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nicht gestellt
Verfasst: 29.09.2012, 07:19
von Niko
nicht gestellt
während andernorts
sich berge versetzen
während jemand
irgendjemand den tod
bis auf weiteres besiegt
verfeinere ich hinter milchglas
die karte meiner umgebung
und denke nach über möglichkeiten
die ich nie in betracht ziehen werde
während ein berg
sich auf mich zubewegt
verdunkle ich das milchglas
suche in der karte meiner umgebung
nach möglichkeiten
die nie in betracht kommen werden
während ein berg
in die karte meiner umgebung
eindringt
zu mir vordringt
mir die stirn bietet
und das milchglas zersplittert
ziehe ich in betracht
mich zu stellen
den möglichkeiten
dem berg
mir
.
Verfasst: 29.09.2012, 11:43
von nera
schön!
Verfasst: 29.09.2012, 13:05
von Mucki
Hallo Niko,
die enthaltene Klimax und immer stärkere Fokussierung des LI, bis schließlich aus dem Nie ein "fast Ja" und aus dem Berg das LI selbst wird, gefällt mir hier sehr.
Ich würde das zweite "Nie" jedoch in ein "Nicht" ändern, sonst ist der Sprung vom 2. "nie" zum "ziehe ich in betracht" zu groß.
Zum Titel: müsste der nicht eigentlich "gestellt" heißen?
Saludos
Gabriella
Verfasst: 29.09.2012, 14:50
von Niko
danke für das "schön" nera!
warum, gabriella, müsste der titel "gestellt" heißen, deiner meinung nach? berufst du dich auf die zeile: "mich zu stellen"? es ist ja nur von der absicht, sich zu stellen, die rede. sich hinstellen, sich (neu) aufstellen, sich den dingen stellen - das alles schwingt für mich im "stellen" mit. und - wer weiß - vielleicht steht ja auch im titel nicht nur, dass man sich (noch) nicht gestellt hat, sondern auch dass etwas nicht gekünzelt ist, man sich und dem leser nichts vormacht mit diesem gedicht. ergo: sich öffnet.
ich glaube nicht, dass das zweite "nie" zum "ziehe ich in betracht" zu weit springen muss. beim ersten mal heißt es über die möglichkeiten: "die ich nie in betracht ziehen werde". beim zweiten mal:"die nie in betracht kommen werden". beim dritten mal "ziehe ich in betracht / mich zu stellen / den möglichkeiten" ob man sich möglichen oder unmöglichen möglichkeiten stellt, ist dabei wurscht, finde ich. entscheidend ist (mir) der prozess der veränderung. mögliches und unmögliches zu überdenken, zu verwerfen und anzupacken, was auf einen zukommt.
irgendwie so....
liebe grüße: niko
Verfasst: 30.09.2012, 16:10
von DavidK88
Hallo Niko,
ich lasse mal nur einen kurzen Kommentar da. Ich finde es schön, wie eine klassische dreistufige Klimax hier umgesetzt wird und die Berg-Symbolik am Ende auf das L.I. bezogen bzw. die Spannung, was nun dahinter steht, aufgelöst wird (alles andere wäre bei so einem steigernden Aufbau ja unbefriedigend). Klar, das ist bildlich sehr stark alles auf eben diese Aussage hin konstruiert, zurechtgeschraubt, aber das empfinde ich hier als gar nicht so schlimm. Es hat eben was von einer Parabel.
Also ich finde es gut.
LG David