ach
wärest du wenigstens eine dicke rostige!
so ließ er sich plötzlich neben mir fallen, in der bahn
mit kaltem hauch fauchte er die fenster an
und seufzte
wärest du eine weißrosa gutgenährte fleischpracht
mit ein paar feuerschöpfen in den kurven
dann ja dann
könnte ich in dich fallen
anstatt dicht daneben
wie jetzt,
erzählen:
„als wir zum markt fuhren
hatte mir an der hauptwache
einer die schuhe gestohlen
barfuß kehrte ich heim
aus der stadt“
und du hättest mich rot umschenkelt
silbern wiegten die weiden im wind
auf wolkenträchtigem himmel über die wiese
ach
wärest du eine heissblütige tochter des schuhmachers
oder eine üppige herdentreiberin,
eine witwe im flammenden sonnenuntergang
hätte ich gewiss um deine hand gebeten
ich hätte dich müd getanzt
so ließ er sich neben mir fallen in der bahn
unsichtbar, unfassbar, leise
und sehnsüchtelte aus seinem jenseits in mein ohr
des lebens noch nicht satt und dem tode noch nicht gewidmet
den eigenen fußspuren
blickte er mit wehmut
und trauerte verspäteten wünschen nach
ich schwieg versteinert
als gäbe es ihn nicht
ich las in meinem buch
und so fuhr er fort:
du hättest in meinen nacken gelacht
gesagt, womöglich:„sommer braucht keine schuhe“
und deine röcke hochgezogen für mich
mir das hemd breit von den schultern gerissen
umbrüstet hättest du mich
und ich hätte
sicherlich hätte ich
wie in eine brotmitte
in dich hineingebissen
als wärest du der apfel aller äpfel
und laib aller laibe
deine milch getrunken hätte ich!
und wäre satt und froh geworden
für die ewigkeit
anstatt mich um die schuhe zu kümmern
so, aber,
so-
stöhnte er
hörst du nun nicht mal zu
so - ist uns wohl nur der pfad gemeinsam
die strecke hin und zurück
nicht mal die kutsche,
nicht einmal die pferde
die auch im halbschlaf ihren weg kennen
und einen auch tot zur schwelle bringen
nichtsgarnichts!
dennoch warne ich dich
dich
mit deinem schlauen buch
und in deiner schnellen bahn:
auch du
wirst um etwas bestohlen werden
und barfuß
und durstig
und noch nicht des lebens satt
nach hause kehren
müssen
so sagte er
und verschwand.
die geisterbahn durch die lebensbejubelnden landschaften
Was da ein männliches Ich bedauernd über ein weibliches sagt, scheint vom weiblichen recht plastisch auf dem Hintergrund allgemeinen Wissens um Männerwünsche imaginiert. Amüsant und facettenreich, dieses einander an einander vorbei Begegnen in der Bahn. Soll "ach, wärest du wenigstens eine dicke rostige" wirklich so abgehackt am Anfang stehen bleiben - oder ist es ein Korrekturrest? Ein "laib aller laibe", las statt laß und ließ statt lies ... Ein bittersüßkomischer, sehr pjesmaischer Text!
Gruß
Quoth
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
Und der Rest hält ein, was die Titelzeile verspricht. Ich bin hingerissen.
Was ist Lyrik schon anderes als Prosa mit gewillkürten Zeilenumbrüchen, und die gibt's hier. Und ob nun dies oder jenes - ein schöner Text, vor allem durch seinen Humor. Die Anfangszeile ist durch das Ausrufungszeichen "absichtlicher" geworden, steht nicht mehr nur erratisch herum.
Gruß
Quoth
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
Hallo Pjesma,
ich mag den titel (auch wenn ich ihn ohne die Artikel noch schöner und flüssiger fände) und ich finde den Text besonders, kann mich da nur den Lobenden anschließen, aber das Zusammenspiel der beiden funktioniert für mich nicht so recht.
"Geisterbahn" lässt mich denke ich mit dem falschen Bild "losfahren", ich sehe eben eine Geisterbahn auf irgendeinem Rummelplatz, :o) und brauche eine Weile, bis ich mich davon lösen kann. "Geisterfahrt" z.B. würde den Einstieg für mich hier erleichtern und die ganz eigene Atmosphäre des Gedichtes für mich besser aufkommen lassen. Die Geisterbahn gibt für mich eher eine lächerlich-gruselig-übertriebene Richtung vor, die den Pjesma-Geist erschlägt. .-) Aber auch wenn ich mich vom Bild löse, hänge ich noch am Begriff, der für mich egal wie ich ihn wende, nicht für das Gedicht aufgeht.
