Ich habe Stückchen von Glück:
Ich habe Erde unter den Füßen.
Ich hebe an meinen Blick:
Himmel und Wolken lassen mich grüßen.
Job, Essen, Freunde, Heim, Luft-
Tanz, Musik, was so in diesem Gedicht-
Wohl gut 30 bis zur Gruft-
Was vielleicht einen Morgen mir verspricht.
Da sind der Mond und Sterne
und auch das, was mein Seelenherz zerbricht,
bleibt mir unerreichbar in der Ferne:
Dich, mein Alles… hab ich nicht.
(Für A.-M.B.)
Gestern, heute, immer
Grüß dich, In-statu-nascendi, und willkommen im Salon!
Ich nehme dich jetzt mal beim Wort und gehe davon aus, dass dieses Gedicht noch im Entstehen begriffen ist. Außerdem gehe ich von einem männlichen Lyrischen Ich aus, das hier spricht (dazu siehe unten
).
In der ersten Strophe begegnet uns ein Lyr.Ich, das von dem elementaren Glück des Da-Seins spricht. Die „Stückchen“ empfinde ich hier im Kontext nicht als banal, sondern als elementare Glücksmomente. Das Lyr.Ich hat einen Standort, der ihn trägt, evtl. Heimat oder Scholle, und einen gestirnten Himmel über sich, der sich ihm positiv zuwendet. Das Universum bejaht das Lyr.Ich als wäre es nur für es/ihn gemacht. Die ziehenden Wolken bringen im Gegensatz zum festen Standort die Dimension der Freiheit, Vogelfreiheit, hinein.
Soweit so schön, soweit so bekannt.
Ich persönlich hänge sehr an allen Themen, die „gestern, heute, immer“ aktuell sind, wie „Himmel,Liebe und Grab“. Aber das muss immer wieder neu durchbuchstabiert werden, unter den Gegebenheiten des Heute.
Wie sieht es damit aus?
Die zweite Strophe bringt nun eine Aufzählung.
„Dichten“ kommt zwar von „dicare“ (erzählen) und nicht von „verdichten“, aber ein bisschen Konzentration und Verdichtung darf schon sein. Es sei denn, man verfolgt mit der Aufzählung von Dingen, die banal sind, solange man sie hat, und ihre glückhaften Momente erst erweisen, wenn sie fehlen, eine Absicht.
Ist es die Absicht, die „Stückchen“ des Anfangs zu relativieren? Im Sinne von bloßen Krümeln statt des ganzen Kuchens?
Dafür spricht, dass das LyrIch sich, jetzt 30jährig oder noch 30 Jahre bis zur Bahre vor sich habend, fragt, ob das alle gewesen sei.
Wenn die Zeilen so gemeint sind:
was so in diesem Gedicht (noch alles aufgezählt wird)
(und) wohl (noch) gut 30 bis zur Gruft (dauert)-
Was vielleicht einen Morgen mir (noch) verspricht.
Klar wird das Gemeinte jedenfalls nicht.
Aber das Bild vom verheißungsvollen Morgen verstehe ich positiv, im Sinne der 1. Strophe.
Ich glaube, dir ist selbst nicht klar, was du sagen willst.
Willst du noch weitere elementare Glücksmomente anführen, oder schon zur dritten Strophe überleiten im Sinne von „ohne dich ist alles nichts“?
Oder willst du es in der Schwebe lassen?
In allen drei Fällen wäre für meinen Geschmack noch etwas mehr Verdichtungs-Arbeit zu leisten.
Lyrik will sich zwar sprachlich dem annähern, was sich nicht mehr eindeutig in Worte fassen lässt, aber dazu hat sie ganz präzise Möglichkeiten! Die zu (er)finden macht die Qualität des Gedichtes aus.
Ist paradox, ich weiß. Dadurch wird Lyrik erst zur Lyrik (und bleibt nicht nur ein diffuser Nebel aus Worten).
Kommen wir zur dritten Strophe.
Ich bin ein echter Fan von Sonne, Mond und Sterne! Aber wir beide müssen uns klar darüber sein, dass diese Worte inzwischen so abgeschmackt sind, dass jeder andere Leser nur genervt die Augen verdreht. Es wäre schon schön, könnten wir diesen tiefsinnigen, wundersamen und Seelenbalsam spendenden Worten durch einen originellen Gebrauch wieder etwas von ihrem alten Glanz verleihen!
