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September

Verfasst: 14.09.2011, 09:05
von Amanita
September

Der Tag braucht lange
bis er sich erinnert
und halbe Sommer leuchtet

Im Blattwerk Rost und Pergament
an schwere Blütenköpfe stoßen
weite Schatten

Das Barfußgehen ist vorbei
Für Teppiche aus Pilz mit Trichterlingen
hol ich die Herbstschuhe

Verfasst: 14.09.2011, 17:05
von Niko
die dritte strofe fällt für mich ganz deutlich ab, amanita. aber der rest - toll! der satz "der tag leuchtet halbe sommer" find ich genial! und auch die zweite strofe finde ich vorzüglich und für mich sehr bildhaft!

liebe grüße: niko

Verfasst: 14.09.2011, 18:12
von Amanita
Lach, Niko, mit "der Dritten" wollte ich zurück in den schnöden Alltag (und ja nicht zuviel Melancholie aufkommen lassen).

Könnte man denn auch ganz ohne die/ eine dritte Strophe auskommen??? - frag ich mal ins Plenum :neutral:

Verfasst: 17.09.2011, 22:09
von Amanita
Schaaaade, dass sich keiner meldet. :spin2:

Verfasst: 17.09.2011, 23:18
von Eule
Du kannst aber auch ungeduldig sein ... das Gedicht macht es mir nicht leicht. In der ersten Strophe soll ich um die Ecke denken und die zweite liest sich wie ein Trichter, in dem die Zeilen immer kurzatmiger werden. Lediglich Strophe drei bietet offen zugängliche und humorvolle Bilder, also bitte bloß nicht weglassen ! Das Gedicht wirkt auf mich sehr uneinheitlich, Strophe 1 + 2 würde ich deshalb überarbeiten. Viele Grüße !

Verfasst: 17.09.2011, 23:25
von Amanita
Ungeduldig muss man manchmal wohl sein :daumen: - danke, Eule. Ist ganz was anderes als von Deinem Vorredner, aber interessant. Ja, uneinheitlich, stimmt, wie der Spätsommer. Der Sommer flackert und flackert, und irgendwann, wusch, ist eindeutig Schluss.

Verfasst: 18.09.2011, 09:19
von Jelena
Amanita hat geschrieben:September

Der Tag braucht lange
bis er sich erinnert
und halbe Sommer leuchtet

Im Blattwerk Rost und Pergament
an schwere Blütenköpfe stoßen
weite Schatten

Das Barfußgehen ist vorbei
Für Teppiche aus Pilz
hol ich die Herbstschuhe


Schönen Sonntagmorgen,

die ersten beiden Strophen sind schön. Der erste Vers der letzten könnte allein als Abschluss stehen bleiben, finde ich:


Der Tag braucht lange
bis er sich erinnert
und halbe Sommer leuchtet

Im Blattwerk Rost und Pergament
an schwere Blütenköpfe stoßen
weite Schatten

Das Barfußgehen ist vorbei


Die Teppiche aus Pilz wirken im Zusammenhang mit den Herbstschuhe bei mir so, als hätte ich etwas über Filzhausschuhe gelesen. Deshalb sind diese Verse so unfreiwillig komisch. Ich würde die Eingangsstimmung nicht verlassen. Du hast mMn mit einfachen Worten die Herbststimmung neu eingefangen. Das Einfache zu erneuern ist schwer genug, da braucht es keine Pointe, die alles verstört.

LG, Jelena.

Verfasst: 18.09.2011, 09:55
von Gerda
Mir geht es ähnlich, wie Jelena.
Die beiden ersten Strophen finde ich gelungen, besonders das Blattwerk, das nun Rost und Pergament "produziert", erzeugt ein noch nicht gelesenes treffendes Bild.
Die letzten zwei Verse indes gehen nicht auf.
Ich musste unfreiwillig an "Fußpilz" denken.
Das hängt wohl auch mit der Setzung des Singulars zusammen, die hier auch schlicht kein stimmiges Bild erzeugen kann.


Liebe Grüße
Gerda

Verfasst: 18.09.2011, 11:20
von noel
Amanita hat geschrieben:September

Der Tag braucht lange
bis er sich erinnert
und halbe Sommer leuchtet

Im Blattwerk Rost und Pergament
an schwere Blütenköpfe stoßen
weite Schatten

Das Barfußgehen ist vorbei
Für Teppiche aus Pilz
hol ich die Herbstschuhe



ich mag es auch mit den schuhen.
warum(?)
weil dieses ernüchternde schuhwerk
zu ernüchterung des nahenden herbstes passt

Verfasst: 18.09.2011, 15:21
von Mucki
Hi Amanita,

ich schließe mich Jelena an und würde auch die letzten beiden Zeilen streichen und mit "Das Barfußgehen ist vorbei" schließen. Es hinterlässt eine melancholische Note, die hier ja sehr gut passt.

Saludos
Gabriella

Verfasst: 18.09.2011, 22:10
von Amanita
Hallo Ihr Lieben!

Danke für Euer Engagement.

Gedacht war der Text genau so, wie noel es dankenswerterweise formuliert hat. Aber das scheint die Mehrheit anders zu empfinden (auch dafür - für die diesbezüglichen Äußerungen - vielen Dank!). Ich bin noch unschlüssig. Gerdas Assoziation mit dem Fußpilz ist für mich etwas zu weit hergeholt, andererseits kann ich mit Jelenas/ Gabriellas Version gut leben.

Verfasst: 19.09.2011, 08:40
von Ylvi
Hallo Amanita,

ich mag die Herbstschuhe und finde die Strophe wichtig, um das ganze etwas zu erden. Allerdings hatte ich auch die Fußpilzassoziation. :o) Müssen es denn unbedingt Pilze sein? Das passt für mich auch nicht wirklich zum Teppich, oder zum darüberlaufen. Auf Pilze tritt man ja normalerweise auch nicht mit Schuhen? Teppiche aus Bucheckern?

Liebe Grüße
Flora

Verfasst: 19.09.2011, 09:38
von Amanita
Danke, Flora, ja: Erden. So wollte ichs.

Pilze müssen sein - der Herbst riecht (in der Natur) doch so typisch-verpilzt. Ich könnte mir aber vorstellen, ein anderes Wort zu nehmen (welches, weiß ich auf die Schnelle noch nicht - vielleicht einen bestimmten Pilz?). - Oder vielleicht so:

Das Barfußgehen ist vorbei -
für Teppiche aus Pilzgeflecht
hol ich die Herbstschuhe.

Verfasst: 19.09.2011, 11:15
von Gerda
Hallo Amanita,

rein botanisch geht auch das nicht, da sich das Pilzgeflecht ja unterirdisch (Myyzel) befindet.
Für mich hat die letzte Strophe nun mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen.
Außerdem, es wurde weiter oben schon erwähnt, wird man doch eher vermeiden über die Pilze (es ist ja nur der Fruchtkörper, den wir sehen), zu laufen.
Wenn du die Pilze im Text behalten möchtest, könntest du ja auch von der Suche nach Pilzen schreiben, für die es festen Schuhwerks bedarf.

Liebe Grüße
Gerda