Schwierig finde ich auch das "rostige" was ich auf die Geisterbahn bezogen habe. Es erscheint mir in Bezug zu einer Frau seltsam und diese soll dann ja auch nicht dick und rostig, sondern weißrosa und gutgenährt sein? Und warum soll die Bahn oder die Frau rostig sein? Nicht eher "rosig"?
Liebe Grüße
Flora
ich mag den titel (auch wenn ich ihn ohne die Artikel noch schöner und flüssiger fände) und ich finde den Text besonders, kann mich da nur den Lobenden anschließen, aber das Zusammenspiel der beiden funktioniert für mich nicht so recht.
"Geisterbahn" lässt mich denke ich mit dem falschen Bild "losfahren", ich sehe eben eine Geisterbahn auf irgendeinem Rummelplatz, :o) und brauche eine Weile, bis ich mich davon lösen kann. "Geisterfahrt" z.B. würde den Einstieg für mich hier erleichtern und die ganz eigene Atmosphäre des Gedichtes für mich besser aufkommen lassen. Die Geisterbahn gibt für mich eher eine lächerlich-gruselig-übertriebene Richtung vor, die den Pjesma-Geist erschlägt. .-) Aber auch wenn ich mich vom Bild löse, hänge ich noch am Begriff, der für mich egal wie ich ihn wende, nicht für das Gedicht aufgeht.
Schwierig finde ich auch das "rostige" was ich auf die Geisterbahn bezogen habe. Es erscheint mir in Bezug zu einer Frau seltsam und diese soll dann ja auch nicht dick und rostig, sondern weißrosa und gutgenährt sein? Und warum soll die Bahn oder die Frau rostig sein? Nicht eher "rosig"?
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
pjesma
vielen dank sam und auch dir ein dank flora 
geisterfahrt wäre passenderes wort, hast du recht, danke, werde ich nehmen. obwohl ich der gruseligkeit da nicht ganz aus der weg kann...ich finde es schon gruselig dem geistersgewispere über ein nicht zu ende gelebtes leben zu lauschen...rostig bezieht sich auf die frau, es hat ein bisschen umgangsprachliches in sich, das ist diese besondere rothaarfarbe... bzw. ist da nicht eine bestimmte, einzelne frau gedacht, sondern ein typus...welcher der cumuluswolken am sommertag über die taunuslandschaften entspricht...ich versuch da durch sehnsüchte eines totengeistes die rustikale fülle zu feiern...wie irrdische so auch fleischliche...lust.
lg

geisterfahrt wäre passenderes wort, hast du recht, danke, werde ich nehmen. obwohl ich der gruseligkeit da nicht ganz aus der weg kann...ich finde es schon gruselig dem geistersgewispere über ein nicht zu ende gelebtes leben zu lauschen...rostig bezieht sich auf die frau, es hat ein bisschen umgangsprachliches in sich, das ist diese besondere rothaarfarbe... bzw. ist da nicht eine bestimmte, einzelne frau gedacht, sondern ein typus...welcher der cumuluswolken am sommertag über die taunuslandschaften entspricht...ich versuch da durch sehnsüchte eines totengeistes die rustikale fülle zu feiern...wie irrdische so auch fleischliche...lust.
lg
Hallo Gabriella,
Ich gehe davon aus, dass sie in einer ganz normalen "Bahn", einem Zug sitzt, warum müsste man dann das Wort "Bahn" ersetzen? Für mich geht es mit einer tatsächlichen Geisterbahn jedenfalls nicht auf.
Liebe Grüße
Flora
Du liest Bücher in Geisterbahnen?Ich finde schon, dass es passt, wenn man sich dieses "Gespräch" auf der Geisterbahn vorstellt. Auch, wenn du "Geisterfahrt" einsetzt, so kannst du ja das Wort "Bahn" nicht überall ersetzen.
Ich gehe davon aus, dass sie in einer ganz normalen "Bahn", einem Zug sitzt, warum müsste man dann das Wort "Bahn" ersetzen? Für mich geht es mit einer tatsächlichen Geisterbahn jedenfalls nicht auf. Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
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, aber wenn du mir etwas verbildlichen könntest wie du es besser fändest, nehm ich es gern an