das zicklein und der letzte mohikaner

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
pjesma

Beitragvon pjesma » 02.07.2012, 12:07

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Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 02.07.2012, 17:35

ich mag es. ich mag deine lakonische sprache, vielleicht ist das eine art engelssprache auf erden.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 02.07.2012, 18:56

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ecb

Beitragvon ecb » 02.07.2012, 19:01

Ein liebes Gedicht für einen geliebten Großvater, das die harten Fakten des Leben, das rücksichtslos einfach weitergeht, nicht leugnet.
Die Sprache hat eine ganz eigene, junge Zärtlichkeit - sehr schön!

LG Eva

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 02.07.2012, 19:47

Das finde ich auch sehr pjesmatisch und schön gelungen. Es lässt eine Leichtigkeit in der Schwere zu und lässt einen dadurch aufatmen. Besonders hat es mir das Zicklein, das in Engelssprache blökt angetan.
Erst habe ich mich zwar gewundert, warum man die Liebe rasieren muss, aber irgendwann ist der Groschen gefallen, dass das keine Anrede ist. :o)

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

scarlett

Beitragvon scarlett » 02.07.2012, 20:06

ich bin zwiegespalten.

einerseits bewundere ich diese leichtigkeit, mit der das scheinbar geschrieben wurde.
andrerseits erfüllt es mich mit trauer, nein, falsch, es tut mir weh, diese lapidare sprache zu lesen die dennoch, ich sehe es ja, ich spüre es, unglaublich liebevoll ist ...
aber sie transportiert ja auch eine inhalt und der, glaube ich, schmeckt mir einfach nicht: keiner hat zeit, alle sind beschäftigt mit leben, während einer auf alles angewiesen ist und kein leben mehr vor sich hat.
das entspricht dem heutigen mainstream, das entspricht der praxis unseres umgangs mit sterben und tod.

ich weiß, dass ich das so nie schreiben könnte.
und ich denke, dass man immer etwas tun kann, dass es möglich ist, für eine geiwsse zeit das eigene so weit zurück zu stellen um eines anderen willen. für die liebe. die gelebte, die gezeigte liebe. dann, wenn es am bitternötigsten ist.
ich weiß, wovon ich spreche.

dies ist keine verurteilung, wie käme ich dazu, es sind gedanken, die mir beim lesen dieses textes kamen und die ich vielleicht nicht genügend reflektiert habe, seis drum, ich schick das jetzt ab.

aufgewühlte grüße,
scarlett

Mucki
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Beitragvon Mucki » 02.07.2012, 20:11

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scarlett

Beitragvon scarlett » 02.07.2012, 20:19

ja ja gabi, das stimmt, hab ich genau so gelesen, gesehen - und ich weiß noch genau, wie man mir immer sagte, du musst dich schützen, du darfst nicht zulassen, dass dich das auffrisst ... aber bitte! wer bedarf in solch einer situation des schutzes, des liebevollen umgangs? der tröstung? des einfachen da-seins?

der text ist gut- als text.

mein problem, wenn ich mit dem inhalt in der form nicht klar komme, eh logisch, nech?

dieses bild des zickleins ist ja kein zufall, da bin ich ja sicher, das gedicht ist durchkomponiert, pjesma kann das hervorragend, es rührt an, keine frage und ich glaube, das ist genau mein problem ..
aus dem an- und berührend folgt im text kein handeln.

lg
monika

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 02.07.2012, 20:29

Ich lese es als kleinen Brief, als Nachricht, die ihn erreicht. Ich denke jede Beziehung hat ihre eigene Sprache und vielleicht ist es genau das, genau dieser Ton, diese Leichtigkeit, dieses Augenzwinkern, was es ihm auch leichter macht, was ihm gut tut, was ihn zutiefst rührt. Vielleicht will der letzte Mohikaner genau das hören, dass das Leben für sein Zicklein weitergeht und ihm gefällt die Vorstellung, dass er ihr mit Feuerwasser zuprosten wird.
Ich lese hier auch nicht, dass der Tod tatsächlich erwartet wird. Es klingt für mich durch den angeschlagenen Tonfall mehr wie ein Spiel zwischen diesen beiden, das es ihnen leichter macht, mit dem Thema umzugehen, diesen Gedanken überhaupt zuzulassen.
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

scarlett

Beitragvon scarlett » 02.07.2012, 20:34

ja, flora, das hat was, deine ausführungen.

