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Zusehen

Verfasst: 10.08.2012, 18:41
von Xanthippe
Wie der Regen fällt
und wie aufgeregt ich bin
Als wäre da was
als wäre da mehr als nur Worte

Als könnte etwas das wir benannt haben
nicht mehr einfach so verschwinden
Eine Art es festzuhalten
eine Art es einzufangen
ihm die Freiheit zu nehmen

Statt einfach nur zuzusehen
wie sich etwas entfaltet
und aufsteigt
Etwas das viel größer ist
als der Nebelsaum unserer Angst

Verfasst: 10.08.2012, 19:34
von Mucki
Hallo Xanthi,

das finde ich große klasse!
Weißt du, was ich faszinierend finde? Dieses "und wie aufgeregt ich bin" hat eine irre Wirkung auf mich, als Leser.
Es greift auf mich über, zieht da ein Tempo in deine Zeilen, so dass ich es sofort auch sehr schnell und aufgeregt lese. Da findet eine richtige Gegenübertragung statt.

Liebe Grüße
Gabi

Verfasst: 10.08.2012, 20:41
von ecb
Ja, ja - "zusehen" mit seinen zwei Bedeutungen. Es vielleicht ein wenig eilig haben, ein wenig nachhelfen müssen ... das ist nun mal sooo menschlich. :spin2:

Die erste Strophe finde ich so was von liebenswert, sie nimmt mich einfach voller Schwung mit auf eine große Reise ins Unbekannte.

In der Folge spüre ich ein Zögern, ein Rationalisieren, das das Gedicht fast zum Stillstand bringt.
Ach, könnte doch irgendwie der Schwung erhalten bleiben! Ausgehend vielleicht von:


Wie der Regen fällt
und wie aufgeregt ich bin
Als wäre da was
als wäre da mehr als nur Worte

Als könnte etwas das wir benannt haben
nicht mehr einfach so verschwinden
...


Wäre so ein Gedanke, aber ich weiß natürlich nicht.

In diesem Sinne liebe Grüße von
Eva

Verfasst: 10.08.2012, 21:08
von Niko
hallo xanthi,

du hast schönere worte, die genauer geflochten tiefer gehen.

nein: ich neide nicht. ich staune und bin erfüllt von der sanftheit und kraft....

chapeau!

Niko

Verfasst: 11.08.2012, 10:07
von Xanthippe
Liebe Gabi,
vielen Dank für Deine ungeschmälterte Begeisterung. Das tut gut.

Liebe Eva,
herzlichen Dank für den Gedanken, den ich gut nach vollziehen kann und auch gleich umgesetzt habe. Ich glaube das Gedicht gewinnt dadurch. Denn ein Abfall der Aufregung, ein Weg von der endorphingeschwängerten Aufregung hin zum Rationalen war schon geplant, aber so, nach dieser von Dir angestossenen Änderung, ist er sanfter, so wie er eigentlich sein sollten.

Lieber Niko,
sprachlosen Dank auch an Dich. Aber ich möchte Dich dennoch korrigieren: ich habe nicht schönere, nicht einmal andere Worte, nur flechte ich sie manchmal wirkungsvoll und manchmal weniger gekonnt auf meine Art.

Xanti

Verfasst: 11.08.2012, 11:24
von birke
Wunderbar, liebe Xanthi! :daumen:
Jaaa, es gibt so viel mehr, als wir "benennen" können ... die Kunst ist es, es nicht "zu zerreden", sondern es wahr- und so anzunehmen - und zu staunen. :smile:

Liebe Grüße
Diana

Verfasst: 11.08.2012, 14:52
von pjesma
gefält mir sehr...und auch die umgekehrte symbolik---wenn etwas voreilig bennant wird, wird es "umgezäunt", definiert, reduziert..."ihm die freiheit zu nehmen"...ja.
lg, pjesma

Verfasst: 11.08.2012, 21:08
von Xanthippe
Liebe Diana, liebe Pjesma,

es ist merkwürdig bei mir, ich weiß ja nicht, ob euch das ähnlich geht, aber für mich gibt es die vier Jahre lang, die ich hier mitschreibe, immer wieder diese Überraschungen. Ich stelle Gedichte ein, von denen ich überzeugt bin und keiner mag sie so richtig, ich stelle Gedichte ein, von denen ich denke, vielleicht hätte ich sie doch lieber in den Papierkorb geworfen und ernte Beifall. Danke für eure Kommentare [für alle, meine ich natürlich, besonders den von Eva, der das Gedicht optimiert hat], die mich dieses Gedicht mit neuen Augen sehen lassen.
Xanthi

Verfasst: 12.08.2012, 04:30
von Gerda
Liebe Xanthippe,

warum geben wir uns Namen? Warum geben Eltern ihren Kindern Namen?
Damit wir unterschieden werden können von, und unterscheiden können zwischen Menschen, mal ganz schlicht gesagt.
... und damit wir nicht "verschwinden" können, beim Namen genannt werden können, im Guten wie im Schlechten. Die Einführung der Selbstverpflchtung einen Namen zu geben / zu tragen, entsprang vor langer Zeit u. a. dem Wunsch "bösen Zauber" fernzuhalten (habe jetzt nicht gegooglet).

Du hast das in deinem Gedicht meines Erachtens sehr schön und mit überraschenden Wendungen gelungen umgesetzt.

Liebe Grüße
Gerda

PS, mir fällt gerade noch etwas ein, wäre es nicht irgendwie vollständiger und klänge besser zu schreiben:
als wäre da etwas ? Viell. Geschmackssache. :-)

Verfasst: 12.08.2012, 13:25
von Mucki
Xanthi hat geschrieben:Als könnte etwas das wir benannt haben
nicht mehr einfach so verschwinden
Eine Art es festzuhalten
eine Art es einzufangen
ihm die Freiheit zu nehmen

Das ist schon eine spannende Frage. Warum erscheint es mir tatsächlich so, dass etwas nicht mehr verschwinden kann, wenn ich ihm einen Namen gegeben habe?
Es ist noch viel mehr. Es wird mir vertraut, es wird zu einer Persönlichkeit, zu etwas Persönlichem. Und, ganz wichtig: es verliert seinen Schrecken, falls es etwas ist, was mir zuvor Furcht bereitet hat.
Oder, wenn es etwas Ärgerliches war und ich ihm einen albernen oder sogar liebevollen Namen gebe:
Was passiert? Es verliert dieses Ärgerliche, Nervende. Sprich, ich beeinflusse es und mich selbst, meine Wahrnehmung ihm gegenüber. Und das alles, weil ich ihm einen Namen gegeben habe.
Hab ich übrigens schon oft gemacht. ,-)

Ich halte es also fest und ich nehme ihm die Freiheit, aber ich nehme ihm auch die Freiheit, sich im negativen Sinne auszubreiten, meinen Geist zu beeinflussen.

Verfasst: 13.08.2012, 17:32
von Xanthippe
Danke Gerda, für Deine Gedanken. Was das etwas betrifft, hält mich der Klang davon ab, es zu ändern, also das Was am Anfang in ein etwas zu verwandeln. Und irgendwie gibt es auch einen inhaltlichen Grund dafür, dieses Was ist ja weniger als ein etwas, es ist noch unbenannt.
Danke Gabi, dass Du hier die Gedanken teilst, die das Gedicht, oder die darin für dich enthaltene Frage, aufgeworfen hat.
Xanthi