Hallo Klara,
gut geschrieben. Warum glaube ich es nicht?
Meine erste Frage wäre vor allem: Was glaubst du nicht?
Glaubst du mir als Autorin nicht die Auseinandersetzung mit dem Thema, oder glaubst du dem Gedicht nicht das erzählende Ich, oder glaubst du dem erzählenden Ich nicht seine Vorstellung der Frau?
Ich fürchte, der Text will zu schön sein. Er will geliebt werden. Anerkannt fürs Betroffensein und das-dann-auch-noch-sehr-gut-ausdrücken-Können. DAs sit kein VOrwurf, nicht mal eine Unterstellung, sondern so gemeint: Dass ich das fürchte.
Kannst du das "schön-sein-und –geliebt-werden-wollen" und dieses Fürchten an irgendetwas im Text festmachen, oder hat das nur mit deiner grundsätzlichen Haltung diesem Thema gegenüber oder mir als Autorin zu tun? (Ehrliche Frage!) Natürlich wollte ich einen Text schreiben, der so "gut" ist, wie es mir zum jetzigen Zeitpunkt nur möglich ist. Etwas anderes wäre ja seltsam und auch dem Thema nicht angemessen, oder?
Habe ich jetzt zu viel geredet, ohne Gedichtbezug?
Nein, für mich ist es auch völlig in Ordnung, wenn sich daraus eine Diskussion ergibt, die auch vom Text wegführt. Ich möchte da im Moment nicht näher einsteigen, aber ich lese gerne mit und denke darüber nach.
Es ist ein Versuch, Flora, zu "erklären", warum es für mich nicht funktioniert. Berührt mich nicht. Lässt mich kalt, der Text. Warum? Zu viel gesagt darüber? Zu viel geschrieben von den falschen Leuten? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es einfach der Rahmen: Der Text reagiert auf ein - offenbar mäßiges (habe die Diskussion nicht verfolgt) - Gedicht, das - offenbar - gut gemeint und schlecht gemacht ist. Dieses hier ist gut gemacht, aber nicht vollständig gut, nciht NUR gut gemeint, weil es - fürchte ich - besser sein will als die anderen, schlecht gemachten, die es in gewisser Weise "toppen" will. Das stimmt wahrscheinlich nicht. Es war wohl nur eine Anregung dazu. Wie auch immer: Für mich funktioniert es nicht.
Da wird es allerdings für mich schwierig, weil ich tatsächlich den textimmanenten Grund nicht verstanden oder in deinem Kommentar gefunden habe. Und ich würde es wirklich gerne verstehen. Alles, was du anführst, hat aber entweder mit deinen Befürchtungen um meine vermutlich "niederen" Beweggründe (was ich zugegeben schon hm ... seltsam und ziemlich unangenehm und unangemessen finde, und auch vom Gedankengang her nicht nachvollziehen kann?), oder mit anderen Texten oder dir selbst zu tun.
Ich danke dir jedenfalls sehr, dass du dich dazu zu Wort gemeldet hast, auch wenn ich an deinem Eindruck zu knabbern habe! .-)
Hallo Renée,
Ich glaube, dass die Problematik von Auschwitz, Shoah und Holocaust, wie diee verschiedenen Bezeichnungen bereits zeigen, ein so schwieriges Wortproblem darstellt, dass es für mich (ich sage es absichtlich nur mich betreffend) wegen oder trotz intensivster Auseinandersetzung mit dem Thema, das im übrigen untergründig in vielen meiner Texten auftaucht (ohne thematisiert zu werden) unmöglich geworden ist, noch eine Zeile mehr direkt dazu zu schreiben oder zu lesen.
Das kann ich als persönliche Entscheidung gut annehmen. Trotzdem gibt es doch noch Menschen, die sich damit auseinandersetzen müssen und wollen, schreibend und lesend und immer auch welche, die gerade erst anfangen sich mit dem Thema zu beschäftigen, Jugendliche. Ich finde es sehr wichtig, ihnen dann auch diese Möglichkeit der Auseinandersetzung nicht zu "verweigern" oder ihre Texte pauschal abzuurteilen.
Mir scheint, dass solche Versuche der Poetisierung ins Leere laufen.
