Seite 1 von 2

Erster Advent

Verfasst: 25.11.2011, 10:51
von leonie
Erster Advent

Früher warteten wir
auf die Ankunft
des Kindes,
auf Friedensworte,
und ein Licht
in der Dunkelheit.

Heute
kommt unsere
selbstgebastelte Zukunft
in Containern
strahlend auf uns
zu.



Erstfassung:

Erster Advent

Früher warteten wir
auf die Ankunft
des Kindes,
in Windeln gewickelt
und in einer Krippe liegend.

Wir warteten
auf Engellieder,
Friedensworte,
und ein Licht
in der Dunkelheit.

Heute
kommt unsere
selbstgezimmerte Zukunft
in Containern
strahlend auf uns
zu.

Verfasst: 25.11.2011, 11:03
von Amanita
Hallo leonie, den Inhalt finde ich gut, aber er kommt noch nicht heftig genug rüber, d. h. der Kontrast ist mir noch nicht stark genug, vor allem sprachlich nicht. Und ich würde die ersten beiden Strophen komprimieren, jedenfalls wenn ich vom Ist-Zustand ausgehe ...

Verfasst: 25.11.2011, 11:27
von leonie
Liebe Amanita,

das ging ja schnell! Danke Dir für Deine Eindrücke.

Ich wollte mal böse sein, aber es klappt noch nicht so ganz... :mrgreen: .

Der Text war sogar kürzer, ich schaue nachher mal, was sich machen lässt, muss jetzt erstmal los...

Liebe Grüße

leonie

Verfasst: 25.11.2011, 15:32
von leonie
So, da bin ich wieder. Würde es für Dein Gefühl schon ausreichen, wenn ich kürze? Ursprünglich war es so:

Erster Advent

Früher warteten wir
auf die Ankunft
des Kindes,
auf Friedensworte,
und ein Licht
in der Dunkelheit.

Heute
kommt unsere
selbstgezimmerte Zukunft
in Containern
strahlend auf uns
zu.


Liebe Grüße

leonie

Verfasst: 25.11.2011, 16:53
von Amanita
Das gefällt mir schon besser - aber etwas mehr "Biss" fehlt m. E. noch.

Verfasst: 25.11.2011, 20:37
von Nifl
Huhu Leo.

Früher warteten wir
auf die Ankunft
des Kindes,
in Windeln gewickelt
und in einer Krippe liegend.


Bitte unbedingt deine Überarbeitung nehmen, ich finde es nämlich komisch, wenn LyI mit Windeln in der Krippe liegt (ja ja, ich weiß, aber es steht eben nicht da)

Das Wort "selbstgezimmert" ist für mich im Kontext Castortransporte auch nicht recht passend/ungenau (weil "zimmern" ja per se "holzig" ist?).

Außerdem ist "strahlend" in dem Zusammenhang mE. sehr uninspiriert und schnarch.

Und was hat die Atompolitik denn eigentlich mit dem Krippenkind zutun?

LG
Nifl

Verfasst: 26.11.2011, 11:43
von leonie
Lieber Nifl,

danke erstmal für die Rückmeldung und ja: ich nehme die kurze Fassung nach oben. Vielleicht streiche ich das "selbstgezimmert" auch ganz, ich überlege noch. "Strahlend", ja, okay, es ist vielleicht schnarch, aber für mcih hier schwer ersetzbar.

Es geht darum, dass das Wort "Advent" Ankunft bedeutet und der Sch...transport diesmal auch noch ausgerechnet am 1. Advent stattfindet. Das brachte mich auf die Idee.

Es ist ein kleiner Anlasstext, mehr nicht.

Liebe Amanita, ich denke noch nach.

Danke Euch beiden.

Liebe Grüße

leonie

Verfasst: 27.11.2011, 10:35
von Ylvi
Hallo Leo,

mir geht es wie Nifl, auch das "strahlen" betreffend.
Aber für mich geht auch das "Früher" – "Heute" nicht auf, weil ich da ein Nebeneinander sehe und nicht das eine das andere ablöst? Das geht für mich einfach an der Realität vorbei, übersteigert so, dass es nichts mehr anrührt, oder trifft.
Auch denke ich, bräuchte das Gedicht eine zeitliche Verortung, oder eine deutlichere Benennung, um den Castorbezug zu sichern. Das ist zwar jetzt gerade präsent, aber sonst kommen halt Umzugscontainer auf einen zu und man fragt sich, warum sie wohl strahlen und ob man das Kind im Umzugsstress vergessen hat. :o)

