immer wenn ...

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
ecb

Beitragvon ecb » 25.08.2012, 17:38

immer wenn ich dich vermisse
laufen mir die worte über
verdammte verräter
alles biete ich auf, doch sie
haben natürlich nichts besseres zu tun
als grenzenlos
unbestechlich
zu spielen

Nifl
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Beitragvon Nifl » 25.08.2012, 18:12

Hallo ecb,

LyI möchte schweigen drüberlegen beim Vermissen. Jedes Wort wäre zu viel. Sie sollen dort bleiben, wo der Vermisste ist. Doch ihre Worte lassen sich nicht verschließen, im Gegenteil, sie laufen über, werden zu Überläufern, zu Verrätern (schöne Verbindung). Es wird geboten, viel geboten, aber die Verräter sind treu, spielen LyI aus.

Gefällt mir gut, das Textlein, das im ersten Lesemoment hingerotzt wirkt. Einzig die Zeile:
"haben natürlich nichts besseres zu tun" wirkt mir zu lapidar, zu flapsig, macht das schweigsam sein wollende LyI selbst zum eloquenten Schwätzer. Aber vielleicht gefällt es mir doch, weil dadurch klar wird, dass nicht die Worte die Verräter sind, sondern sie selbst.

Ein paar Stammelgedanken.

Gruß
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

ecb

Beitragvon ecb » 26.08.2012, 07:52

Verflixt ... das war Totalverrat. Das sollen sie mir noch büßen ... Bild

Wie herrlich man sich durchschaut fühlen kann - danke für dein überaus luzides Gestammel, Nifl :mrgreen:

Liebe Grüße
Eva

Gerda

Beitragvon Gerda » 26.08.2012, 08:06

Ja, ja, ja, wes das Herz voll, des läuft der Mund über ... und dabei hätte man/frau sich besser auf die Zunge gebissen...
Mir gefällt der Text rundherum gut, liebe Eva,V weil Lyrich dennoch die Kontrolle behält und genau um die entschlüpften Verräter weiß, sich also entsprechend wappnen, einstellen und verteidigen kann. ;-).

Liebe Sonntagsgrüße
Gerda

ecb

Beitragvon ecb » 26.08.2012, 08:17

Von Kontrolle kann da offensichtlich keine Rede mehr sein, sie halten einen skrupelos zum ... genau Bild

Danke dir, Gerda Bild

Niko

Beitragvon Niko » 26.08.2012, 10:37

das phänomen kennen wir wohl alle, eva. das besondere ist lyrische präzisierung eines in widerspruch zum verstand operierenden gefühls unter zuhilfenahme einer mixtur aus äerger und augenzwinkern und über sich selbst wohlwollend den kopf schütteln...(klingt ziemlich aufgeplustert, gell?)- das finde ich in diesem text sehr überzeugend und ohne ecken und kanten geschildert.
mir liegt ein "perfekt" auf der zunge. aber ein perfektes gedicht wäre dann schon wieder vielleicht ZU rund, vielleicht etwas steril. also sage ich: besser kann man´s nicht machen.

tut mir leid, dass ich hier nicht negativ kritisieren kann... :pfeifen:

schönen sonntach noch! - niko

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birke
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Beitragvon birke » 27.08.2012, 15:05

... ein interessanter Gedanke, treffend verwortet.

Dennoch ... ist für mich dieser Text nicht unbedingt "Lyrik" oder ein Gedicht ... genau so gut könnte er mMn als fortlaufender Text stehen.
Ich meine, die Zeilenumbrüche bringen für den Inhalt des Textes nicht zwingend etwas, bzw. geben hier einer Kurzprosa lediglich das Gewand eines Gedichts.

LG,
Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

ecb

Beitragvon ecb » 28.08.2012, 19:27

Kann schon sein, Diana, ich halte mich nicht so viel bei Kategorisierungen auf.
Beliebig ist das allerdings nicht, fortlaufend als Prosa könnte dieser hier nicht geschrieben sein, die Zeilenbrechungen haben schon allesamt ihre Bedeutung, wie sie da stehen.

