P.S: Trunzun?????
Liebe Moonlight,
da hier niemand weiß, wo deine Texte genau herkommen, ist es sehr schwer auf sie einzugehen. Meine Reaktionen haben sich etwas verschoben, gemildert, seit ich deine Stimme (war es deine) gehört habe. Ich hörte die Stimme einer erwachsenen Frau, sehr bestimmt "den Ton angebend", selbstbewusst. Eine solche Person, bilde ich mir möglicherweise ein, sollte in der Lage sein, mit Kritik umzugehen und sie zur Weiterentwicklung zu nutzen.
Diesen Text habe ich gelesen, und ein Unwohlsein empfunden, das ganz unterschiedliche Ursachen hat. Eines aber muss ich zugeben, ich finde es, im Vergleich zu den anderen, interessant von der Form her.
Das Unwohlsein also: Dein Text hat eine erotisch-masochistische Komponente, (Ritze/ritze), die nur dann vom/von der Leser /Leserin angenommen werden kann, wenn eine Art Verarbeitung sichtbar wird (so jedemfalls formuliere ich das für mich). Die Tonalität selbst stört mich nicht, ich glaube, eine Leserin zu sein, deren Ansprüche gerade auch solche sehr tabuisierte Bereiche mit einschließt.
Zum Formalen: Die Kürze der Verse, der knappe Reim und die Ambivalenz gewisser Worte (am stärksten bei Ritze/ritze) macht das Gedicht durchaus attraktiv:
es tut
so weh
wie ich
hier sitze
Das kann ich so wie es da steht akzeptiere und ich kann den Schmerz nachfühlen und nachvollziehen. Eine gewisse Ironie lese ich zwischen den Zeilen. Ironie/Fröhlichkeit haben meiner Ansicht nach nichts miteinander zu tun. Fröhlichkeit verspüre ich nicht. Auch nicht in den Vokalen. Kein Laut hat meiner Ansicht nach eine gefühlsmäßige Exklusivität, so kann "I" von Ekel "Igitt" bis Spott und Hohn "Ihihiiiiiiiiii" oder Hexengeheul alles Mögliche ausdrücken, das I- A des Esels nicht zu vergessen. Hier jedenfalls spüre ich den Schmerz durchaus ...
leise
weine
und mich
ritze
auch nachvollziehbar, aber sehr irritierend, der Schmerz überträgt sich hier auf den Leser. Ich bin nicht sicher, dass der Leser fortan dem LyrIch so gern folgen möchte, weil ihm ja kein Platz gelassen wird, keine Distanz. Die einzige Distanzfläche, die angeboten wird, ist eben dies Widersprüchliche "leise weinen" und das brutale "Ich ritze mich". Das hat exhibitionistischen Charakter, der sich zum Masochismus gesellt, der vorhin erwähnt wurde.
kein ausweg
hier
in meiner
sicht
der funken
hoffnung
fällt und
bricht
Bei diesen letzten Versen gebe ich Flora völlig Recht, hier fragt sich der Leser, was diese metaphernden Aussagen genau bedeuten sollen: In meiner Sicht? (Aus meiner Sicht als Gegensatz??) Keine Hoffnung "IN SICHT"??? Zwar kan ich dem Funken Hoffnung, einem Feuerfunken also, durchaus folgen und sehe ihn "Verglühen, Verglimmen" was durchaus als ein Fallen empfunden werden kann ---- aber dann: was genau willst du aussagen, gerade mit diesen letzten beiden Versen?
Ich sehe bei dir den Wunsch nach "STARKEN" Aussagen - was mir sympathisch ist. Aber Stärke, Heftigkeit, Vehemenz allein genügen nicht ...Noch scheint es an Klarheit zu mangeln.
Aber ich habe gern versucht, mich mit deinem Text auseinander zu setzen.
liebe Grüße
Renée