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skizzenbuch
Verfasst: 10.09.2011, 15:35
von Amanita
skizzenbuch
im liniendickicht
mondlieder schreiben
die sandpapierwege entlang
zu den nachtgewässern
aus kohlestaub
2. Version:
skizzenbuch
durchs liniendickicht
scheint der Mond
die sandpapierwege entlang
zu den nachtgewässern
aus kohlestaub
3. Version:
im skizzenbuch
durchs liniendickicht
scheint der Mond
meine spuren entlang
über nachtgewässer
aus kohlestaub
Verfasst: 10.09.2011, 20:17
von Max
Hallo Amanita,
der Text hinterlässt mich zwiegespalten.
Zum einen mag ich deine kreative Art, hier mit Sprache umzugehen. Zum anderen aber führt die geballte ladung an Neologismen dazu, dass das Gedicht für entweder unverständlich oder belibig wird.
So mag ich das "liniendickicht", weil ich mit ihm Erinnerungen an eigene Aufzeichnungen (die ich aber vermutlich im Gegensatz zu Dir meist schon nch kurzer Zeit nicht mehr lesen kann - ein echtes Dickicht somit) verbinde.
Was "Mondlieder" sind, weiß ich aber nicht, es sei denn, es sind Lieder an den Mond, die ich meist zweifelnd beäuge. Mit "sandpapierwege"geht es mir ähnlich. Was sie sind und was sie im "skizzeenbuch" machen, weiß ich nicht.
Dafür mag ich das letzte Bild wiederum sehr. Es ist anscheinend nicht leicht mir mir.
Liebe Grüße
Max
Verfasst: 10.09.2011, 20:50
von Amanita
Erstmal vielen Dank, Max.
Ich hab' einfach versucht, die Art meines Arbeitens zur Grundlage zu nehmen - beispielsweise ist Schmirgelpapier ein Gestaltungsmittel bei mir -, und zwar unter Berücksichtigung von Lisas Kritik (sie meinte ja, dass bei mir immer Farben vorkommen - was natürlich nicht neu für mich war - und dass das nicht immer sein muss). Hab mir die Aufgabe gestellt, was über künstlerische Arbeit zu schreiben völlig ohne rot-gelb-blau-schwarz-weiß.
Verfasst: 10.09.2011, 23:03
von Mucki
Hi Amanita,
das "liniendickicht" hab ich gleich vor Augen gehabt im Zusammenhang mit dem Titel "skizzenbuch".
Auch den anderen Zeilen kann ich gut folgen.
Nur mit "mondlieder schreiben" kann ich nichts anfangen. Da entsteht für mich kein Bild vor Augen, sprich, ich verstehe nicht, was du damit meinen könntest.
Saludos
Gabriella
Verfasst: 10.09.2011, 23:21
von Amanita
Versuch einer Änderung:
skizzenbuch
durchs liniendickicht
scheint der Mond
die sandpapierwege entlang
zu den nachtgewässern
aus kohlestaub
Verfasst: 11.09.2011, 00:02
von Mucki
Jou, so wird für mich ein Schuh draus, ist viel stimmiger.