danke dafür!

scarlett

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 02.07.2012, 21:16

Hallo Pjesma,

der Text hat für mich zweifache Schönheit, der etwas rauhbeinige Anfang und das zarte Ende; für mein Gefühl hat jeder Teil seine Rechte und ich finde es schade, dass er sie teilen muss. Will sagen: mir scheint es nicht durchkomponiert, sondern aneinandergefügt, Zicklein und Federn gehören für mich nicht zum rustikalen Cowboy, 'Liebe' ihm gegenüber auszusprechen geht gar nicht. Zicklein und Federn sind - mein Eindruck - das Ende eines anderen, schönen Gedichtchens.

Grüße
Franz

Mucki
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Beitragvon Mucki » 02.07.2012, 23:27

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Niko

Beitragvon Niko » 02.07.2012, 23:49

was man darin lesen kann!
der eine wähnt liebevolles an den großvater. für mich hat es einen anderen inhalt: zustand frisch nach der trennung vom immernoch irgendwie geliebten mann. der sich anders orientiert hat.

was könnte ich dir schicken
nichts
handtücher wirst du schon haben
und frische unterwäsche
rasieren wird dich schon jemand

bis dahin ist es für mich 1:1 so. der mann ist ausgezogen und die frau sorgt sich noch immer darum, ob es ihm gut geht. kann nicht loslassen oder will es nicht...

bloß die westernromane
wird dir wohl keiner vorlesen wollen
da alle so beschäftigt sind
mit leben

eine versteckte anklage lese ich darin. die stimmung kippt damit auch ein wenig. die frau, die fürsorglich sogar seine marotten (westernromane vorlesen) ertragen hat (wie bei einem kleinen kind. der man wird "verkindisiert") und die welt, die alle so beschäftigt sind mit leben. was darauf hindeutet, dass der ex eine couchpotatoe ist.
und hier der feine seitenhieb:

und ich eben auch (ich lebe auch!)
komme zum nächsten nicht dazu
sollten wir uns also nicht wiedersehen
bleibt es zu hoffen
dass in den ewigen jagdgründen
ein feuerwasser kühl gestellt wurde
und ein zicklein
(logischerweiße:
in engelssprache)
dir meine liebe
ganz weich
in die federn
blökt

die ewigen jagdgründe, das feuerwasser - wieder ein hinweis darauf, dass der verlassende mann in seiner westernwelt lebt, symbolisch in seiner eigenen kindlichen welt am leben vorbei lebt. aber wieder die zuwendung (dennoch!) in liebevoller art der nicht loslassen könnenden: meine liebe dir ganz weich in die federn blökt. blöken ist eigentlich etwas barsches, unvermittelt lautes. aber blöken hier will auch sagen, dass sich die verlassene wie ein schaf fühlt. weil sie immer noch liebt. und weil sie immer noch möchte, dass er es irgendwann(!!!) weiß. jetzt will sie es verbergen, will, dass er denkt, dass ihr die trennung nichts ausmacht. aber nach dem leben soll er es immer und immer wieder spüren und wissen, dass sie nie aufgehört hat ihn zu lieben.....auch lese ich zicklein als verniedlichungsform von zicke. und auch das macht sinn....wenn er sich mit einer neuen einlässt, solle er genau dadurch spüren, wie das gefühl seiner verlassenen frau für ihn gewesen ist (und es vielleicht die eigene liebe zur ex wieder erwecken)

hach.......für mich so gelesen auch so stimmig und - ja: toll.

liebe grüße: niko

pjesma

Beitragvon pjesma » 03.07.2012, 00:17

meine güte, was ist denn da passiert?---ich muss mich erst in ruhe durchlesen!
bis gleich, jetzt brühe ich mir erstmal einen kaffee ;-)


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