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ohne Titel

Verfasst: 09.07.2012, 23:56
von Amanita
Sie treffen mich mitunter noch,
die Totgeglaubten,
wenn sie mit spitzgefeilten Ligaturen
in meinem Kaffee rühren,
so dass es brodelt und
nach Vergangenheiten riecht,
wenn sie sich brandgefährlich
in mein Hirn eindampfen
und mir von sich erzählen.
und sich von mir erzählen.

Verfasst: 10.07.2012, 12:16
von Eule
Ein Gedicht über unliebsame Rezipienten und den Umgang des lI damit. Gefällt mir gut. Wie wäre es mit "Gewisper" als Titelvorschlag ?

Verfasst: 10.07.2012, 16:55
von Amanita
Hallo, Eule, ja, Gewisper würde passen. Allerdings nicht im Sinne einer Gerüchteküche (die ich auch damit verbinde), daher überlege ich noch, ob es ein Wort gibt, das nicht Tratsch usw. assoziieren lässt.

Verfasst: 11.07.2012, 19:35
von birke
sehr gut!

auf das "mir" in der letzten zeile könnte ich persönlich verzichten ... da es ohnehin klar ist, wem sie von sich erzählen. aber das ist ermessenssache ...

hm, titel?
"auftauchen"?

aber manchmal ist es auch einfach besser ohne ... dieser text braucht nicht zwingend einen, meine ich.

liebe grüße
diana

Verfasst: 11.07.2012, 20:16
von Amanita
Hallo Diana, erstmal vielen Dank.

Das mir brauche ich schon, weil ich es hier eindringlicher finde; wenn jemand was erzählt, dann kann das unter Umständen auch ein Monolog sein. Hier meint er - bzw. sie - aber (nur) mich.

Verfasst: 11.07.2012, 20:29
von Nifl
Huhu Ama,

die Totgegeglaubten,

was sind das eigentlich für Kreaturen? (Gegeg)

Meinst du nicht eher: "wenn sie als spitzgefeilte Ligaturen" ?
Das Kaffeerühren gefällt mir als Bild sehr gut.
Aber brandgefährlich finde ich schon brandgefährlich.
"Hirneindampfen" ist für mich auch eher schimpfemäßig konnotiert, aber es soll ja eine Reminiszenz ausdunsten?

Würde ein wenig Dramatik eindampfen.

LG
Nifl

Verfasst: 11.07.2012, 20:52
von Amanita
Huhuu, Nifl!

Das Erinnern kann manchmal seeeeehr unangenehm sein. Oder das Erinnertwerden. Da gibt es Momente, die sich sogar ziemlich dramatisch anfühlen. So habe ich mal einen Menschen, der mich über Monate verfolgt hat - Stalker halt -, zufällig wiederbegegnet.

Er könnte auch als Ligatur in meinen Kaffee fallen - das ist wahr.

Verfasst: 12.07.2012, 08:37
von Xanthippe
mir gefällt das sehr. dieses gedicht ohne titel, das so gespenstisch und wahr daher kommt.
nach dem brodeln ist mir das riechen nach vergangenheit fast zu versöhnlich und harmlos, bei dem bild, das ich mir beim lesen mache, steigt dieser geruch eher auf, angreifend, bevor er sich ins hirn dampft. beim letzten satz habe ich mir so für mich gedacht, vielleicht würde es noch unheimlicher (und nicht unwahrer), wenn dort stände und sich von mir erzählen.

Xanthi

Verfasst: 12.07.2012, 08:39
von scarlett
Xanthippe hat geschrieben: vielleicht würde es noch unheimlicher (und nicht unwahrer), wenn dort stände und sich von mir erzählen.



das hat was, ja, das denke ich auch!

guter text, amanita, und ohne titel-

lg
scarlett

Verfasst: 12.07.2012, 09:05
von Amanita
Vielen Dank, ja, das wäre eine Überlegung wert - "sich von mir erzählen". Noch lieber wäre es mir allerdings, wenn sie mir von mir erzählen - klingt nur doof.
Hat jemand eine Lösung?

Verfasst: 12.07.2012, 09:20
von birke
Huh, schon ne gruselige Vorstellung!

Vielleicht so?

"und von mir erzählen."

Denn /für mich/ wird es durchaus vorher klar - durch das "in mein Hirn eindampfen" - dass sie dem LI erzählen, was bzw. von wem auch immer.

Liebe Grüße
Diana

Verfasst: 12.07.2012, 09:32
von Amanita
Hallo Diana, ja das geht. In dieser Version müsste für mich allerdings herauskommen, dass sie "Schlechtes" über mich erzählen. Wenn "sie" sagen, dass ich ein toller Mensch bin, ist es am Thema vorbei :)

Verfasst: 12.07.2012, 09:50
von birke
Hallo Amanita, ja, verstehe, wobei das Vorhergehende ja schon an sich in die Richtung lenkt -

Spontanideen:

und schlecht von mir reden

und schwarz/ dunkles von mir erzählen

und mich schwarz malen


... nur als Gedankenanregung?


Liebe Grüße aus dem "Regenwald" ;)
Diana

Verfasst: 12.07.2012, 12:41
von Mucki
Ich denke auch, dass die vorherigen Zeilen schon in die dunkle Richtung zeigen, so dass
"und von mir erzählen" gruselig genug ist. Da braucht es kein explizites "dunkles erzählen" o.ä.