Verfasst: 11.09.2011, 10:41
von Ylvi
Hallo Amanita,
mir sind die Komposita hier einfach zu viel, sie erschlagen den Text für mich.
Die Idee, den Mond dann einfach scheinen zu lassen, ist mir aber zu phantasielos, das passt für mich nicht zum "kreativen" Gedanken.
Mich irritiert aber vor allem auch das "schreiben" in Bezug zum "sandpapier" und dem "kohlestaub", als würden hier drei Künste einfach in einen Topf geworfen. Das könnte in einem Skizzenbuch als drei unterschiedliche und mögliche Ansätze etwas einzufangen natürlich stimmig sein. Aber dafür gehen sie mir zu sehr ineinander über, werden zu abschließend beschrieben, als wären sie schon "vorhanden" und nicht Teil der Suche nach einer Ausdrucksform. Schon fertig, nicht mehr Skizze.
Ich würde versuchen das entweder mehr aufzubrechen, oder mehr Linie hineinzubringen. .-)
Als Reibungsfläche:
ins liniendickicht
den mond schreiben
oder die sandpapierwege entlang
zu den gewässern
vielleicht aus kohlestaub
Liebe Grüße
Flora
Verfasst: 11.09.2011, 10:47
von Amanita
Danke, Gabriella. Ich neige jetzt dazu, den Titel auch noch geringfügig zu ändern, in: im skizzenbuch.
(Würde allerdings gern auch noch andere Meinungen/ Vorschläge/ Anregungen/ Ansätze lesen mögen).
Hui ja, und da kommt prompt was von Flora. Nein, "den Mond schreiben" wäre nicht in meinem Sinne - der scheint als weiß(gelassen)e Papierfläche auf einer dunkel gezeichneten. Die "Mondlieder" wären ein Hinweis darauf gewesen. Den Mond schreiben - das geht im Liniendickicht nicht!
Das "oder" gefällt mir ehrlich gesagt auch nicht.
Aber vielen Dank für die Vorschläge! Sie waren ja gewünscht, siehe oben!
Verfasst: 11.09.2011, 11:16
von ferdi
Hallo Amanita,
dieses Gedicht ächzt unter der Last der unglaublich schweren und bewegungslosen "Blöcke", scheint mir. Dazu trägt auch die Art bei, wie du eine Zeile nach der anderen aus Präposition (im, entlang, zu, aus) und Zusammensetzung bildest.
Im Gleichgewicht wäre der Text für mich, wenn er nach "schreiben" abbräche. Wenn du wirklich alles drin lassen willst, ist es vielleicht sinnvoll, einige der Zusammensetzungen aufzulösen? Das würde ja auch der Bedeutungs-Überfülle Grenzen setzen - sind "Mondlieder" Lieder an den Mond? Für ihn? Geschrieben in seinem Beisein? Auf eine Art, auf die der Mond Lieder schriebe? Lieder, die den Mond zum Inhalt haben; die Eigenschaften haben, die auch der Mond hat; die der Mond tatsächlich geschrieben hat?
Ferdigruß!
Verfasst: 11.09.2011, 11:45
von Amanita
Danke, ferdi.
Ächzen soll er nicht*, der Text, blockig darf er sein. Ich zeichne immer so, dass das Papier kaputtgeht.
*kann er vielleicht doch
Verfasst: 11.09.2011, 14:20
von Ylvi
Hallo Amanita,
Hui ja, und da kommt prompt was von Flora. Nein, "den Mond schreiben" wäre nicht in meinem Sinne - der scheint als weiß(gelassen)e Papierfläche auf einer dunkel gezeichneten. Die "Mondlieder" wären ein Hinweis darauf gewesen.
Von "Mondlieder schreiben" wäre ich nicht aufs Zeichnen oder eine weiß(gelassene)Fläche gekommen.
Und nochmal für mich zum Verständnis, ich kenne mich da nicht aus. Wurde das Skizzen(Zeichen)buch denn mit Schmirgelpapier bearbeitet??? Wenn es sich alles auf eine Kohlezeichnung bezieht, hätte ich eher "Radierwege" erwartet?
Liebe Grüße
Flora
Verfasst: 11.09.2011, 18:35
von Amanita
Es bezieht sich nur auf
mein Arbeiten (nicht auf
die typische Kohlezeichnung).
Ich schmirgele in allem herum

Verfasst: 11.09.2011, 18:37
von Oldy
Amanita hat geschrieben:Es bezieht sich nur auf
mein Arbeiten (nicht auf
die typische Kohlezeichnung).
Ich schmirgele in allem herum

Das ist eine interessante Technik, die mir neu ist.
Aber wer von den Lesern weiß das schon? Daher funktioniert das in deinem Werk so nicht.
lg
Uwe
Verfasst: 11.09.2011, 18:42
von Amanita
Ach, Oldy, das muss man auch gar nicht wissen. Skizzen "dürfen" alles - allein das ist mir wichtig.
Denn ich selbst habe gar keine Skizzenbücher. Das "Ding an sich" finde ich aber toll - weil es die Fülle aller Möglichkeiten bedeutet.