hallo Eule,
vielen dank für deine rückmeldung. es ist schon immer wieder interessant, zu erfahren, wie unterschiedlich texte wahrgenommen und interpretiert werden. (siehe Flora!)
an der auf leere seiten durchgedrückten handschrift führt wohl kein weg vorbei

. ich hatte da das konkrete bild eines notizzettelblocks vor augen, die leeren seiten (zukunft) sind nicht wirklich leer, weil sie schon gezeichnet sind von dem, was vergangenheit und gegenwart schrieben/schreiben. vielleicht ist es vor allem das besitzanzeigende fürwort "
meine leeren seiten", das hier ein bisschen zu viel ist. was meinst du, wärs ohne besser?
"...auf noch leeren seiten..." ???
nochmals danke.
liebe grüße, poeta
hallo Flora,
dieser kommi von dir ist wirklich ein ganz besonderes geschenk. du hast die ambivalenz des textes (zwar ein bisschen verstört ?) aufgespürt und wunderbar herausgearbeitet. dafür ein herzliches danke.
da wird etwas "für später" aufgehoben, das im moment nur wehtut, da schwingt eine hoffnung mit, sich das wertvolle bewahren und sich eines tages damit auseinandersetzen und dankbar sein zu können...
aber nun im detail:
Das Aus- und Einatmen ist für mich völlig gegen das Lesen gesetzt, da ich hier erst einmal ein- und dann erst wieder ausatmen muss.
das ist ein bisschen wie mit dem huhn und dem ei. es ist ein kreislauf, in den man hier, wie da einsteigen kann. um tief und frei einatmen zu können, muss ich erst bewusst ausatmen. ich beginne jede atemmeditation, auch jede lesung, mit dem bewussten ausatmen.
ausatmen auch deshalb zuerst, weil es ein hinweis sein könnte, dass LI von LD ausgeatmet wurde - andernorts wieder einatmet?
Ein unangenehmer Anfang. Die "Verschnaufpause" klingt für mich zu gewollt "witzig", vor allem nachdem der Fokus aufs tatsächliche Atmen gelenkt wurde.
witzig solte es eigentlich nicht sein, das ist wohl daneben gegangen. eher wollte ich anklingen lassen, dass die beziehung anstrengend war, dass man gerade eine beziehungs-verschnaufpause einlegt. im augenblick sehe ich noch nicht, wie ich das besser hinkriegen könnte: atempause (?), dann müsste ich mir statt des aus- und einatmens etwas anderes einfallen lassen...
"Tintenblut" ist mir persönlich zu viel und zu laut und zu sehr von Cornelia Funke besetzt.
ja das ist ein problem, das ich im vorfeld auch gesehen habe, aber dennoch keine bessere lösung finden konnte, wenn du eine hast?
"an die Netzhaut gepinnt" ist ein abstoßendes und gewalttätiges Bild.
jaah, es sind bilder, deren man sich nicht erwehren kann, filme, die ablaufen, ohne dass man sie startet..., die man aber bewusst und mit kraftaufwand "abstellen" muss.
Auch der "Überschwang" bekommt hier einen sehr negativen Beigeschmack, sicher auch durch das "Blut".
das blut spricht von verletzungen (vor allem gemeinsam mit "...gepinnt", aber auch von lebendigkeit, lebenskraft. vitalität des LD; eingetrocknet im löschblatt aber nur noch erinnerung. überschwang (der gefühle) - interessant, dass das negativ bei dir ankommt - als entsprechung der überflüssigen tinte, die vom löschblatt aufgenommen wird, überschwang, aufgenommen und abgespeichert, dabei auch subjektiv verändert, bewertet (spiegelschrift)
"durchgedrückt" klingt wieder unangenehm, aufdringlich und übergriffig, zusammen mit dem "gepinnt" und der Zeile "lautlos an Wänden aus Glas", wirkt das bedrohlich auf mich, als wollte und könnte er sowohl ihre Sicht, als auch ihr Leben, ihr "Sein" bestimmen, als wäre sie immer unter seiner Kontrolle, ohne Versteckmöglichkeit. Die "leeren Seiten" klingen emotionslos, als Gegensatz zu seinem Überschwang, und sich selbst nicht wahrnehmend. Das wäre für mich an sich sehr schlüssig und stimmig gezeigt und auch sprachlich gut umgesetzt, allerdings verstehe ich dann nicht, was daran "wohlverwahrt" und "für später" aufgehoben wird und warum?
ja, es ist auch unangenehm, aber nicht nur,
nachdrücklich wäre auch eine mögliche lesart. es ist realität, dass die gegenwart in die zukunft vorausgreift, eine intensive beziehung spuren hinterlässt, der unbeschriebene block, nicht wirklich unbeschrieben ist, mit einem bleistift darüber schraffiert, können unsichtbare zeichen sichtbar gemacht und sogar entziffert werden... auch wenn LD den obersten zettel, seine notizen, mitnimmt, lässt es doch das, was sich immer schwächer werdend durchgedrückt hat zurück.
auch das wird "für später" aufgehoben. "wohlverwahrt" deshalb, weil bei all den schmerzlichen und negativen gefühlen doch auch immer noch das bewusstsein für den wert dieser beziehung, für die schönen und guten zeiten erhalten blieb und auch bleiben soll...
Vielleicht sagt mir daher auch das weiße Rauschen nichts, weil ich gar nicht weiß, ob das Verblassen nun positiv oder negativ zu lesen ist.
genau! LI ist hin- und hergerissen, ob es sich nun ein verblassen wünscht oder doch nicht.
Am Ende eine sehr nüchterne Strophe, die von finanzieller Absicherung erzählt, in einem übertragenen Sinn aber darin auch die "Wertlosigkeit" seiner "Schriften" mitschwingen könnte. Da ich keinen anderen Anhaltspunkt habe, beziehe ich die "Expertisen" auf die Beziehung, wer sie "erstellt" hat und mit welcher Intention, bleibt offen.
ja ein versuch nüchtern und sachlich damit umzugehen. wie kommst du auf "wertlosigkeit", wenn etwas bei den wertpapieren aufgehoben wird?
ist es relevant, von wem die expertisen erstellt wurden? expertisen geben aufschluss über echtheit und wert... können auch von den protagonisten selbst erstellt und zu einem späteren zeitpunkt revidiert werden, oder?
interessant finde ich am rande, dass du LI und LD so selbsverständlich in weiblich und männlich zugeordnet hast. der mit der kräftigen handschrift muss ja wohl er sein, nicht

?
du hast mir mit deinem detaillierten kommi einen große dienst erwiesen, mir ist dabei auch wieder ein stückchen mehr klargeworden, dass sich das meiste im leben nicht eindeutig positiv oder negativ zuordnen lässt, obwohl wir das so gern hätten. da muss man halt auf die guten alten märchen zurückgreifen.
liebe grüße, poeta