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Elfriedes Kleider
Verfasst: 05.12.2012, 21:25
von Renée Lomris
Wie sie es liebte
Mich herauszuputzen
Mit Seide., Samt und Schal.
Sie krönte mich mit einem bunten Hut
Und hüllte mich in bunte Ponchostoffe.
Zuletzt das lange Hemd aus dunkler Seide,
In dem ich blass einst liegen will.
Zu jener Stunde, die ich die
Stunde der venezianischen Maske nenne:
Sie wartet gelb und streckt der Nase starren Stachel
Himmelwärts
Meiner Freundin schöne Kleider
Und wie sie es liebte, mich herauszuputzen.
War es ein Schal aus Damaskus?
Oder eine bestickte Bluse aus Samarkand?
Ein bunter Poncho aus Peru?
Sie gab mir auch Schuhe, goldfarbene,
und eine Glasperlenkette,
und einen Ring aus Ringen.
Und letztes Jahr dieses purpurfarbene Longshirt
Und ganz zuletzt jenen Tiroler Hut,
der uns zum Lachen brachte.
Kind, würde ich sagen, wärst du mein Kind, und
fragte dich, was macht diese venezianische Vogelmaske mit dir?
Was macht sie mit dir?
.
Was macht die venezianische Vogelmaske
Was macht sie nur aus uns?
Zu Beginn war es ein Schal aus Damaskus
Dann eine bestickte Bluse aus Samarkand,
Und aus Peru ein bunter Poncho.
Auch Schuhe, goldfarbene
Und eine Glasperlenkette
Und ein Ring ganz aus metallnen Ringen
Und eine leichte purpurrote Jacke
Und ein Tiroler Hut
Der uns zum Lachen brachte.
Was macht die venezianische Vogelmaske
Was macht sie nur aus uns?
Elfriedes Maske
Verfasst: 06.12.2012, 09:44
von Klimperer
Das Gedicht endet mit der Frage: "Was macht die Vogelmaske aus uns?"
Das wort Maske kommt aus dem Französischen masque. Ursprünglich aus dem Arabischen mas-chara, "Possenreißer".
Was ursprünglich nur eine Maske war, endete als Bezeichnung für Menschen im Allgemeinen, ich meine damit das Wort Person, das aus dem Lateinischen PERSONA stammt, was die Maske des Schauspielers bezeichnete.
Im Grunde sind beide Wörter, Maske und Person, gleich.
Eine Maske macht uns unverletzlich.
Verfasst: 06.12.2012, 18:44
von pjesma
hallo renee,
mir gefällt dieses gedicht, das spiel mit identität, anonymität...verschleierung des ichs auf diese oder andere art. die schlußfrage macht es spannend, lässt uns die maske wahr sein oder grad jemand anders werden...wer kann das schon mit sicherheit sagen
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?
lg
Verfasst: 06.12.2012, 19:07
von Mucki
Hallo Renée,
spannend ist hier für mich der Sprung vom "Der uns zum Lachen brachte" zur Frage, was die venezianische Vogelmaske mit uns macht.
Masken geben eine scheinbare Sicherheit, aber nur scheinbar. Sie machen uns vllt. unverletzlich gegenüber unserer Verletztlichkeit, aber nur nach außen. Hinter Masken können wir weinen, ohne dass es die anderen sehen. Hinter der Maske sind wir ganz wir selbst. Ohne Maske sind wir nackt, können unsere Verletzlichkeit nicht verbergen, würden andere eben nicht zum Lachen bringen.
Die Frage ist: was ist "besser" für einen selbst?
Sich selbst zeigen und andere mit uns selbst konfrontieren und damit so manche "heikle" Situation riskieren (mit der andere nicht umgehen können) oder lieber hinter der Maske verstecken und andere zum Lachen bringen, während wir selbst alles andere als lachen können.
Masken sind immer wieder ein anregendes Thema.