Danke für deine Anmerkungen und liebe Grüße von
Eva

Vielen Dank, Niko, freu mich! :spin2:

scarlett

Beitragvon scarlett » 29.08.2012, 08:10

ecb hat geschrieben: fortlaufend als Prosa könnte dieser hier nicht geschrieben sein, die Zeilenbrechungen haben schon allesamt ihre Bedeutung, wie sie da stehen.



immer wenn ich dich vermisse, laufen mir die worte über. verdammte verräter!
alles biete ich auf, doch sie haben natürlich nichts besseres zu tun, als grenzenlos unbestechlich zu spielen.


hallo eva,


es würde mich interessieren, woran du fest machst, dass dein text nicht genauso gut als fließtext geschreiben sein könnte oder anders gefragt, worin genau siehst du die lyrische struktur des gedichtes?
was macht sie denn aus?
aufgrund welcher merkmale ist das für dich ein gedicht?

die versprachlichte idee, der gedanke gefällt mir übrigens sehr gut.

lg
scarlett

ecb

Beitragvon ecb » 29.08.2012, 08:52

In diesem Fall handelt es sich um Betonungen, Hervorhebungen, an denen mir liegt,
sowie um die Atemführung beim lauten Vorlesen - es soll ja ein emotionaler Zustand vermittelt werden.

Übrigens ist es so, daß dieser Text für mich nicht als Fließtext geschrieben sein könnte. Für einen Leser kann sich das auch anders darstellen. Aber für mich kann ich mir meine Vorgehensweise begründen.

Danke, Monika, und liebe Grüße
Eva

scarlett

Beitragvon scarlett » 29.08.2012, 09:02

betonungen, hervorhebungen sind in einem prosatext genau so möglich.

wären sie aufgrund eines metrischen schemas gegeben oder zumindest in einer erkennbaren regelmäßigen abfolge von betont/unbetont, dann wäre das ein kriterium /unter vielen anderen/ für einen lyrischen text.

aber ok, lassen wir das, ich fürchte, da kommen wir nicht zusammen, wobei es mich wirklich ernsthaft interessiert hätte und darüber hnaus vielleicht zu einer allgemeineren diskussion "was macht ein gedicht aus" hätte führen können.

das von dir angeführte ist rein subjektiv und das muss ich akzeptieren, was ich hiermit auch tu, wenngleich der text für mich definitiv kein gedicht ist.

liebe grüße,
monika

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birke
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Beitragvon birke » 29.08.2012, 09:08

Hallo Eva, ja, verstehe schon, für dich müssen also die Zeilenumbrüche genau so sein.
Wobei Betonungen etc. ja auch im Prosatext möglich sind.

Siehst du denn deinen Text als Gedicht an?
Denn - allein Zeilenumbrüche machen ja noch kein Gedicht aus ... für mich jedenfalls nicht. :smile:

Liebe Grüße
Diana
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

ecb

Beitragvon ecb » 29.08.2012, 09:15

Das ist schon ok, Monika, die zeitgenössische Lyrik hat sich eben ziemlich freigemacht von metrischen Schemata und anderen Formelementen und dafür andere Kriterien hinzugenommen, wie zum Beispiel das der Atemführung.

Ich glaube nicht, daß eine allgemeine Diskussion darüber, was ein Gedicht ausmacht, angesichts dieser Situation (die ich selbst für eine Errungenschaft halte) sehr weit führen könnte. Ich bin nicht dafür und habe nicht das Bedürfnis, solche Dinge festzunageln, mir liegt sehr an der Freiheit zu experimentieren und Neues auszuprobieren. Ich für mein Teil tue das nicht willkürlich, sondern versuche es zumindest für mich selbst zu begründen. In der Aufforderung, mein Vorgehen zu begründen, sehe ich unter anderem den großen Wert meiner Beteiligung an einem Forum wie diesem. Letztenendes geht es doch darum, immer neue Wege zu finden und zu erproben für das, was wir sagen wollen.

In diesem Sinne
Eva Bild

ecb

Beitragvon ecb » 29.08.2012, 09:17

Liebe Diana, ja, für mich ist das ein Gedicht, und ich glaube, ich habe nun hinlänglich erklärt, warum ich es dafür halte, ich möchte mich nicht wiederholen.

Liebe Grüße
Eva


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