glitzern

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 04.11.2012, 16:40

Ich melde mich hier mal mit einem Gedicht zurück. Kommentare werden folgen.

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glitzern

sommertag auf der terrasse:
vater schnaubte pfeifenrauch.
mein bruder war künstler. er schöpfte
in der bowle aus seiner spiegelung
als wäre sie ein bild magrittes -
und nannte jenen juni einen traum.
aus dem plattenspieler schwärmte
die arabesque von debussy:
ein schimmern das uns löschte aus
der grundierung des moments.
mutter schwieg stieg in den pool und
trieb auf ihrer luftmatratze
durch den eignen rahmen
bis das glitzern abends
verschwand
und alle abschieb nahmen.

ecb

Beitragvon ecb » 05.11.2012, 17:33

Ein Traum in mehrfacher Hinsicht, ambivalent, und hierin durch die Bilder und Anspielungen, die du verwendest, für mich sehr gut nachvollziehbar, da auch die Formulierungen in ihrem leichten Gebrauch von bekannten Wendungen für einen gewissen Verfremdungseffekt sorgen.

Gern gelesen!

Liebe Grüße
Eva

Mucki
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Beitragvon Mucki » 05.11.2012, 20:14

Hallo David,

mir gefällt dein Gedicht gut, da es eine schöne ruhige Stimmung erzeugt, du mit deinen Worten sehr bildhaft diesen Sommertag einfängst.

Nur ein paar Kleinigkeiten, hier würde ich umstellen:

ein schimmern das uns löschte --> hier das "aus" in die nächste Zeile nehmen
aus der grundierung des moments.
mutter schwieg stieg in den pool --> hier das "und" in die nächste Zeile (könnte m.E. auch entfallen)
und trieb auf ihrer luftmatratze
durch den eignen rahmen
bis das glitzern abends verschwand --> "verschwand" mit in diese Zeile nehmen
und alle abschieb nahmen. --> abschied (kleiner Tippfehler)


Das wäre meine Anregung.

Saludos
Gabriella

DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 05.11.2012, 22:07

Hallo,

@ecb: Danke!

@Gabriella: Werde das größtenteils so machen. Das "verschwand" würde ich gerne an der bisherigen Stelle belassen, weil sonst die Assonanz und das Metrum zerschossen sind. Danke auch für deine Anmerkungen, aber ich hoffe, dass sich noch mehr rauslesen lässt, als ein Sommergedicht ;)

LG David

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Ylvi
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Registriert: 04.03.2006

Beitragvon Ylvi » 07.11.2012, 14:46

Hallo David,

ich finde es sehr schön, wie du hier mit Magrittes Pfeifenbild arbeitest, und wie es dir gelingt diese Sommertagsszene- und stimmung mit wenigen Worten sicht- und spürbar zu machen, und wie diese beiden Elemente ineinander aufgehen. In das schweigsame Bild hinein dann die Musik, die die Stimmung für mich wunderbar "hörbar" macht und spiegelt. Beim herumgoogeln bin ich dann noch auf diesen Satz von Polheim gestoßen, der mir auch etwas aus dem Gedicht aufzugreifen scheint:
Arabesk ist jene durch die Dichtungskraft (oder die Einbildungskraft oder den Witz) hervorgebrachte Form, in der sich die unendliche Fülle ahnungsweise manifestiert.
Auch die schweigende Mutter, die durch ihren eignen Rahmen treibt und darin auch wieder das Bildhafte einwebt, aber auch eine Vereinzelung, ein Auseinandertreiben, das im Abschiednehmen mündet, gefällt mir gut.
ein schimmern das uns löschte aus
der grundierung des moments.
Hier würde ich das "aus" auch in die zweite Zeile nehmen.

Was ich noch nicht ganz gelungen finde, ist das "Auslöschen", was so endgültig und absolut klingt, dass danach eigentlich nichts mehr kommen dürfte und das sich für mich seltsam mit dem "Abschied nehmen" der letzten Zeile reibt. Etwas wie "auflösen in" würde mir hier denke ich stimmiger erscheinen, oder ein "verschwimmen in" ... Aber vielleicht übersehe ich da etwas.
Ebenso ging es mir erst mit dem Schimmern, das sich in ein Glitzern verwandelt, oder welches sich zumindest darauf zu beziehen scheint, was für mich zwei ganz unterschiedliche Eindrücke sind. Da kann ich diese Reibung aber für das Gedicht nutzen und sehe darin eine Veränderung des Lichtes, der Wahrnehmung, eine Entwicklung. Das "Glitzern" als Titel erschließt sich mir allerdings nicht, denn wenn ich es am Anfang schon sehe, geht mir diese Entwicklung verloren und es bleibt der Eindruck zurück, dass es nur darum ging eine Wortwiederholung zu vermeiden. Zumal das "Glitzern" zumindest für mich alleinstehend nicht "verlocken" ist, sondern eher Kitsch befürchten lässt?

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 07.11.2012, 15:55

Hallo Flora,

schön, dass du reingelesen hast und danke für den Kommentar. Das "löschen" wurde an anderer Stelle bereits hinterfragt. Ich werde es so lösen, dass ich etwas nehme, das die Figuren nur dämpft, aber nicht ganz löscht. Den Titel gedenke ich ebenfalls zu ändern. Gut, dass du auch nochmal darauf hingewiesen hast, jetzt sehe ich mich in meinen Änderungsvorhaben bestätigt.

LG David :)


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