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Dem Störenfried
Verfasst: 23.02.2012, 10:31
von Eskarina
Wer stakst da so hölzern den Dachfirst entlang,
und gibt sich ganz so, als gehört’ ihm die Welt?
Er hüpft akrobatisch – da wird mir ganz bang –
auf Giebel und Simse so wie’s ihm gefällt.
Jetzt hebt er das Köpfchen, wirft sich in die Brust,
und hebt an zu singen, ich nenne es krächzen.
Er plustert sich auf und vertont seine Lust
nach nachtschwarzen Damen, die warten und lechzen
allein nach der Liebe des lüsternen Knaben.
Und so singt er weiter für Stunde um Stund.
Mir schmerzen die Ohren, doch neid ich dem Raben
kein Stück seiner Inbrunst und Leidenschaft Kund'.
Eska, 22.02.2012
Verfasst: 23.02.2012, 18:49
von Quoth
Eskarina hat geschrieben:... doch neid ich dem Raben
kein Stück seiner Inbrunst und Leidenschaft Kund
Wie meinen?
Gruß
Quoth
Verfasst: 23.02.2012, 20:42
von Eskarina
Nun, ich neide ihm nicht seine Inbrunst, noch seine leidenschaftliche Kunde (davon).
Verfasst: 23.02.2012, 22:12
von Quoth
Ah, die Kund' seiner Inbrunst. Ein Apostroph täte gut!
Ich hab überlegt, ob es heißen müsse: "Kein Stück seiner Inbrunst tut Leidenschaft kund".
Da würde ich die Stund' Stunde sein lassen und die Kund' Kunde.
"krächzen" und "lechzen" gefällt mir als Reim.
Der arme Rabe muss ja schon seit Lafontaine (>>Maitre corbeau sur un arbre perché<<) als dumm und eitel herhalten, hier hast Du ihn sogar auf einen Dachfirst gesetzt. Rabenvögel können in der Tat auf recht überraschend gelenkige Art und Weise hüpfen, das ist recht gut erfasst. Auch gehören die Rabenvögel trotz ihrer in unseren Ohren nicht sehr wohltönenden Laute zu den Singvögeln. Aber irgendwie geht die Fabel hier nicht auf, es fehlt ihr an satyrischem Drive, vielleicht mangels Gegenspiel oder weil die Vermenschlichung nicht weit genug getrieben wurde. Wie wäre es, wenn wir erfahren, was er krächzt?
Gruß
Quoth
PS: Ich fürchte, der Rabe war eine Dohle. Die freilich ist nicht nachtschwarz ...
Verfasst: 24.02.2012, 21:32
von Mnemosyne
Aus Erfahrung weiß ich, dass Raben äußerst harmonische Laute von sich geben können, eine Art helles Flöten, in Grenzen angeblich sogar sprechen lernen. In unseren Breiten trifft man sie leider höchstens noch in Zoos...
Hier eine Auswahl ihrer Sangeskunst. Die zweite Strophe gefällt mir besonders:
http://www.youtube.com/watch?v=9cPbeaHzamMUnd hier noch ein bißchen:
http://www.youtube.com/watch?v=hQxNOFPq ... re=relatedUnd hier einer, der sich vorstellt:
http://www.youtube.com/watch?v=Zi8WI0Iq ... re=relatedDas Gedicht ist nett, aber mir geht es wie Quoth - ich würde gerne noch etwas mehr erfahren.
Verfasst: 25.02.2012, 01:07
von Zefira
Der erste Link ist ja echt der Hammer. Und das, nachdem ich gerade eine Stunde lang Rameau gehört habe.
Meister Rameau hätte an dem Raben seine helle Freude gehabt.
Nachtgruß von Zefira
Verfasst: 25.02.2012, 12:10
von Quoth
Ich sag's doch: Ein Singvogel! Und wie gut hat Lafontaine ihn erfasst mit dem Schnabelöffnen (dem in der Fabel dann der Käse entfällt). Vielen Dank für die Links, Mnemosyne.
Ich glaube, Eskarina, Du bist dem Raben nicht gerecht geworden, wenn Du ihn einfach als selbstgefälligen "lüsternen Knaben" charakterisierst. Da könnte man ebenso gut einen Kater, einen Rüden, einen Hengst, einen Pfau oder einen Täuberich nehmen!
Gruß
Quoth
Verfasst: 28.02.2012, 11:41
von Eskarina
Hallo zusammen,
ioch danke euch für euer Feedback und die Anregungen. Was den Teil mit dem "Kund'" betrifft, so werde ich ihn noch einmal überarbeiten. Allerdings dürft ihr mir glauben, dass ich dem lieben Raben sehr wohl gerecht werde, denn es handelt sich um ein Explar, dass mir die Nachmittage im Büro mit einer unglaublichen "Braut-Show" versüßt. Ich brauche nur aus dem Fenster zu gucken und sein Krächzen ist auch bei geschlossenen Fenster zu hören. Interessanter Knabe^^. Ist ist also keine Fabel, sondern eine Beschreibung einer Beobachtung.
Ich stelle die überarbeitetet Fassung demnächst ein.
LG
Esk
Verfasst: 28.02.2012, 18:33
von Eule
Kolk-Raben sind meist scheue Hochwald-Bewohner. In Siedlungsnähe werde sie oft mit Krähen verwechselt oder gleichgesetzt, von denen es mehrere Arten gibt. Dies würde das Krächzen erklären. Die häufigste Unterart der Aaskrähe ist in Mitteleuropa die Rabenkrähe. (Quelle:
www.wikipedia.org und eigene Bestimmungsübungen)
.gif)
Verfasst: 29.02.2012, 08:35
von Quoth
Ja, der beobachtete "Rabe" ist entweder ein gezähmtes Exemplar auf Ausgang - oder eine Rabenkrähe, gehe ich mit Dir einig, Eule. Obgleich es hier (in Schleswig-Holstein) Kolkraben geben soll, habe ich noch nie einen gesehen - und ich gucke nun wirklich nicht weg, wenn's um Vögel geht!
Gruß
Quoth
Verfasst: 29.02.2012, 11:39
von Eskarina
Huhu^^
Das finde ich ja interessant

.
Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein Kolk-Rabe ist, schon allein wegen der Größe und auch aufgrund der Lautäußerungen (habe auf youtube verglichen). Momentan hat er er sich verdünnisiert. Ich lebe in Wiesbaden und heute fliegen hier einige Möwen herum, von denen ich annehme, dass sie den Rhein hinauf geflogen sind. Die haben den Raben (oder doch die Krähe?) wohl verjagt. Sobald er wieder da ist, mache ich ein Foto von ihm. Dann können wir uns sicher sein.
LG
eska