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Dichten

Verfasst: 23.06.2012, 11:49
von Xanthippe
Ein Gedicht, schreibt Ulla Hahn,
ist die Antwort auf eine Frage,
die sich der Dichter stellt.
Ich, Gedichte lesend, würde die Antwort
in Zweifel ziehen.
Ich würde schreiben:
Ein Gedicht ist das
was passieren kann,
wenn sich der Dichter
einer Frage stellt.
Wenn er sich ins Abseits stellt
an den Rand,
um von dort den Marktplatz
wo Worte als Beruhigung und Bestätigung
feilgeboten werden, beobachtet.
Der nicht handelt,
nicht zugreift
und die weitreichendsten Worte
zum bestmöglichen Preis
(am besten en gros und mit Mengenrabatt)
ersteht.
Einer der abwartet,
die Worte aufliest,
die unbeachtet (ungeschätzt)
unter den Tisch fallen.
Sein einziger Wettbewerbsvorteil:
Geduld. Und der nicht nachlassende
Versuch, unvoreingenommen zu sein.

In der Ursprungsversion hieß es in der vierten Zeile: Ich, keine Dichterin. Dank der Diskussion mit Reneé jetzt in Ich, Gedichte lesend abgeändert.

Verfasst: 24.06.2012, 14:31
von Niko
gedichte schreiben
ist wie knoten lösen
aber nur lösen
antworten sind letztendlich
keine lösung
sondern neue fragen


gutes gedanken gedicht!

liebe grüße: niko

Verfasst: 24.06.2012, 20:59
von Renée Lomris
Es gefällt mir oder stimuliert mich, dass du schreibst "schreibt Ulla Hahn" - auch jemand, der nie von ihr gehört hat, versteht, dass sie aus berufenem Mund spricht.

Aber weniger überzeugt mich das "ich, keine Dichterin" - denn du selbst kannst dir weder die Krone auf- noch sie absetzen.

Ich will keine Dichterin sein und ziehe die Antwort in Zweifel (etwa der Aussage nach?)

Nur eine Überlegung ...

liebe Grüße

den restlichen Teil des Gedicht mag ich wegen des nachdenklichen Dichtens sehr
liebe Grü0e
Renée

Verfasst: 25.06.2012, 20:25
von Xanthippe
Liebe Renée, ich gebe Dir Recht, dass die Zeile "ich, keine Dichterin" so nicht stimmig ist, inhaltlich, denn es geht ja um das Dichten, warum dann diese Aussage? Das ist mir selbst noch nicht klar. Darüber denke ich gerne nach.
Deine Begründung allerdings möchte ich anzweifeln, ich kann mir vielleicht nicht selbst die Krone aufsetzen, aber ich kann entscheiden, ob ich die Krone annehme oder ablehne.
Danke für Deinen Einspruch.
Xanthi

Verfasst: 25.06.2012, 20:59
von Renée Lomris
:daumen:
danke für diese kleine Diskussion ..

:eek:

so schrecklich ernst war es nicht gemeint --- nichtsdestotrotz mal noch : die Krone (von jdm) annehmen oder ablehnen issja nich dasselbe. Friedrich Wilhelm der soundsovielte von Preußen, hat die Krone, die ihm das Volk anbot, abgelehnt. Napoleon hat die Krone selbst aufgesetzt. Beides symbolträchtige Gesten.


:rolleyes:

was nicht alles so kommt, beim Nachdenken

macht aber Spaß :pfeifen: :-)

lG
Renée

Verfasst: 26.06.2012, 08:36
von Xanthippe
Es gibt diese Friedrich Wilhelms und Napoleons ja durchaus auch unter den Dichtern ;-)
Noch mal vielen Dank, Renée, ich habe jetzt eine für mich stimmige Lösung gefunden.
Xanthi