Nun, das tust du hier jedenfalls nicht.
Unerreichbarkeit ist für Sterne ein Wesens- und Alleinstellungsmerkmal.
Nur so können sie einen begleiten, wenn man sich bewegt, können auf hoher See Orientierung bieten und Trost (weil die Lieben daheim dieselben Sternbilder sehen) aber auch vor einem zurückweichen, wenn man auf sie zugeht.
Erreichbar sind Sterne allenfalls für die Seele, da bin ich als Esoteriker deiner Meinung, aber als Dichterkollege würde ich sagen: ein zerbrochenes Seelenherz ist schon der Hammer!
Gesetzt wir beide sind uns einig, was „Seele“ ist, dann ist sie nicht nur allesverbindend, sondern auch unzerstörbar. Gerade, wenn ich als Dichter das „zerbrochene Seelenherz“ ernst nehme, dann ist das ja noch katastrophaler, als der Big Crunch in der Astrophysik! Alles stürzt in sich zusammen und selbst die Engel können nur noch tatenlos dabeistehen und weinen.
Wenn du jetzt argwöhnst, ich wollte durch Übertreibung etwas lächerlich machen, dann täuscht du dich: Ich führe deine Übertreibung nur konsequent zu Ende.
Kommen wir zur Quintessenz, der Ansprache an das Lyr.Du, dem das Gedicht ja gewidmet ist.
Natürlich ist es seit der Romantik üblich, am gebrochenen Herzen zu sterben.
Ist die Angebetete unerreichbar, weil die Liebe nicht erwidert wird?
Dann wäre hier für einen über 30jährigen schon etwas mehr Erfahrung und damit auch persönlicher Ausdruck zu erwarten, wie man in der Ära post mortem cordis lebt.
Wie will man sie sonst gewinnen?
Ist die Angebetete nur unerreichbar abwesend, aber dem Lyr.Ich durchaus gewogen, dann mag sie die letzte Strophe als Hommage ihrer gemeinsamen Liebe gerne entgegennehmen.
Aber dann verbirgt sich ein Geheimnis hinter einer Plattitüde.
Ist doch schon schade, oder?
Greez, Carl
P.S. habe erst dein Gedicht gelesen, dann deine Vorstellung. Du bist ja wohl eine Frau?
Nun, rückwirkend ändert es nichts an dem, was ich geschrieben habe.
Ich nehme dich jetzt mal beim Wort und gehe davon aus, dass dieses Gedicht noch im Entstehen begriffen ist. Außerdem gehe ich von einem männlichen Lyrischen Ich aus, das hier spricht (dazu siehe unten
).In der ersten Strophe begegnet uns ein Lyr.Ich, das von dem elementaren Glück des Da-Seins spricht. Die „Stückchen“ empfinde ich hier im Kontext nicht als banal, sondern als elementare Glücksmomente. Das Lyr.Ich hat einen Standort, der ihn trägt, evtl. Heimat oder Scholle, und einen gestirnten Himmel über sich, der sich ihm positiv zuwendet. Das Universum bejaht das Lyr.Ich als wäre es nur für es/ihn gemacht. Die ziehenden Wolken bringen im Gegensatz zum festen Standort die Dimension der Freiheit, Vogelfreiheit, hinein.
Soweit so schön, soweit so bekannt.
Ich persönlich hänge sehr an allen Themen, die „gestern, heute, immer“ aktuell sind, wie „Himmel,Liebe und Grab“. Aber das muss immer wieder neu durchbuchstabiert werden, unter den Gegebenheiten des Heute.
Wie sieht es damit aus?
Die zweite Strophe bringt nun eine Aufzählung.
„Dichten“ kommt zwar von „dicare“ (erzählen) und nicht von „verdichten“, aber ein bisschen Konzentration und Verdichtung darf schon sein. Es sei denn, man verfolgt mit der Aufzählung von Dingen, die banal sind, solange man sie hat, und ihre glückhaften Momente erst erweisen, wenn sie fehlen, eine Absicht.
Ist es die Absicht, die „Stückchen“ des Anfangs zu relativieren? Im Sinne von bloßen Krümeln statt des ganzen Kuchens?