Saludos
Gabriella
Verfasst: 06.12.2012, 21:17
von Zefira
Ich muss sagen, ich lese das Gedicht ein bisschen anders. Es heißt ja "Elfriedes Kleider", nicht unsere Kleider, und vom Tirolerhut heißt es, dass er "uns" zum Lachen brachte. Für mich geht es nicht um die Gefühle des Trägers der Kleider und der Maske, sondern um das, was sie bei dem anderen, bei "uns" auslösen.
Elfriede hat "bescheiden" angefangen und anfangs nur etwas komische Sachen getragen, dann immer mehr; sie brachte ihre Umgebung zum Lachen, und dann taucht diese Maske auf und (so lese ich das Gedicht) ist plötzlich alles anders. Die Frage "Was macht sie nur aus uns?" scheint mir in die Richtung zu weisen, dass etwas passiert ist, dessen sich die Sprecherin schämt.
Kann sein, dass ich auf dem falschen Weg bin, aber diese Deutung hat sich mir von Anfang an aufgedrängt. Ich muss noch etwas darüber nachdenken.
Grüße von Zefira
Verfasst: 06.12.2012, 21:33
von Mucki
Ja, du hast Recht, Zefi. Die Perspektive ist nicht die von Elfriede, sondern die ihrer Umgebung.
Zefira hat geschrieben:Die Frage "Was macht sie nur aus uns?" scheint mir in die Richtung zu weisen, dass etwas passiert ist, dessen sich die Sprecherin schämt.
Es könnte auch "anklagend" gelesen werden, im Sinne von: Elfriede führt uns an der Nase herum, spielt mit uns oder etwas in der Art.
Verfasst: 06.12.2012, 22:34
von nera
ich habe ganz seltsame assoziatonen zu diesem text, ganz persönliche. -meine hippiezeit, mein punk- oder waverzeit, meine mit spiegel verzierten röcke aus nepal, mein trenchcoat aus der naziaera meines großvaters, ohrringe aus christbaumkugeln.....bis heute (oder wie meine kinder sagen: unsere verrückte mutti) natürlich ist das maskerade, ein sehr sinnliches spiel mit persönlichkeiten, rollen, möglichkeiten. (für mich)
was macht die vogelmaske der venezier mit uns? ein karneval (- ohne fleisch, vor der fastenzeit) der möglichkeiten? es hat auch was mit freiheit zu tun.
mit veränderung und ausloten.
vielleicht ist der text eine hommage?
Verfasst: 06.12.2012, 23:10
von Renée Lomris
Herzlichen Dank, ich habe mich über eure Kommentare sehr gefreut.
@Hallo Klemperer und ein Gruß aus der südlichen Donauebene,
du hast die Diskussion eröffnet, mit einer interessanten Perspektive, danke!
@Pjesma:
Du schreibst: das spiel mit identität, Anonymität...verschleierung des ichs auf diese oder andere art. die schlußfrage macht es spannend, lässt uns die maske wahr sein oder grad jemand anders werden...wer kann das schon mit sicherheit sagen
Eine schöne Assoziation, für die ich dir danke, die ich aber nicht gemeint habe.
Und jetzt könnte die eigentliche Diskussion beginnen.
@gabriella:
Dass du zur Maske noch das Problem Schuld und Verhüllung siehst, passt zu dem von mir intendierten Inhalt durchaus. Die Schwäche meines Textes hast du im Grunde erkannt: einerseits will ich nicht offen von der Problematik des Gedichts sprechen – ich verrätsele also den Text, was ich ungern tue- andererseits will ich doch, dass man ein bisschen etwas versteht. Vorläufig will ich die „Lösung“ nicht geben, sondern sehen, ob in der zweiten Fassung besser erfasst wird, worum es geht.
@Zefira:
Du kommst der Sache zunähst näher, entfernst dich dann aber erneut ... mal sehen ob es jetzt klarer ist ...
Bis bald?
Renée Lomris