Liebe Pjesma,
ich muss aufpassen, dass ich mich bei deinen Texten nicht mit Lob überschlage
.gif)
und ständig mit positiven Attributen wiederhole.
Auch dieser Text springt mich regelrecht an.
Die erste Strophe hat Ähnlichkeit im Ton, mit der Bibelsprache, hier denke ich an die „Sieben Plagen“. Etwas Drohendes.
Genau deshalb meine ich, passt sie nicht ganz rund zu den folgenden Strophen, die insgesamt nicht so erdenschwer beladen wirken, aber vielleicht passt es gerade eben auch hierdurch besonders gut.
Ich vermute, dass du in Str. 1 vom Bauplan einer Sauna sprichst, die Beschreibung ist toll, poetisch und auch so, als würde Unheil heraufbeschworen. Das "Unheil entsteht bei mir im Kopf" weil ich mir vorstelle, dass für einen Neubau, ein altes Haus, in dem gelebt, gelacht und geweint wurde, abgerissen werden soll und hier sehe ich die Außergewöhnlichkeit deines Textes. Du schreibst nichts von einer Abrissbirne oder Baggern die kommen (werden) du entwickelst das Gefühl bei mir als Leserin sehr subtil in dem du einen besonderen, den unheilvollen Ton gewählt hast.
Bitte Labyrinth.
Nur scheinbar lapidar hingeworfene Bemerkungen „Rasen ausgerollt“, „Studentenblumen gepflanzt“ (hier würde ich eine Blume nehmen die tatsächlich gepflanzt wird, Tagetes werden meines Wissens gesät), z. B. Rosenstöcke in Reih und Glied, oder noch besser m. E. Rhododendren, zeichnen ein Bild, davon, wie wenig übrig bleibt, von dem alten Haus, was vermutlich Charme hatte und nicht so „gekämmt“ aussah, wie moderne Neubauten.
Ich kann mir das alles sehr gut vorstellen und dann setzt du noch einen Schlussakkord, der zunächst unheimlich und auch tiefer geht, als das was ich mir zuvor gedacht habe ….Du erinnerst an einen Fleck an der Wand, wo ehemals ein Foto gehängt hatte.
(Ich denke an die alten Bauten im Osten Deutschlands, die nicht saniert wurden, sondern nach dem Fall der Mauer einfach abgerissen wurden usw. usf., aber auch einen kurzen Moment an eine Wohnung, die ehemals Juden gehörte und die diese Menschen verlassen mussten).
Vermutlich hing das Foto dort „Ewigkeiten“ und möglicherweise war auf dem Foto ein besonders schönes Ereignis festgehalten, eine Hochzeit zum Beispiel (früher wurde ja nicht dauernd herumgeknipst), vielleicht von einem Fotografen inszeniert und … ich spinne mal weiter, erinnerte es die Familie an alte Werte wie Beständigkeit und Treue. Davon, ist ja nicht allzu viel übrig in der schnelllebigen Zeit. Ich finde, es liegt nahe, diese Übertragung zu wagen.
In diesem Moment tritt dein Text für mich aus der Subjektivität heraus und erreicht eine allgemeingültige Qualität, die ihn für mich ganz besonders macht.
Wunderbar!
Frühfrische Grüße nach Orschel
Gerda
