Diese vielen Hände ... I

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
scarlett

Beitragvon scarlett » 07.04.2012, 08:11

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Niko

Beitragvon Niko » 07.04.2012, 10:45

das finde ich insofern spannend, monika, als das ich persönlich für mich hier herausfinde, dass ich erzählende form dieser art in gedichten nicht mag. weniger, weil es damit prosaische lyrik wird, sondern vielmehr, weil es mir zu unessentiell wikt. aber das ist eben im grunde mein problem. ich würde mit meinem empfinden ein paar dinge streichen, die mir zu erzählerisch wirken (was du ja vielleicht genau so möchtest!).

liebe grüße: niko



Das Morgengrauen
verfütterte sie an die Tiere
dachte Großmutterimmer als erstes
mischte sie unter die Körner
übrig gebliebene Träume so
seien diese doch zu etwas gut
sagte siebevor aus ihren
weit ausholenden Händen
der Mais rieselte
später
beobachtete ich verstohlen
die Hühner um herauszufinden
was Großmutter denn geträumt haben
könnte man ihnen das ansehen
fragte ich mich Glück oder Unglück
der Nächte aus denen sie für mich
stets die garstigen Augen
herausschnitt und in die Büsche hängte
so dass ich sie im Lauf des Tages
anschauen konnte ohne
mich zu fürchten in der Sonne
würden die Brombeeren warm
schmecken wie die Milch
aus der blauen Tasse
nur etwas dunkler

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.04.2012, 11:28

Hallo Monika!

Ich sehe den Text auch etwas kritisch. Thematisch gehe ich absolut mit, aber ich finde ihn eine Spur zu "geschwätzig". Es liegt wohl an den grammatischen Konstruktionen - so dass, ohne ... zu und so weiter.
An sich mag ich (offenbar anders als Niko) erzählende Lyrik sehr, aber hier - wie gesagt - ist es mir zuviel.

Es beginnt schon mit den drei Pünktchen in der Überschrift. Als Ausnahme, ja. Hier sehe ich allerdings gar keine Notwendigkeit dafür, denn es geht ja um landwirtschaftliche Arbeit, wo die "..." gar nicht oft vorkommen.

Wie gesagt, das Thema Kindheit - Träume - Wirklichkeit - (Heimat) finde ich (Dir bekannt :) immer wieder einen neuen Text wert, daran liegt es keinesfalls. Aber ein paar Details stören mich "latent".

Frohe Ostern

Marlies

Mucki
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Beitragvon Mucki » 07.04.2012, 12:16

Liebe Monika,

ich tue mich hier schwer mit den Enjambements, da sie mir nicht geschmeidig gesetzt scheinen. Habe deine Zeilen, nur mal zum Anschauen, in Prosa gesetzt und zwei Wörter geändert sowie Interpunktion eingesetzt. Inhaltlich mag ich deinen Text sehr.

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Liebe Grüße
Gabi

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 07.04.2012, 13:01

"weit ausholenden Händen" gefällt mir, weil "weit aushol" das breite, weite, schön hörbar macht, da sich drei lange, schwere silben aneinander ketten. ansonsten kommt mir der versstil zu abgehackt, zu willkürlich begrentz vor.

scarlett

Beitragvon scarlett » 01.05.2012, 10:20

ihr lieben,

so, da bin ich wieder, erholt und hoffentlich wieder frei, gedanklich, und emotional genesen, um mich den wirklich wichtigen dingen des lebens zu widmen ... :-)

ich habe eure anmerkungen mit großem interesse gelesen und muss sagen, wiewohl ich alle einwände verstehe und mittlerweile selbst einiges kritisch sehe an diesem text, wird er wohl weiterhin so bleiben - zumindest bis ich definitiv klar sehe in dieser beziehung; heißt: ob ich diese linie in meiner lyrik weiter verfolgen will oder nicht.

angelehnt in dieser art zu schreiben, hab ich mich - ich gebs zu und hoffe, dass das jetzt nicht zu vermessen klingt, an marica bodrozic, deren lange prosagedichte mir äußerst gut gefallen. natürlich wollte und will ich nicht "kopieren", also habe ich versucht, eine eigene linie zu finden, was mir aber offensichtlich noch nicht so ganz gelingen wollte ...

was die pünktchen in der überschrift anbelangt, das ist unglücklich von mir so gewählt, es gibt bisher drei texte eines angedachten zyklus´, die ich unter das motto gestellt habe:

und diese vielen hände
die mir die fäden webten
zum engmaschigen netzt erinnerung

und davon hab ich hier nur die erste zeile genommen ...

eine prosa will ich daraus nicht machen, dafür ist mir das ganze, oder sagen wir mal meinen ohren klingt das ganze dann doch zu rhythmisch ... doch mehr nach lyrik. vielleicht aber streich ich auch zusammen und verdichte ... vielleicht aber bleiben die drei texte auch einfach so als einmaliges experiment stehen ...

however, habt dank, war sehr interessant zu sehen, wie das ganze hier ankommt - nur aus der zusammenschau kann ich was gewinnen.

herzlichst,
eure scarlett/monika

pjesma

Beitragvon pjesma » 01.05.2012, 16:24

hm. mir gefällt der text sehr. sogar sehr sehr. hätt ich wahrscheinlich für gedicht des monats gevotet, wär ich da gewesen im april...
lg

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Eule
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Beitragvon Eule » 02.05.2012, 21:09

Mir gefallen sowohl die Originalversion, als auch die von Niko korrigierte. Die persönlichen Erinnerungen wirken in der ungewöhnlichen Langgedichtsform auf mich ungewöhnlich lebendig.
Ein Klang zum Sprachspiel.


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