schwachstelle

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Gerda

Beitragvon Gerda » 31.10.2011, 11:26

Version II

Schwachstelle

Kante an Kante
Für eine Zeitspanne
halten die Fäden
den Riss zusammen

Vergessen
(um das es nicht geht)
gelingt nicht

©GJ20111102





Version I

Schwachstelle

Kante an Kante
mit groben Stichen
überkreuz genäht

Für eine Zeitspanne
halten die Fäden
den Riss zusammen

Vergessen
(um das es nicht geht)
gelingt nicht

©GJ2007/20111031
Zuletzt geändert von Gerda am 02.11.2011, 14:50, insgesamt 1-mal geändert.

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Eule
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Beitragvon Eule » 02.11.2011, 12:38

Hallo Gerda, der Titel und die letzte Strophe gefallen mir gut, fast würde ich vorschlagen, die anderen beiden zu streichen, da sie auf mich sehr redundant, aufgefädelt, fast tautologisch wirken (Kreisstich).

Das patchwork als Oberthema wird in fast jedem Wort strapaziert und damit auch meine Leselust. Da wäre für mich etwas mehr Vielfalt etwas mehr. ;-)
Ein Klang zum Sprachspiel.

Gerda

Beitragvon Gerda » 02.11.2011, 14:46

Hallo Eulerich, ;-)

danke für die Rückmeldung und ... ich glaube du hast Recht.

Es ist ein Text von 2007 aus meinem Ordner mit "Arbeitsideen", leicht überarbeitet, aber noch nicht verdichtet genug, wie es aussieht.

Ganz auf die letzte Strophe reduzieren möchte ich allerdings nicht.
Ich werde mal probieren die erste und zweite zusammenzuziehen. (s. u.)
Eine Version, mit der ich ganz gut einfange, was ich intendiere.

Kante an Kante
Für eine Zeitspanne
halten die Fäden
den Riss zusammen

Vergessen
(um das es nicht geht)
gelingt nicht


Ich poste das auch im Seitenkopf.



Liebe Grüße
Gerda

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Eule
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Beitragvon Eule » 02.11.2011, 23:58

Hallo Gerda, ja, das klingt für mich viel besser. Trotzdem würde ich noch daran feilen, so stehen sich zwei strukturell sehr unterschiedliche Textblöcke gegenüber.
Ein Klang zum Sprachspiel.

Max

Beitragvon Max » 03.11.2011, 10:39

Liebe Gerda,

das finde ich einen deiner guten Texte, gerade in version 2.

Einzig bei dem Klammersatz habe ich den Eindruck, als wollest du dich vor einem Einwand in einer Art vorauseilendem Gehorsam schützen. Ich würde ihn weglassen, das Gedicht verlöre nicht.

Liebe Grüße
Max

Mucki
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Beitragvon Mucki » 03.11.2011, 19:36

Hi Gerda,

mir gefällt die Version 2 auch sehr gut.
Bei dem Klammersatz, dessen Inhalt ich nicht weglassen würde, frage ich mich aber, ob du die Klammern weglassen könntest. Damit würde der, wie Max es schreibt "vorauseilende Gehorsam" etwas abgefedert.

Liebe Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 03.11.2011, 20:26

Vielen Dank vorerst, Eule,

Max und Gabi über eure Rückmeldungen habe ich mich gefreut und danke euch ebenso.

Ich werde das jetzt ein wenig sacken lassen (hab den Kopf gerade mit anderen Dingen voll) und dann noch einmal abwägen.

Liebe Grüße
Gerda

Max

Beitragvon Max » 03.11.2011, 23:41

Ok, wir gedulden uns ;)

Einen freien Kopf
max

Jelena

Beitragvon Jelena » 04.11.2011, 09:04

Hallo Gerda,

auch wenn es deinen eigenen kreativen Prozess stören könnte, möchte ich kurz anmerken, dass ich mit der zweiten Strophe das Eingangsbild nicht verlassen wollte. Sie wirkt so auktorial und abgeklärt.

