so habe ich meinen tag versponnen
wie er mir durch die finger glitt
und riß
doch die enden gewiß und ungewiß
lassen sich miteinander verzwirbeln
so daß nichts mehr zu erkennen ist
nichts mehr zu erkennen ist
kleines lied
Hallo ECB,
mir gefällt das kleine Lied. Du bleibst im Bild und lässt trotzdem viel weiße Möglichkeit.
Auch die Wiederholung am Ende ist mE. gut gesetzt, denn ja, man erkennt nichts mehr, so oder so, an diesem oder jenen Ende. Und es schwingt ein Misstrauen mit durch diese Überbetonung (So wie ein Ehepaar kürzlich vor mir: Die Plätze sind doch gut, man kann gut sehen, betonten sie mindestens dreimal bevor sie sich umsetzten). Aber auch ein Abheben, ein Entfernen, ein Befreitsein, ein Loslassen doch mindestens ein Treiben klingt an.
Was mir weniger gefällt, ist die AR. Ich habe die NR mittlerweile so verinnerlicht, dass ich automatisch zB. "riiiiiiiiß' lese oder "gewiiiiiiiiiß"
Gruß
Nifl
mir gefällt das kleine Lied. Du bleibst im Bild und lässt trotzdem viel weiße Möglichkeit.
Auch die Wiederholung am Ende ist mE. gut gesetzt, denn ja, man erkennt nichts mehr, so oder so, an diesem oder jenen Ende. Und es schwingt ein Misstrauen mit durch diese Überbetonung (So wie ein Ehepaar kürzlich vor mir: Die Plätze sind doch gut, man kann gut sehen, betonten sie mindestens dreimal bevor sie sich umsetzten). Aber auch ein Abheben, ein Entfernen, ein Befreitsein, ein Loslassen doch mindestens ein Treiben klingt an.
Was mir weniger gefällt, ist die AR. Ich habe die NR mittlerweile so verinnerlicht, dass ich automatisch zB. "riiiiiiiiß' lese oder "gewiiiiiiiiiß"
Gruß
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)
-
ecb
Danke dir sehr, Nifl.
Und was AR und NR angeht - ja, ich gebe alles zu, ich bin ein bockiger Esel, der an Thomas Manns deutscher Sprache aus vielen Gründen, darunter auch aus rein äußerlich-ästhetischen, festhält, weil er sie für die schönste erachtet, die es je gegeben hat, aber vielleicht ist meine Zeit gekommen oder vielmehr um, und ich sollte mich anpassen, sonst weiß allmählich jeder, wie steinalt ich bin.
Aber verinnerlichen werde ich dieses neimodische Zeigl nia nicht!
In diesem Sinne liebe Grüße
Eva
Und was AR und NR angeht - ja, ich gebe alles zu, ich bin ein bockiger Esel, der an Thomas Manns deutscher Sprache aus vielen Gründen, darunter auch aus rein äußerlich-ästhetischen, festhält, weil er sie für die schönste erachtet, die es je gegeben hat, aber vielleicht ist meine Zeit gekommen oder vielmehr um, und ich sollte mich anpassen, sonst weiß allmählich jeder, wie steinalt ich bin.
Aber verinnerlichen werde ich dieses neimodische Zeigl nia nicht!
In diesem Sinne liebe Grüße
Eva
Hallo Eva,
das "kleine" im Titel gibt für mich schon ein wenig die Richtung vor. Ich höre es wie ein "Nebenhersummen" einer einfachen Melodie, ein Lied, das durch den Tag begleitet, das schon lange vertraut ist, weitergegeben. Etwas, das erzählen kann, auch vom "reißen", aber ohne die Stimme erheben zu müssen, ohne dramatisch zu werden, es bleibt ein kleines Lied, keine Oper. .-) Das fängt für mich auch die Alleinstellung des "und riß" auf, was mich sonst vielleicht gestört hätte.
Die Wiederholung am Schluss ist schön gemacht, sie greift das Liedhafte auf, aber auch die Stimmung, Verwunderung, Erleichterung, Freude, Trauer, Resignation, Misstrauen, Lebenserfahrung, Sicherheit und Unsicherheit schwingen darin für mich mit, ohne sich gegenseitig auszuschließen. Die Widersprüchlichkeit wird nicht zu Seite gewischt, sie wird durch die Wiederholung sogar noch einmal betont und bewusst gemacht. (Es erinnert mich von der Haltung her auch an dein Gedicht "restlos", das mir auch schon so gut gefallen hat. so sieht es also aus) Und das alles getragen durch das Bild des Spinnens, des Fadens. Schön!
Liebe Grüße
Flora
das "kleine" im Titel gibt für mich schon ein wenig die Richtung vor. Ich höre es wie ein "Nebenhersummen" einer einfachen Melodie, ein Lied, das durch den Tag begleitet, das schon lange vertraut ist, weitergegeben. Etwas, das erzählen kann, auch vom "reißen", aber ohne die Stimme erheben zu müssen, ohne dramatisch zu werden, es bleibt ein kleines Lied, keine Oper. .-) Das fängt für mich auch die Alleinstellung des "und riß" auf, was mich sonst vielleicht gestört hätte.
Die Wiederholung am Schluss ist schön gemacht, sie greift das Liedhafte auf, aber auch die Stimmung, Verwunderung, Erleichterung, Freude, Trauer, Resignation, Misstrauen, Lebenserfahrung, Sicherheit und Unsicherheit schwingen darin für mich mit, ohne sich gegenseitig auszuschließen. Die Widersprüchlichkeit wird nicht zu Seite gewischt, sie wird durch die Wiederholung sogar noch einmal betont und bewusst gemacht. (Es erinnert mich von der Haltung her auch an dein Gedicht "restlos", das mir auch schon so gut gefallen hat. so sieht es also aus) Und das alles getragen durch das Bild des Spinnens, des Fadens. Schön!
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
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ecb
Mit welch feinen Gespür du allen, auch den kleinsten Elementen dieses kleinen Textes nachgegangen bist, Flora - das ist ein ganz besonderes Erlebnis für mich, und mir bleibt nur ein, allerdings großer, Dank an dich.
Manchmal fühlt man sich ... aufgehoben, in beiderlei Sinne, in dem, was man tut.
Mit lieben Grüßen
Eva
Manchmal fühlt man sich ... aufgehoben, in beiderlei Sinne, in dem, was man tut.

Mit lieben Grüßen
Eva
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