Ich sehe es wie Amanita, dass auch der sprachliche Bruch stärker herauskommen müsste, wenn du beides "gleichwertig" in Strophen gegenüberstellen willst.
Eine andere Möglichkeit wäre für mich es zusammenzuziehen und die Castor Container ganz nüchtern zu benennen.
Etwas in diese Richtung:

Erster Advent 2011

Warten
auf die Ankunft
des Kindes
auf Friedensworte
und ein Licht
in der Dunkelheit
Castor Container


Liebe Grüße
Flora

Verfasst: 27.11.2011, 11:35
von leonie
Liebe Flora,

danke für Deine Ideen. Vielleicht wollte ich auch zuviel in den Text packen. Die Gegenüberstellung früher-heute wegzulassen finde ich einerseits eine gute Idee. Andererseits geht für mich etwas an Aussage dadurch verloren von der aber ohnehin die Frage ist, ob sie wahrgenommen wird.

Spontan: Wie wäre es so? Ich wollte das Strahlen gerne drin haben, Castor ist ja auch ein Stern, das wiederum hat dann einen Bezug zur Weihnachtsgeschichte.

Advent 2011

Warten
auf die Ankunft
des Kindes
auf Friedensworte
und ein Licht
in der Dunkelheit
strahlt Castor.


Liebe Grüße

leonie

Verfasst: 27.11.2011, 12:36
von Niko
die container sind mir erst durch die kommentare aufgegangen. wenn man das gedicht also einfach irgendwo liest, kommt man unter umständen nicht gleich auf castor, atomenergie und die ganzen schauplätze, die damit zu tun haben. es ist schwierig einen adventstext zu schreiben, der weder kitschig noch polemisch-plakativ ist und dennoch kritisch sein soll.

ich finde, das ist dir hier nur bedingt gelungen. es ist zu wenig finger auf wunden legen. erschließt sich der container erst, dann stellt sich die frage: was hat atomkraft mit weihnachten / advent im direkten kontext zu tun? ich finde: gar nichts. würden ein paar andere dinge miterwähnt, dann wird ein zeitgeist "angeprangert" oder zumindest in frage gestellt. so aber bringst du - für mich verwirrender weise - advent und atomkraft in einen zusammenhang.

Erster Advent

advent früher: warten
auf die Ankunft
des Kindes,
auf Friedensworte,
auf ein Licht
in der Dunkelheit.

advent:
Heute laufen
das verschwinden von kindern
feindliche worte
dunkelheit
im neonlicht
und strahlende container
über die bildschirme
wir erwarten
ein kleines bischen glück
nicht mehr


mal als beispiel...

liebe grüße: niko

Verfasst: 27.11.2011, 12:46
von leonie
Lieber Niko,

danke an Dich! Ich kam auf die Idee, weil Advent "Ankunft" bedeutet. Eigentlich ja Ankunft von Jesus, nach christlicher Auffassung Sohn Gottes, Gott selber, etwas Heilendes, Frohes.

An diesem ersten Advent aber kommt der Castor an. Ich kann da echt zynisch werden. Unsere schöne selbstgemachte strahlende Zukunft eben.


Deshalb ist mir wichtig, es bei diesem einen Punkt zu belassen.

Es ist nur ein kleiner, wütender Anlasstext.

Liebe Grüße

leonie

Verfasst: 27.11.2011, 14:03
von ferdi
Hallo Leonie,

erlaube mir, dir zu widersprechen: Du bist wütend. Dein Text ist recht betulich und vermttelt eigentlich überhaupt keine Wut. Sollte das dein Ziel gewesen sein, scheint mir der Text gescheitert?!

Ferdigruß!

Verfasst: 27.11.2011, 14:46
von leonie
Okay, danke, dass es Du es so deutlich aussprichst, ferdi!

Ich denke, ich versuche es zu einem anderen Anlass nochmal und schaue, wie ich die Wut besser rüberbringe...

Liebe Grüße

leonie

Verfasst: 27.11.2011, 19:08
von Niko
es ist gut, wut auch in gedichte einfließen zu lassen. ich persönlich finde es am genugtuensten, wenn ich die wut in wortspitzen ummünzen kann. und dies gedicht ist mir nicht beißend genug!

liebe grüße: niko