Versprechen

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Timo

Beitragvon Timo » 18.09.2012, 17:40

Dein Versprechen
mich zu begleiten,
änderte sich,
jeder ging in eine
andere Richtung -
sprachlos schaute ich dir
hinterher.


geä. heute 19.9.2012 Timo

@ Timo - Brian
alte Fassung:
Bildhaft dein Versprechen
mich zu begleiten,
doch dann kreuzten sich
unsere Wege
sprachlos schaute ich dir
hinterher.

nochmals geändert:

Dein Versprechen
mich zu begleiten,
änderte sich,
doch dann kreuzten
sich unsere Wege
sprachlos schaute ich
hinterher.
Zuletzt geändert von Timo am 20.09.2012, 10:44, insgesamt 3-mal geändert.

ecb

Beitragvon ecb » 18.09.2012, 19:59

Wenn ich es recht auffasse, soll hier ein Gegensatz zum "Begleiten" benannt werden durch das "doch" der dritten Zeile, und dieser Gegensatz soll im "kreuzten sich" bestehen.

Nun ist aber nach meinem Verständnis so, daß die Wendung "unsere Wege kreuzen sich" besagen soll, daß es zu einer Begegnung kommt. Dies ist offenbar im Text nicht gemeint, sondern das Gegenteil, das für mich eher mit einem "Durchkreuzen" bezeichnet wäre.

Wie sehen andere Leser das?

LG Eva

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 18.09.2012, 20:30

Ich denke eher an eine Gabelung, der eine rechts, der andere links (aber das steht da nicht, ich weiß).

Auch wenn diese Stelle nicht ganz schlüssig ist, so stolpere ich doch noch mehr über das bildhaft.

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birke
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Beitragvon birke » 18.09.2012, 20:43

Hallo Timo,

ich finde das eigentlich sehr schön, diese Redewendung "kreuzten sich unsere Wege" zu verfremden bzw. ja eher noch auf den Wortursprung zurückzuführen, wie es hier offensichtlich geschieht.
Gefällt mir gut; aber über das "bildhaft" stolpere ich auch, kann es hier nicht einordnen.

Liebe Grüße
birke
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

Timo

Beitragvon Timo » 19.09.2012, 12:38

Hallo Eva,
bildhaft sollte bedeuten - ehrlich! Ich habe eine Änderung vorgenommen und hoffe es ist jetzt verständlicher.

Hallo Amanita,
die Wege kreuzten - gabelten - sich und jeder ging in eine andere Richtung.

Liebe Birke,
ich habe jtzt daraus - jeder ging in eine andere Richtung (welche vorher nicht zu erwarten war. Bildhaft habe ich ganz entfernt.

Herzlichst
Timo

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birke
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Beitragvon birke » 19.09.2012, 12:48

Hallo Timo,

oh, nun hat dein Text aus meiner Sicht aber verloren ...
So ist er /für mich zumindest/ viel zu sehr 1:1 zu lesen, das feine Sprachspiel mit dem "Wege kreuzen" machte mE den Text aus!

ohnehin - könntest du bitte die Ursprungsversion auch noch wieder einstellen - damit man die Veränderungen am Text nachvollziehen kann? Wäre nett! :smile:

LG
birke
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 19.09.2012, 13:30

Mir geht es genauso, die alte Version gefiel mir besser als die neue.
Abgesehen davon funktioniert die neue auch nicht: Wenn jeder in eine andere Richtung geht, kann nicht einer dem anderen hinterherschauen.

Grüße von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 19.09.2012, 14:55

Timo hat geschrieben:Dein Versprechen
mich zu begleiten,
änderte sich,
jeder ging in eine
andere Richtung -
sprachlos schaute ich dir
hinterher.


geä. heute 19.9.2012 Timo

@ Timo - Brian



Hallo Timo,

die erste Fassung kenne ich nicht, auch ich stolpere. Ein Versprechen kann sich nicht ändern.Es ändert sich die innere Haltung, der Mensch, die Lage, das Gefühl, die Farbe, das Wetter, usw. das alles ändert sich. Ein Versprechen wird gehalten oder nicht, wird erfüllt oder nicht (weniger gut) Im übrigen stimme ich Zefira zu und halte auch das "sprachlos" für sprachlich vage.

