LE PETIT CHAT EST MORT

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 24.10.2012, 00:07

Sie sagt: das Kätzchen ist gestorben.
Er denkt, wie unschuldig, wie rein.

Sie klagt das Kätzchen ist gestorben.
Er denkt, wie empfindsam, wie fein

Sie weicht aus: das Kätzchen ist gestorben.
Er denkt, sie will mich nicht.

Sie erwidert, in betretene Stille hinein:
das Kätzchen ist gestorben.
Er denkt, das berührt mich nicht.

Sie beteuert: Das Kätzchen ist gestorben,
und sie weiß, er hört sie nicht.
Zuletzt geändert von Renée Lomris am 24.10.2012, 00:25, insgesamt 1-mal geändert.

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birke
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Beitragvon birke » 24.10.2012, 00:20

ganz spontan - JA!
wie "fein" beobachtet, liebe renée.
da triffst du voll ins schwarze, was die kommunikation zwischen männlein und weiblein angeht. :daumen:
(ein tippteufelchen in der dritten strophe, geStorben.)
liebe grüße zur nacht,
diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 24.10.2012, 20:50

Liebe Diana,
danke für deinen Kommentar, der mir zeigt, dass mein Gedichtchen arg misslungen ist. Mir ging es nicht um Kommunikation in dem Sinne, wie du es offensichtlich verstanden hast, sondern um die scheinbare Bedeutungslosigkeit eines Satzes.

So wie das Ach der Alkmene am Ende von Kleists Amphytrion eine Menge aussagt, einen hohen Bedeutungsgehalt mit wenig Aufwand an Vokabular, so hatte ich gehofft, würde sich jemand finden, dem dieser Satz aus "L'école des femmes" von Molière bekannt sein könnte.

Mit diesem Satz, glaubt Arnolphe zu erkennen, dass seine Zukünftige, die er für spätere Heirat als Waisenkind im Kloster aufwachsen ließ, tatsächlich eine un(ver)bildete Naive sei, die der Kunst der Konversation nicht fröne.

Dieser Satz, dem nur der Kontext eine Bedeutung vermittelt, sollte - meiner Ansicht nach - aufzeigen, dass kein Satz kein Wort die reine Beobachtung ausdrückt, dass ein Meta-Sinn imer willkürlich oder unwillkürlich angelegt. ist.

Ach, kann ich zur Zeit nur sagen.

Nichtsdestotrotz hat mich dein Kommentar gefreut.
lG
Renée

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birke
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Beitragvon birke » 24.10.2012, 21:20

Nun, liebe Renée, nicht viel anders hab ich deinen Text gelesen.

Zwar hab ich den direkten Bezug zu Molière nicht gesehen, aber mein Kommentar ging schon so ziemlich in die Richtung, die du hier ausführst.

Es ist doch so, dass Frauen oft etwas sagen, um eine bestimmte Haltung, ein Gefühl, eine Absicht rüberzubringen, da ist nicht das Gesagte an sich, also der Inhalt wichtig, sondern die Meta-Ebene. Männer hingegen nehmen oft nicht die Meta-Ebene wahr, sondern nur die reine Informationsebene.
Ein Sender/Empfänger-Problem.

Insofern ist hier der Informationsgehalt des Gesagten "Das Kätzchen ist gestorben" nicht wichtig, sondern vielmehr die Gefühlsebene.
Und darum geht es dir doch in dem Text, wenn ich das richtig verstehe?

Und ja - Worte sind immer nur im Kontext zu betrachten!

Herzlichst,
Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 26.10.2012, 11:31

Hallo Renée,

sondern um die scheinbare Bedeutungslosigkeit eines Satzes. ...
Dieser Satz, dem nur der Kontext eine Bedeutung vermittelt,
Dieser Satz hat doch aber auch ohne Kontext eine Bedeutung und wirkt unmittelbar?

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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