Dafür spricht, dass das LyrIch sich, jetzt 30jährig oder noch 30 Jahre bis zur Bahre vor sich habend, fragt, ob das alle gewesen sei.
Wenn die Zeilen so gemeint sind:
was so in diesem Gedicht (noch alles aufgezählt wird)
(und) wohl (noch) gut 30 bis zur Gruft (dauert)-
Was vielleicht einen Morgen mir (noch) verspricht.
Klar wird das Gemeinte jedenfalls nicht.
Aber das Bild vom verheißungsvollen Morgen verstehe ich positiv, im Sinne der 1. Strophe.
Ich glaube, dir ist selbst nicht klar, was du sagen willst.
Willst du noch weitere elementare Glücksmomente anführen, oder schon zur dritten Strophe überleiten im Sinne von „ohne dich ist alles nichts“?
Oder willst du es in der Schwebe lassen?
In allen drei Fällen wäre für meinen Geschmack noch etwas mehr Verdichtungs-Arbeit zu leisten.
Lyrik will sich zwar sprachlich dem annähern, was sich nicht mehr eindeutig in Worte fassen lässt, aber dazu hat sie ganz präzise Möglichkeiten! Die zu (er)finden macht die Qualität des Gedichtes aus.
Ist paradox, ich weiß. Dadurch wird Lyrik erst zur Lyrik (und bleibt nicht nur ein diffuser Nebel aus Worten).
Kommen wir zur dritten Strophe.
Ich bin ein echter Fan von Sonne, Mond und Sterne! Aber wir beide müssen uns klar darüber sein, dass diese Worte inzwischen so abgeschmackt sind, dass jeder andere Leser nur genervt die Augen verdreht. Es wäre schon schön, könnten wir diesen tiefsinnigen, wundersamen und Seelenbalsam spendenden Worten durch einen originellen Gebrauch wieder etwas von ihrem alten Glanz verleihen!
Nun, das tust du hier jedenfalls nicht.
Unerreichbarkeit ist für Sterne ein Wesens- und Alleinstellungsmerkmal.
Nur so können sie einen begleiten, wenn man sich bewegt, können auf hoher See Orientierung bieten und Trost (weil die Lieben daheim dieselben Sternbilder sehen) aber auch vor einem zurückweichen, wenn man auf sie zugeht.
Erreichbar sind Sterne allenfalls für die Seele, da bin ich als Esoteriker deiner Meinung, aber als Dichterkollege würde ich sagen: ein zerbrochenes Seelenherz ist schon der Hammer!
Gesetzt wir beide sind uns einig, was „Seele“ ist, dann ist sie nicht nur allesverbindend, sondern auch unzerstörbar. Gerade, wenn ich als Dichter das „zerbrochene Seelenherz“ ernst nehme, dann ist das ja noch katastrophaler, als der Big Crunch in der Astrophysik! Alles stürzt in sich zusammen und selbst die Engel können nur noch tatenlos dabeistehen und weinen.
Wenn du jetzt argwöhnst, ich wollte durch Übertreibung etwas lächerlich machen, dann täuscht du dich: Ich führe deine Übertreibung nur konsequent zu Ende.
Kommen wir zur Quintessenz, der Ansprache an das Lyr.Du, dem das Gedicht ja gewidmet ist.
Natürlich ist es seit der Romantik üblich, am gebrochenen Herzen zu sterben.
Ist die Angebetete unerreichbar, weil die Liebe nicht erwidert wird?
Dann wäre hier für einen über 30jährigen schon etwas mehr Erfahrung und damit auch persönlicher Ausdruck zu erwarten, wie man in der Ära post mortem cordis lebt.
Wie will man sie sonst gewinnen?
Ist die Angebetete nur unerreichbar abwesend, aber dem Lyr.Ich durchaus gewogen, dann mag sie die letzte Strophe als Hommage ihrer gemeinsamen Liebe gerne entgegennehmen.
Aber dann verbirgt sich ein Geheimnis hinter einer Plattitüde.
Ist doch schon schade, oder?
Greez, Carl
P.S. habe erst dein Gedicht gelesen, dann deine Vorstellung. Du bist ja wohl eine Frau?
Nun, rückwirkend ändert es nichts an dem, was ich geschrieben habe.
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