überall südwärts

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 24.08.2012, 08:04




überall südwärts


und das doppelgesicht
wird eins
die sinne graben sich aus
augen vermehren sich
südwärts ist überall

sich über den sommer neigen
sich spiegeln im mohn
der atem wächst aus den früchten
den meeresbuchten zu

und jetzt tauchen
durch die drohenden schatten
den jahresringen zu
in die stunden aus papier

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 24.08.2012, 22:22

Hallo Niko,

ich lese eine Reise, das Rhonetal runter, das Doppelleben Arbeit und Freizeit fällt in eins, man wird wach für neue Eindrücke - hin zu einer angedeuteten Reflexion, aus der neuer Atem kommt.
Das 'aus den Früchten' deutet schon auf Spätsommer, die letzte Strophe führt in Herbststimmung, lesen, sich älter fühlen.

Ich finde das etwas (zu) viel für eine Miniatur - oder der Titel müsste diesen abrupten Wechsel irgendwie vorbereiten/ griffiger machen und ihn ins Zentrum stellen.
Die Bilder sind sehr dicht, ich habe das Gefühl, sie folgen sich zu dicht um ihr Potenzial entfalten zu können ('augen vermehren sich' finde ich nicht gelungen).
Nebenbei: 3X4 Verse würde für mich etwas gestalteter wirken, den Umbruch von V1 auf V2 würde ich vermutlich opfern.

Grüße
Franz

ecb

Beitragvon ecb » 25.08.2012, 16:36

... und das Ergebnis dieses Tauchgangs ein Gedicht der Öffnung - das auch von keinem Idyll erzählt, aber dafür zutiefst bei sich ist. Ein Bild des "Südens" also, wie er sich uns Nördlichen darstellen kann, für die er ja immer irgendwie "unten" liegt.

Gern gelesen und bedacht.
Liebe Grüße
Eva


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