Wenn es stimmt

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 13.12.2012, 09:26

Der Mann war verwachsen und ungelenk, aber die Vögel liebten ihn. Und wen lieben die Vögel schon, außer der Luft und der Freiheit? Es gab bedeutende Ausnahmen.

Der Wille ist nicht frei, aber er fällt. Er sucht Worte hinter denen er seine Gefangenschaft verstecken kann. Eins davon ist Einsicht.

Wenn es stimmt und wir aus den unsichtbaren
(zahllosen) Momenten gemacht sind,
zwischen den Schlägen fortdauern,
wenn die Zeit durchsichtig wird
und doch genug verhüllt,
besteht das Leben aus einer Träne,
die unendlich langsam durch die Landschaft
eines unnahbaren Gesichtes fließt.
Zuletzt geändert von Xanthippe am 18.12.2012, 12:23, insgesamt 1-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 13.12.2012, 17:57

Hallo Xanthi,

deine Zeilen mag ich sehr. Die Sehnsucht des Mannes, einmal von einem unnahbaren Menschen geliebt zu werden, was du hier sehr fein darstellst, und sei es nur durch die Einsicht, den Glauben daran, dass eben diese ganz besondere Träne existiert und sie für ihn fließen möge, berührt mich.

Hier ein kleiner Vertipperli:
Xanthippe hat geschrieben:verwachsenen
--> verwachsen

Saludos
Gabriella

Niko

Beitragvon Niko » 13.12.2012, 18:04

hallo xanthi,

erstmal finde ich es spannend, wie du (für mich als laien ist das so) die schranken aufbrichst zwischen erzählgedicht und lyrik, wie du prosaisches mit poetischem verknüpfst.
ich finde den gedanken, den du ausdrückst, als nahegehend. auch und besonders, weil du ihn auf diese sehr berührende art und weise ausdrückst..
und natürlich gibt es immer kleine hobelspäne, die ins auge springen. auch dem geneigten unter den lesern. für mich braucht es die klammer um "zahllosen" definitiv nicht und desweiteren habe ich ein grammatikalisches problem mit folgenden drei zeilen:

Wenn es stimmt und wir aus den unsichtbaren
(zahllosen) Momenten gemacht sind -
zwischen den Schlägen fortdauern,


für mich müsste es entweder:

Wenn es stimmt und wir aus den unsichtbaren
(zahllosen) Momenten gemacht sind -
zwischen den Schlägen fortdauernd,

oder aber - ich glaube, das würde dann deiner absicht entsprechen:

Wenn es stimmt und wir aus den unsichtbaren
(zahllosen) Momenten gemacht sind,
zwischen den Schlägen fortdauern,

oder aber alternativ:

Wenn es stimmt und wir aus den unsichtbaren
(zahllosen) Momenten gemacht sind
und zwischen den Schlägen fortdauern,



ansonsten.....es ist einfach nur wundervoll geschrieben!

liebe grüße: niko

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 18.12.2012, 12:23

liebe Gabriella, lieber Niko,

herzlichen Dank für eure Rückmeldungen, inklusive Fehlerkorrektur.
Niko: ich freue mich, dass du etwas mit der verknüpfung der prosaischen und lyrischen Zeilen anfangen kannst, genau da lag meine Frage, ist das möglich? Funktioniert das?
viele Grüße und nochmals Danke schön
Xanthi

ecb

Beitragvon ecb » 19.12.2012, 21:24

Warum denn nicht? Es gibt sogar historische Beispiele einer solchen Verknüpfung von Prosa und Poesie, wie Bashos Haibun. Dein Versuch gefällt mir sehr, Xanthippe, für mich "funktioniert" er. Vielleicht tragen prosaische und poetische Elemente zu jener Balance aus Transparenz und Verhüllung bei, die das Leben auf Messers Schneide gerade noch möglich macht. Ohne jene Träne bestünde es aus dem Abgrund kalter Verzweiflung, und solange sie unterwegs ist, ist ein Gesicht auch nicht wirklich ganz und gar unnahbar - die Tatsache, daß dieser Text zustande kam, beweist das Gegenteil. Und sollte dies nicht eigentlich auch impliziert gewesen sein?

Ich bin stark beeindruckt von dem, was der Text durch seine Mittel für mich zum Ausdruck bringen kann.

Liebe Grüße
Eva

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 21.12.2012, 14:53

danke eva, für deine rückmeldung, die mich sehr freut.
herzlichen dank
Xanthi


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