"Ich werde Dich stets begleiten!"
versprachst Du.
Doch du gingst dann in eine
andere Richtung.
Und ich fand keine Worte,
schaute dir nach
und erst dann wandte
auch ich mich ab-
Seither gehen wir getrennte Wege.

nur grad so als kleine Anregung. Du müsstest natürlich deine eigenen Inhalte finden und ausdrücken.

lG
Renée

Sam

Beitragvon Sam » 19.09.2012, 15:35

Hallo Timo,

im Sinne deiner Signatur wünsche ich dir hinsichtlich dieses Gedichtes sehr viel Mut.


Gruß

Sam

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 20.09.2012, 09:10

Hallo Timo,

durch deine Bearbeitung wird dein "verstanden-werden-wollen" noch stärker im Text sichtbar und spürbar. Auch für mich verliert er dadurch. Ich glaube für eine lyrische Bearbeitung ist das einfach ein schwieriger Ansatz. Hast du es mal mit Prosafragmenten versucht? Vielleicht würde das auch die Erwartungshaltung der Leser in eine etwas andere Richtung lenken, die deinem Schreiben mehr entgegenkommt? Ich habe mal Ausschnitte aus drei deiner Texte genommen und ein wenig damit gespielt, damit du siehst, wie das ungefähr aussehen könnte:



Dein Mund flüstert nach mir. Ich suche ihn, einen Schmetterling, einmal . . . zweimal . . . immerzu.

***

Alles was du bist gleicht der Schönheit des Himmels.

***

Dein Versprechen mich zu begleiten flog auf. Unsere Wege kreuzten sich nur. Sprachlos schaute ich dir hinterher.




Timo hat geschrieben:die Wege kreuzten - gabelten - sich und jeder ging in eine andere Richtung.

Was ich am Kreuzen interessant fand, war der Aspekt, dass die Begleitung dann nie stattgefunden hat, es war nur ein Moment, eine Begegnung im Stillstand. Gabeln sagt etwas ganz anderes aus.


Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Eule
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Beitragvon Eule » 20.09.2012, 09:31

Hallo Timo, mir gefällt die gänderte Version viel besser - das beschriebene Paradoxon bewirkt eine logische Entwicklung, die schon programmatisch genannt werden könnte.

Jetzt wirkt der Text durchkomponiert und homogen - bis auf das (implizit schon in den Zeilen angesprochene) "dir" in Z 6, das Du ohne Änderung der Aussage auch weglassen könntest. Insgesamt finde ich dies eine gelungene Miniatur !
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 20.09.2012, 10:27

Hallo Eule,

das beschriebene Paradoxon bewirkt eine logische Entwicklung, die schon programmatisch genannt werden könnte.
:blink2: Das würde ich gerne verstehen, kannst du es nochmal anhand vom Text ausführen? Welches Paradoxon siehst du, welche logische Entwicklung, warum programmatisch???

Liebe Grüße
Flora
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Eule
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Beitragvon Eule » 20.09.2012, 14:56

Renée schrieb: " [...] Ein Versprechen kann sich nicht ändern ... ", doch auch so ein "absolutes" Diktum läßt sich meist nicht begründen, da dabei leicht die Gefahr des logischen Regresses besteht : "Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ..." etc. ..., ein recht lustiges Beispiel dafür, ich glaube, frei zitiert nach Ernst Jandl.

Das halt selbst das geschriebene Wort nicht immer hält, was es verspricht oder zu versprechen scheint, kann schon zu Verwunderung und Verwirrungen führen oder zu Sprachlosigkeit. Eigentlich ein klassisches Verhalten bei nicht eingehaltenen "Versprechen".
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 20.09.2012, 15:18

Ich könnte schon begründen, was Renée geschrieben hat: wenn das lyrische Du versprochen hat, den Sprecher zu begleiten, und danach beide in eine andere Richtung gehen, wurde das Versprechen nicht geändert (das wäre zb der Fall, wenn das lyrische Du gesagt hätte "ich gehe einen kleinen Umweg, übermorgen treffen wir uns wieder"), sondern gebrochen - wobei auch noch die Frage ist, wer hier das Versprechen gebrochen hat, wenn jeder in eine andere Richtung geht.

Interessant, wie viel die paar dürren Zeilen noch an Deutungsvielfalt offen lassen ...

Grüße von Zefira
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