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Flohmarkt
Verfasst: 21.04.2012, 16:23
von Amanita
Flohmarkt
Sie hatten in Kammern und Kellern gekramt
so viele Jahrzehnte wiedergefunden
und alles in Kisten und Körbe verpackt.
Auf breiten Tischen boten sie
ihre Erinnerung feil und merkten
wie ihre Herzen Stück für Stück leichter wurden.
Verfasst: 21.04.2012, 17:01
von Mucki
Hallo Amanita,
deine Flohmarktbeschreibung gefällt mir gut. Zuerst dachte ich, dass man sich doch von so mancher Erinnerung schwer trennen mag, aber ingesamt ist es eben doch so, dass es einem Erleichterung verschafft, Raum schafft für Neues und Altlasten endlich verschwinden.
Was mir hier ein wenig fehlt, ist das Feilschen. Das gehört zum Flohmarkt einfach dazu. Und typisch ist auch, dass man gegen Ende des Flohmarktes seine Sachen immer günstiger verkauft (und auch, dass man plötzlich merkt: hey, nein, davon kann ich mich nicht trennen. Diese Erinnerung möchte ich mir bewahren und man dann den entsprechenden Gegenstand wieder einpackt).
Du könntest vllt. ein bisschen spielen mit dem Wort Erinnerung und einem Betrag, z.B. eine Erinnerung kostet am Ende einen Euro, etwas in der Art.
Liebe Grüße
Gabi, die schon zig Flohmärkte gemacht hat und das immer wieder als totale Erleichterung empfindet, aber eben auch hier und da etwas wieder vom Tisch genommen hat. ,-)
Verfasst: 21.04.2012, 21:48
von Amanita
Liebe Gabriella!
Das Finanzielle, das Weitergeben an (vielleicht unsympathische) Kunden, das Feilschen habe ich bewusst weggelassen, weil ich das Hauptaugenmerk auf das Aufräumen (im eigenen Innern) leiten wollte.
Verfasst: 21.04.2012, 22:26
von Mucki
Hallo Amanita,
ja, das dachte ich mir schon. Sonst hättest du das ganze Drumrum eines Flohmarktes sicher gleich mit hineingebracht.
Für mich ist es auch so gelungen, da die Aussage, das innere Aufräumen, klar rüberkommt.
Liebe Grüße
Gabi
Verfasst: 21.04.2012, 22:28
von Amanita
Aber Du hast recht, das typische Flohmarkttreiben könnte ich auch mal zum Thema machen!
Verfasst: 21.04.2012, 22:33
von Mucki
Ja, das ist ein gutes Thema, das man sehr bildhaft beschreiben könnte.
Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an meine Flohmärkte. Einmal hatte ich einen Wühltisch mit Handtaschen gemacht. Auweia! Da war die Hölle los!

Und wie die gefeilscht haben! Himmel, teilweise wollten die für eine Handtasche 50 cent bezahlen, unglaublich.
Und auch immer interessant:
Wenn du deinen Tisch gerade aufbaust, kommen schon die ersten und kaufen die "besten Stücke", und ne Weile später siehst du sie auf dem gleichen Flohmarkt zum doppelten Preis. Das sind so Erfahrungen, die man macht und hinterher dann schlauer ist. *kicher*
Aber Spaß hat es mir immer gemacht!

Verfasst: 22.04.2012, 10:04
von eve
liebe amanita, auch wenn es vielleicht schon langweilig wird, kann ich nur immer wieder sagen, wie sehr ich deine arbeit mag. ich wünsche mir, es gäbe ein buch in dem sie gesammelt erscheint!
schönen sonntag
eve
Verfasst: 22.04.2012, 10:15
von Amanita
Hach, Eve ... wie gut das tut. Gerade wenn man monatelang einen (allgemeinen) "Durchhänger" hatte, der immer noch nicht ganz bezwungen ist!
Es wird - im Juni, wie's aussieht - einen Kunstkatalog geben, in den ich fünf oder sechs Gedichte "gemogelt" habe, einfach um den Katalog mal etwas anders zu gestalten als viele andere, die herausgegeben werden.
Mich reizt natürlich der Gedanke, die Liaison Lyrik - Kunst irgendwann einem Verlag anzubieten. Mal schauen ...
Verfasst: 23.04.2012, 13:14
von Jürgen
Hallo Amanita,
ich bin mir unsicher bei dem Gedicht. An sich spricht es mich schon an.Ich lese es aber so, dass es nicht nur um Krimskrams geht, sondern um persönlicheres, um Erinnerungen, wie der Text selbst sagt. Der Gedanke, persönliche Erinnerungen (immerhin so persönlich, dass ihre Veräußerung die Herzen leichter werden lässt) auf dem Flohmarkt zu verramschen, überhaupt sie zu verkaufen, kommt mir seltsam vor. Vielleicht hätte mir ein Teilen mehr zugesagt. Oder ein Wegwerfen, denn wenn das Loswerden der Erinnerungen Herzen Erleichertung schenkt, dann haben diese die Herzen vorher doch belastet.
Schöne Grüße
Jürgen
Verfasst: 23.04.2012, 15:32
von Amanita
Hallo Jürgen, ich kann Deine Einwände zwar "erspüren", sie bestätigen für mich allerdings die vielen individuellen Möglichkeiten von Sammeln (oder eben Nichtsammeln) und Weggeben.
Dass nicht jeder alte Dinge irgendwo hortet, war mir schon klar, andererseits kommt es m. E. recht oft vor, dass Menschen Dinge aufheben, weil ihr Herz (noch ein bisschen) dranhängt, will sagen weil sie einen eher sentimentalen Zugang zu diesen Dingen haben. Die Gegenstände verstauben irgendwo, jedesmal, wenn man sie anschaut oder auch nur von A nach B räumt, werden Erinnerungen wach, Bilder von Menschen und Zeiten, ein merkwürdiger "Respekt", der es schwierig macht, sich endlich mal aufzuraffen und den Krempel zu entsorgen.
Den Flohmarkt habe ich gewählt, weil die Dinge da so schön ausgebreitet werden und ihre Geschichten bisweilen ein letztes Mal erzählen, ehe sie dann endgültig abgegeben werden. Der Blick in einen Müllsack - Wegschmeißen statt Verkaufen/ Weggeben - wäre auch möglich gewesen, dann wäre allerdings das Durcheinander(-stopfen) zum wesentlichen Bild geworden; auch das "Stück-für-Stück"-Abgeben hätte weniger gut geklappt. Es ging mir darum, mit jedem Ding eine Geschichte bzw. eine Facette des Lebens ab- oder weiterzugeben.
Verfasst: 15.05.2012, 19:04
von fenestra
Liebe Amanita,
manchmal bereut man auch ein Leben lang, dass man sein schönstes Stück auf dem Flohmarkt preisgab. ;) Aber das Loslassen ist so wichtig! Daher mag ich dein Gedicht auch sehr. Lyrischer fände ich es, wenn du keine vollständigen Sätze verwenden würdest und auf das "sie" verzichten. Dann steht der reine Vorgang mehr im Vordergrund und man kann sich damit identifizieren:
in kammern und kellern kramen
jahrzehnte wiederfinden
in kisten und körbe verpacken
auf breiten tischen erinnerung feilbieten
die herzen
stück
für stück
erleichtern
Viele Grüße
fenestra
Verfasst: 15.05.2012, 20:03
von Amanita
Hallo fenestra!
Ich habe bewusst die "erzählende" Form gewählt und würde auch gern dabei bleiben. Mir ging es auch um die Perspektive des Besuchers.