Hallo Zusammen,
habt herzlichen Dank für eure Kommentare, für Zu- und Widerspruch!
Ferdi,
ich hoffe auch, dass das Gedicht "funktioniert" selbst wenn man die Geschichte um Gideon und die 300 Männer nicht genau kennt. Erforderlich ist wohl eher eine Ahnung, wo man es historisch und auch religionsgeschichtlich einzuordnen hat. Z.B. dass es mit den 300 Spartannern nichts zu tun hat (auch wenn die spätestens seit der Verfilmung des Comics wesentlich bekannter sind
.gif)
) .
Die sprachliche Ähnlichkeit der letzten Strophe zu den vorhergehenden ist mir sehr wichtig. Hier wird zwar eine gewisse Abkehr gezeigt, aber eben auch Verbundenheit. Z.B., in dem, was man als kulturelles oder auch religiöses Erbe bezeichnen kann.
"In einem Wort" steht hier für das Konkrete, Greifbare, Unmittelbare, das Gideon in seinem Gottesverhältnis erfahren hat. Etwas, das dem LYrI unmöglich erscheint.
Amanita,
dass deine Erwartungen enttäuscht würde, tut mir zwar leid, aber ist irgendwie nicht zu ändern. Ich bin selbst auch von den meisten Dingen, die ich lese enttäuscht (interessanter Aspekt dabei: Je mehr man liest, desto öfter wiederholt sich die Enttäuschung und immer mehr kehrt man zu den Dingen zurück, die man ohne Enttäuschung, ja mit großem Gewinn gelesen hat).
Wobei es sehr spannend wäre zu erfahren, mit welcher Wendung du gerechnet hättest. Für mich ist die letzte Doppelzeile weniger Essenz des Vorangegangenen, sondern eine Gegendarstellung, die aber seine Verbundenheit mit dem Abgelehnten nicht verleugnet.
Das "denke ich" und auch "dachte er" ist mir insofern wichtig, als dass es die Subjektivität unterstreicht. Als umganssprachlich empfinde ich es nicht.
Max,
ja, die zeitliche Dimension spielt eine große Rolle (nah und fern, was im doppelten, also auch im zeitlichen Sinn verstanden werden kann).
Dass du der Bewegung der letzten Zeilen gut folgen kannst, freut mich. Eine Relativierung findet betimmt statt. Wie bei allem, was wir als uns aus der Vergangenheit zugetragen empfinden, aber dennoch spüren, dass es auch ein Teil von uns selbst ist.
Darf man über Gott denken? Meiner Meinung nach sollte man sogar. Unabhängig, zu welchen Schlussfolgerung man kommt. Ebenso, wie man die Nichtexistenz Gottes denken sollte.
Leonie,
du hast Recht, wenn du du sagts, dass Gideon wohl nicht dachte, Gott sei buchstäblich der Tau oder die trockene Faser. Genausowenig ist sein Gedanke:"wenn es einen Gott gibt" wörtlich, also im Sinne eines Zweifels an der Existenz Gottes zu verstehen. Ich habe mir hier ein wenig poetische Freiheit erlaubt, die allerdings meinen Kerngedanken stützt, nämlich den der Unmittelbarkeit. Und diese wird durch die letzten beiden Zeilen aufgehoben. Es ist weniger ein Fazit, sondern eine Gegenposition. Das LyrI steht für ein Heute, in dem eine solche Unmittelbarkeit nicht mehr möglich ist.
Klara,
diese Wenn-Dann-Spiele habe ich auch schon betrieben (am bekanntesten ist wohl das Blütenblätterzupfen). Ausgangspunkt ist ja dabei immer die instinktive Annahme einer alles umfassenden Ordnung und einem darüber wachenden Ordner. Gerade dort, wo wir keinerlei Einfluss auf die Geschehnisse haben, bricht der Wunsch durch, sich an den (oder an ein Etwas) zu wenden, der alles im Griff hat und den Lauf der Dinge überwacht, bestimmt oder wenigstens Bescheid weiß.
Die Frage wo Gott wohnt ist wahrscheinlich nur genauso individuell zu beantworten, wie die Frage, ob er überhaupt exisitert. "Wohnen" ist meinem Gedicht allerdings im übertragenen Sinn gemeint. Nach dem Motto: Wenn ich wüsste wo Gott wohnt, dann könnte ich ihn dort besuchen. Oder wenigstens anrufen.
Aber er wohnt nicht in einem Wort. Nicht in dem, das wir sprechen, und auch nicht in dem, was wir als vermeintliche Antwort zu erhalten meinen.
pjesma,
schön, dass du nicht enttäuscht bist (über die letzten zwei Zeilen). Ja, das Schweigen Gottes. Die einen sagen, er schweigt, weil es ihn nicht gibt. Und die anderen sagen, er schweigt, weil ihm sowieso keiner mehr zuhört und er sich deswegen einer Sprache bedient, die nur noch die Eingeweihten zu verstehen im Stande sind. Jeder findet genügend Gründe für seine eigene Meinung, ob er nun auf der Huhn- oder Eiseite steht.
.gif)
Nochmals vielen Dank euch allen!
Gruß
Sam