Das Sterben 2.

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte

Welche der 5 Texte (Sterben) sprechen Euch an?

Umfrage endete am 23.09.2012, 14:04

Antwort in Form von Sternchen ***** (maximum)
0
Keine Stimmen
Sterben 1 Wir Singvögel
3
100%
Sterben 2a Wir Gefäße
0
Keine Stimmen
Sterben 2b Er, der Nachbar
0
Keine Stimmen
Sterbeb 3a Wir Frauen
0
Keine Stimmen
Sterben 3b Sie, die Freundin
0
Keine Stimmen
 
Abstimmungen insgesamt: 3

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 19.09.2012, 06:19

Da ich große Zweifel bei 2 und 3 habe, bin ich in eine andere Richtung gegangen, wobei ich meinen grammatikalischen Standpunkt verändert habe:


Er, der nächste Nachbar

den kranken Nachbarn auch, knirschte es
nachts vom Balkon.
Seine Frau ließ in den letzten Wochen die
Sonnenblumen verdorren
und ich sah einmal
die Jalousien heruntergelassen,
zur Unzeit.
Er soll, sagt man, dem
Bebauungsamt gemeldet haben,
dass der Höhenunterschied zwischen Chaussee
und Gartenanlage nicht eingehalten wurde.
Ich verstehe ganz und gar,
diese letzte Bitternis.
Dem Lebenden verzeiht der Sterbende
ungern die läßlichen Sünden.

Er war mir der Nächste.

-----------


Wir, die Gefäße

Wir, die wir aufsaugten
und wir quollen
kaulquappten durchs Mutterwasser
und lebten im Sud der ungeteilten Feuchtgebiete

Wir, die wir Schokoladenmäuler an Mutters Schürze
abwischten und Stachelbeeren aus dem Garten
mit den Lippen abtasteten auf den Grad ihrer Reife
und schon wussten
violettes Adergeflecht ist milde, moderige
Reife.

Wir, die wir ausgewachsen, um männliche Barthaare
reicher und andere Hormongeschichten,
wir die Gefäße, Blut- und anderen Inhaltes,
wir sind nunmehr von immer schwächeren
Wandungen umhüllt,

wir laufen Gefahr,
wir sind nicht mehr Herrin
der Stoffe
die zu wechseln
zu winden
zu wringen
Not tut,

Wir, deren Gefäße
teils stockend, teils brechend, ausbrechend,
zerfallen.
Gebrochen noch nicht:
zerbrechlich.

Aus uns, den Gefäßen, bricht heraus,
ein Rinnsal.
Zuletzt geändert von Renée Lomris am 20.09.2012, 14:04, insgesamt 2-mal geändert.

Sam

Beitragvon Sam » 19.09.2012, 10:45

Habe ich mich in Sterben 1. ins Wir noch eingebunden gefühlt, stehe ich hier nun außen davor. Aber auch Außenansichten können spannend sein.

Jedenfalls ist dieses Gedicht ein erster Schritt, Feuchtgebiete vor boulevardesker Austrocknung zu bewahren.


Gruß

Sam

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 19.09.2012, 13:58

Jedenfalls ist dieses Gedicht ein erster Schritt, Feuchtgebiete vor boulevardesker Austrocknung zu bewahren.


schmunzel:
danke!

ja, es ist wohl zu kryptisch. Mal sehn.
lG
Renée

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 19.09.2012, 16:44

bitte schaut auf die Fassung 2 die ich wesentlich besser finde ...

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Eule
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Beitragvon Eule » 20.09.2012, 09:44

Hallo Renée, lese ebenfalls interessiert Deinen Themenzyklus. Gerade das Umkreisen aus verschiedenen Perspektiven und sprachlichen Mitteln gefällt mir dabei. Mehr als ein gelungen ! fällt mir zu den drei Texten im Moment gar nicht ein.
Ein Klang zum Sprachspiel.

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 20.09.2012, 11:08

Ich würde gern eine Umfrage starten wie?

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 20.09.2012, 13:46

Hallo Renée,

Ich würde gern eine Umfrage starten wie?
Wenn du im Kopfposting auf "ändern" gehst und dann ganz nach unten scrollst, müsstest du die Felder für die Umfrage finden.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Beitragvon nera » 20.09.2012, 18:06

sie gefallen mir allle!

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Beitragvon Eule » 07.10.2012, 15:54

Hallo Renée, beim "zweiten" Lesen würde ich im zweiten Text den "Nachsatz" in der letzten Zeile streichen. Zu sehr klänge es sonst nach einem moralischen Zeigefinger ?
Ein Klang zum Sprachspiel.


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