In welche Leere? Dass sie nichts mehr bewirken können, oder dass du nicht mehr von ihnen "berührt" werden kannst? Ich weiß auch nicht, ob Texte zu diesem Thema überhaupt gelingen können. Ich bin da selbst sehr kritisch, selbst bei Celan .-) und natürlich besonders meinen eigenen Text gegenüber. Aber ich finde es wichtig es trotzdem zu versuchen. Und sie dann auch manchmal einer kritischen Betrachtung auszusetzen.
Ich habe aus diesem Grund, nicht nur speziell diese "Aufgabe betreffend" Probleme mit der Lyrik. Mir scheint, dass Poesie oder Lyrik oder Dichtung mehr sein sollte, als ästhetisierende, dichtertechnisch durchformte Sprache.
Welches "mehr"? Meinst du persönliches Erleben, Betroffensein, therapeutisches Schreiben? Und an was kannst du das am fertigen Text erkennen, oder festmachen? Ich gehe davon aus, dass dieses "mehr" deiner Ansicht nach meinem Gedicht fehlt?
----------- den Mund voll Asche verstehe ich, aber die Zöpfe wie Schnürsenkel?
Das ist für mich in erster Linie einfach das Bild einer sehr alten Frau mit dünnem Haar und bildet gemeinsam mit den dicken Zöpfen die Zeitspanne, weil mir wichtig war, das "Heute" zeitlich festzulegen.
dieses Singen der Frauen, das Orchester, die bachhörenden Nazikommandos, das alles gehört für mich geradezu in die Requisitenkiste der heutigen Darstellung dieser Thematik, und wir können dem KONtext einfach nicht entfliehen.
Ja. Das erzählende Ich kommt aus diesem "Heute".
-- wenn mir klar würde (und dieser schlüssel fehlt mir vielleicht) was du mit "friedhofskind" als lytrischen Ich genau meinst, hätte ich vielleicht einen Zugang zu deinem Gedicht.
Im Friedhofskind schwingen für mich viele Assoziationen durch die Worte "Friede, Friedhof, Kind" mit. Wichtig war mir vor allem daran, dass man einen "jungen" Menschen sieht und deutlich wird, dass er von dieser Zeit nichts persönlich erlebt hat.
So aber bleibt es für mich : lettre morte.
Ähm, mein rostiges Französisch, bevor ich es falsch verstehe, was genau meinst du damit?
Es ging doch darum: gelingt es, ein Gedicht zu schreiben, das auf würdige und vertretbare Weise (also mit der entsprechenden Sensibilität) das ausdrückt, was in einem mehr oder weniger geschickten Versuch misslungen ist - oder scheint.
Mir ging es vor allem darum schreibend zu erkunden, wie ich mit dem Thema umgehen kann und möchte und so auch herauszuschälen, wo für mich die schwierigen Punkte liegen, wo ich für mich Grenzen ziehen würde, was und wie es von mir gesagt werden könnte ... Für mich ist dieser Prozess wichtig, (nicht nur hier) auch um dann einen anderen Blick für Texte, die sich der gleichen Thematik annehmen zu bekommen.
(Das ist jetzt auch OT: Ich fände es sehr schade für diese Rubrik, und wäre überhaupt nicht auf die Idee gekommen, wenn die Texte und Autoren, die sich mit anderen Texten auseinandersetzen so angeschaut und beurteilt würden.)
Das war nicht ganz einfach, aber im Wesentlichen glaube ich darauf hingewiesen zu haben, dass der Text nicht allein besteht, sondern ein KONtext hereinspielt, der dem Text eine Färbung gibt.
Darüber hatten wir ja schon oft diskutiert. :) Ich sehe das anders. Der Kontext färbt nicht den Text, der ist, wie er ist, sondern das persönliches Lesen.
Vieles von dem, was von uns begrüßt, kritisiert, verdammt und hochgelobt wird, hängt von den Umständen ab, in denen solche Äußerungen verfasst werden. Dasselbe gilt für die Texte.
Natürlich gilt das auch für Texte, nicht nur die Umstände, auch wir, unser Lesen und Denken verändern sich. Aber das macht für mich eine Momentbetrachtung, Kritik und Lob nicht unmöglich, oder wertet sie ab. Anders wäre denke ich weder ein Schreiben, noch eine Auseinandersetzung mit Texten für mich möglich.
Danke für die Rückmeldung, Pjesma, auch zum Schornstein!
Liebe Grüße euch
Flora