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herbstlied

Verfasst: 29.10.2011, 21:03
von allerleirauh
die horizonte legen sich
wie scherenschnitte auf die wälder.
und in die wolken wächst ein nebelpergament.

sommermüde hakenschnäbel
werden auf den kahlen feldern steinern,
als habe einer sie, ganz sanft, vom himmel abgetrennt.

tönern sammeln sich die nüsse
im lederlauben raschelbraun.

die klare, kühle abendluft – ein duft, der brennt.

bittersüße tintenbeeren
bergen silbergrau die ahnung
von dunkelheit und eis;
kälte, einer zeit,
die neue worte sucht -
und kennt.

Verfasst: 30.10.2011, 08:12
von Niko
hallo allerlei,

ein sehr stimmungsvolles gedicht mit teilweise wundervollen bildern.
die setzung behagt mir persönlich nicht. zentriert war noch nie mein ding. aber nu.
ein zusätzliches highlight ist für mich ganz persönlich, dass mein name in strofe 2 eingedichtet wurde. :cool:

liebe grüße: niko

Verfasst: 30.10.2011, 09:16
von Gerda
Liebe Allerleirauh,

die ersten beiden Strophen haben den Rhythmus und die Melodie, wie man sie bei Rilke findet.
Ich möchte in diesem Rhythmus und dieser Meldodie bleiben, weiter"singen", was aber duch den Einschub
die klare, kühle abendluft – ein duft, der brennt
für mich, stark störend unterbrochen wird. Ich spüre da etwas Fremdes, mir nicht recht Passendes, als sollte ein Reim erzwungen werden, der m. E. gar nicht nötig wäre.
Du magst vielleicht sagen, dass der Bruch gewollt ist. Dann sollte er aber meines Erachtens anders herbeigeführt werden und nicht auf Kosten de "Komposition" gehen.
Ja, und bei Strophe drei will in unwillkürlich umstellen, dass der Bogen von Strophe 1 und 2 sich fortsetze.

Von den beiden ersten Strophen bin ich begeistert.

Liebe Grüße
Gerda

Verfasst: 30.10.2011, 12:45
von Mucki
Hallo Annett,

die Bilder, die du hier malst, gefallen mir sehr. Sie wirken ruhig und versöhnlich auf mich. Schön ist das!
Die Melodie höre ich beim Lautlesen allerdings auch nur bis zum "raschelbraun". Warum hast du danach eine Zäsur gemacht, frage ich mich. Es hat bestimmt einen Grund. ;-)
Sehr gern gelesen!

Saludos
Gabriella

Verfasst: 31.10.2011, 10:58
von leonie
Liebe a.,

ich finde viele der Bilder ausgesprochen schön und stark. Die ersten beiden Strophen sind wunderbar.

Aber "lederlaubes raschelbraun" ist mir dann, ehrlich gesagt, des Guten zuviel.

Mir geht es auch so, dass mir ab dort die Melodie des Anfangs verloren geht. Das finde ich sehr schade, denn ich glaube, diesem Gedicht würde sie bis zum Ende stehen, ohne dass dadurch etwas Einlullendes oder gar Kitschiges entstünde.


Liebe Grüße

leonie