Novemberfeld

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 22.12.2011, 11:16

inspiriert durch Floras Erzählgedicht: viewtopic.php?f=43&t=12689

Die Zeit begnügt sich mit sich selbst, während wir uns mit Begriffen füttern, ohne jemals satt zu werden.

Ein trüber Tag an dem uns jegliche Hoffnung verließ.
Der Wind trieb den Winter voran.
Zurück blieben wir;
zwei Sprachlose auf einem Novemberfeld.
Unsere Blicke gingen aneinander vorbei.
Abwartend,
gebeutelt vom Stillstand,
erfasste uns der Wind.

im Original: Alarmbereit statt Abwartend
Zuletzt geändert von Xanthippe am 22.12.2011, 20:52, insgesamt 1-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 22.12.2011, 12:46

Hallo Xanthi,

diese Trostlosigkeit, die ich in deinem Gedicht spüre, finde ich gut dargestellt.
Nur der Wind ist hier aktiv. Alles andere ist passiv. Die beiden können nicht anders, sind ohnmächtig/apathisch.
Das Wort "Alarmbereit" finde ich zu "aktiv" in diesem Kontext. Es passt m.E. nicht zu den Blicken, die aneinander vorbei gehen, zum "gebeutelt vom Stillstand", springt zu stark heraus und stellt einen Widerspruch zu der herrschenden Lethargie dar.

Saludos
Gabriella

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 22.12.2011, 19:52

Hallo Gabriella,

ich verstehe deinen Einwand gut, allerdings sollte das "alarmbereit" sich auf den Wind beziehen. Aber das ist wohl nicht deutlich genug. Ich werde darüber nachdenken.
Danke fürs Lesen
Xanthi

Mucki
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Beitragvon Mucki » 22.12.2011, 21:03

Hi Xanthi,

auf den Wind habe ich das "alarmbereit" tatsächlich nicht bezogen.
Auch das jetzt von dir stattdessen eingefügte "Abwartend" lese ich in Bezug auf das "uns". Und ich finde, dass dieses "Abwartend" gut in diesem Kontext passt. Diese Stagnation, Apathie der beiden wird dadurch noch unterstrichen. Daher würde ich diesen Bezug ruhig zulassen.

Saludos
Gabriella

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 22.12.2011, 21:49

Ui, das freut mich, Xanthi. :)

Was mir hier besonders gefällt, ist die Bewegung des Windes, der (auch im Text selbst) noch einmal wiederkehrt (und in einer positiven Leseweise mit ihm auch die Hoffnung), um sie zu erfassen.

Erst dachte ich, dass mir die erste Zeile zu benennend und dramatisch wäre, aber durch die "trockene" Sprache des restlichen Textes, und die Wendung am Ende wird das gut aufgefangen und ich höre eine unaufgeregte Stimme, die das tragen kann.

Das "Abwartend" finde ich eine gute Wahl, wobei ich es auch nicht auf den Wind beziehe.

Schöner Titel und schöner Text!

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 23.12.2011, 09:31

Danke ihr zwei, besonders an Dich, Flora, dass Du mir den Titel "geschenkt" hast und an Dich, Gabriella, dass ich das alarmbereit geändert habe, tatsächlich gefällt mir der Text jetzt auch besser, ich finde es stimmiger und kann jetzt gut damit leben, wenn ihr es auf die Bewohner des Novemberfelds bezieht und nicht wie ich, auf den Wind :smile:

viele Grüße
Xanthi


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