Akkusativ ermöglichen, aber da es eine Art Wahl zwischen deinem zu geben scheint (in Wirklichkeit aber nur eine Lösung die richtige ist) muss man sich schon für die richtige Deklination entscheiden, und wenn nicht, rechtfertigen können, welche Rolle der Abweichung von der Regel zugeschrieben wird....
Dann gehe ich zwar ein gutes Stück mit, aber folgende Zusammenstellungen wollen mir bei aller Originalität nicht einleuchten:
Wahnhaft krümmt sich das Wild, ,
Ähnlich der Borke, abscheulich grinsende Mäuler sich lang ziehn:
.........................., pflügt selbst wohltätig die Haut rein,
...................................
Grausam laut, ...........................................................:
Die Begriffe sich
wahnhaft krümmen und
grausam laut können noch als erfinderisch durchgehen, aber
sich lang ziehen und
die Haut reinpflügen entsprechen der allgemeinen Sprachebene des Textes nicht, und bilden auch keinen interessanten Gegensatz.
Ich will nicht den ganzen Text auf diese Art durchkämmen, denn es bleibt doch ein eigener Ton, der durch kleine Verbesserungen nur gewinnen kann. Vor allem die Arbeit am Versmaß (das ich nicht beherrsche) erscheint mir interessant.
Es war interessant und anregend zu lesen.
liebe Grüße
Renée
Kleine Verbesserungen, wegen Autokorrektur, die erfinderisch Worte findet, wo Fehler waren. Leider greift das Korrekturprogramm gern ins absurde Kästchen ...