Ich würde in II die Stiche an die Stelle der Fäden setzen. Jeder weiß doch, dass Stiche aus Fäden bestehen. Damit hättest du aber die Andeutung des Schmerzes drin, die du in Strophe 2 aufgreifen könntest. Mir brennt ja auch eine Version unter den Nägeln, aber ich will das nicht mehr. Ist ja nicht mein Gedicht.

LG, Jelena.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 04.11.2011, 10:42

Ich schließe mich Jelena - ungefähr - an, da ich die zweite Strophe am stärksten finde und mich die ganze Zeit wundere, warum ausgerechnet sie getilgt worden ist.

Die erste Strophe wirkt auf mich etwas flach, und mit der Klammer in der dritten habe ich dicke Probleme. Die macht mir, sozusagen, alles kaputt. Also nicht nur die Klammer, sondern primär natürlich ihr Inhalt ...

Immer wieder erstaunlich, wie viele - ja absolut lyriksensibilisierte - Leser wie viele Meinungen mitbringen.

Gerda

Beitragvon Gerda » 06.11.2011, 12:13

Liebe Jelena, liebe Amanita,

das sehe ich heut ersrt rein zufällig ... bitte entschuldigt und vielen Dank!
Ja das mit den unterschiedlichen Meinungen stimmt ... Da ich bei diesem kleinen Text änderungswillig bin, aber noch genau weiß wie, nehme ich mir noch ein wenig Zeit.
Ich möchte genau filtern , was für mich das wesentliche beinhaltet. Irgendwo ging das wohl mit den jahren verloren, was auch wieder zeigt, dass es noch nicht sattelfest ist.

Liebe Grüße
Gerda

Klara
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Registriert: 23.10.2006

Beitragvon Klara » 07.11.2011, 15:33

Hallo Gerda,
das gefällt mir, in Version II, sehr gut.
Das Bild wirkt stark, auch die Zeit-Spanne, die irgendwann (bald?) vorbei ist, die Naht weniger als ein Provisorium, Vernarbung nahezu unmöglich, weil ja eben keine neue Haut (Vergessen!) drauf anwachsen kann, sondern nur der Riss, und nur für eine Weile, zugeht, damit er nicht noch weiter aufreißt, damit nicht zusätzliche Entzündung entsteht, also ein work in progress, ein immer weiter erforderliches Auf-der-Hut-sein-Müssen, es wird einen neuen Faden brauchen, eine neue Arbeitsnaht, die wiederum (vermutlich) nur für eine Zeitspanne hält, Ent-Spannung unmöglich macht.

Aber wer weiß? Die Zeit ist ein wandelbares Ding, und Vergessen als Heilung liegt manchmal vielleicht näher als man denkt - nicht in Utopia. Mein Sohn erlitt einst eine schlimme Verbrennung am Arm. Sie haben neue Haut drauf gepflanzt. Wahnsinnstechnik! Man sieht nichts! Wir werden wohl nie vergessen, aber der Arm ist heil, und es ist gut, dass wir nicht vergessen, weil wir nun (hoffentlich) achtsamer sind mit Hitzeflüssigkeit in der Nähe von Kinderhaut.

lieber Gruß
klara

Gerda

Beitragvon Gerda » 07.11.2011, 20:56

Liebe Klara,
das ist eine Rückmeldung! Dankeschön, für deine Interpretation und Schilderung. Daran erkenne ich, dass meine Intention bei dir ankommt
Es war eine Kunstinstallation, die mich zu diesem stark reduzierten Text (auch in der ersten Fassung schon) inspiriert hat.
Ich bin gedanklich noch einmal an diesen Ausgangspunkt gewandert und jetzt komme ich im Moment nicht weiter und nicht los davon. Wer weiß, wozu das gut ist.

Liebe Grüße
es hat mich gefreut dich hier zu lesen.
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 09.11.2011, 13:21

Ich grüble immer mal wieder....
Derzeit könnte ich mir vielleicht am ehesten noch eine etwas andere Setzung vorstellen.


Kante an Kante
Für eine Zeitspanne halten
die Fäden den Riss zusammen

Vergessen - um das es nicht geht
gelingt nicht (alternativ: kann nicht gelingen)


Liebe Grüße
GErda


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