Bogengang

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Eule
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Beitragvon Eule » 03.08.2011, 22:28

Bogengang (2.Fassung)


Dünner fließen die Mittage
übers Zifferblatt der Wimpern

das Nervennetz der
Erinnerung

- ein wenig noch -

steht auf den Papieren
bis zu den Niederungen

Ein wenig noch fallen
Nächte ins All.




Bogengang (1.Fassung)


Dünner fließt der
Mittag übers

Ziffernblatt der
Wimpern

Nervennetz der
Erinnerung

- ein wenig noch -

steht auf den Papieren
bis zu den Niederungen

Ein wenig noch
fallen Nächte
ins All
Zuletzt geändert von Eule am 21.08.2011, 17:34, insgesamt 3-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.

Gerda

Beitragvon Gerda » 19.08.2011, 11:46

Hallo Eule,

dieser Text scheint mir aus der Zeit zu fallen, so wie die Nächte ins All.
Er erinnert mich an Texte von Nelly Sachs, nimmt mich gefangen und ich kann nicht begründen weshalb. Die einzelnen Bilder wirken ... lassen mich in einer eigenartigen, nachdenklichen Stimmung zurück.
Die Setzung lässt mich (wieder) fragen: Unterstützt sie die Textaussage?
Ein "n" möchte ich dir fürs Ziffernblatt schenken.

Liebe Grüße
Gerda

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Eule
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Beitragvon Eule » 19.08.2011, 13:37

Hallo Gerda, danke für Deinen freundlichen Kommentar, den Buchstaben habe ich gleich verwendet. :-)

Ja, eine gewisse stilistische Ähnlichkeit ist wohl vorhanden (jetzt wo Du´s ansprichst, fallen mir auch eine ähnliche Formulierung bei P. Celan und ein Buchtitel von Jörg Steiner dazu ein), freut mich, dass der Text trotzdem wirkt. Als Autor versuche ich natürlich, Inhalt und Form möglichst passend und wirksam zusammenzufügen.

Für Gedanken dazu oder Alternativen bin ich meistens aufgeschlossen und dankbar. ;-)
Ein Klang zum Sprachspiel.

Gerda

Beitragvon Gerda » 20.08.2011, 22:36

Hallo Eule,

Eule hat geschrieben:Als Autor versuche ich natürlich, Inhalt und Form möglichst passend und wirksam zusammenzufügen.
Für Gedanken dazu oder Alternativen bin ich meistens aufgeschlossen und dankbar. ;-)

Mein Frage bezüglich der Setzung war eingentlich nur ein zu lauter Gedanke. ;-)

Ich habe für mich ein wenig herumprobiert u. a. um möglichst das "der" nicht dreimal im relativen kurzen Text zu haben. Es klingt ein wenig hart, besonders jeweils am Zeilenende. Mir ist aber bisher keine Version eingefallen, die bei anderer Setzung und Verzicht auf mind. ein "der" den Ursprungstext bewahrte.

Liebe Grüße
Gerda

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 20.08.2011, 22:41

Wirklich? Ziffernblatt? Ich kannte das bisher nur als Zifferblatt ohne n.

Oldy

Beitragvon Oldy » 20.08.2011, 22:46

Amanita hat geschrieben:Wirklich? Ziffernblatt? Ich kannte das bisher nur als Zifferblatt ohne n.

Recht hast. Konrad sieht das auch so.
http://www.duden.de/suchen/dudenonline/zifferblatt

lg
Uwe

Gerda

Beitragvon Gerda » 20.08.2011, 22:51

Amanita hat geschrieben:Wirklich? Ziffernblatt? Ich kannte das bisher nur als Zifferblatt ohne n.

Möglich ist vielleicht beides? Ich kannte nur Ziffernblatt und bin jetzt ganz überrascht ...
http://uhrforum.de/warum-zifferblatt-ni ... att-t21486
Vllt. ist das Fugen "n" auch überholt.

Oldy

Beitragvon Oldy » 20.08.2011, 22:58

Ich halte mich hier einfach an den Duden und kannte es bislang auch nur ohne "n".
Und ist uhrforum.de nun wirklich maßgebend für die Rechtschreibung?

fragt sich
Uwe

Gerda

Beitragvon Gerda » 20.08.2011, 23:11

Hallo Uwe,

ich wollte mit diesem Beispiel nur zeigen, dass sich noch mehr Menschen fragen, was nun richtig ist.
Ich finde deine Frage etwas seltsam. Du kannst gern dem Duden folgen.
Bekanntlich sind mit der Rechtschreibreform auch Fugenlaute weggefallen.
Es ist aber so wichtig auch wieder nicht für das Gedicht.

Gute Nacht
Gerda

Max

Beitragvon Max » 20.08.2011, 23:34

Hallo Eule,

das finde ich einen sehr schöne verdichteten Text. Die Bilder sind unverbraucht.
Die Nähe Nelly Sechs find eich auch auffällig, Celan ist vielleicht noch ein wenig hermetischer.

Liebe Grüße
Max

Oldy

Beitragvon Oldy » 21.08.2011, 00:50

Es ist aber so wichtig auch wieder nicht für das Gedicht.

Da gebe ich dir recht, aber warum erwähnst du es dann?
Ich kann mit beiden Schreibweisen leben, sei die nicht "Dudenkonforme" der künstlerischen Freiheit geschuldet.

lg
Uwe

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 21.08.2011, 12:05

Hallo Eule,
gefällt mir extrem gut, die Bilde wirken sehr konkret, real, vielschichtig; die Kombination Zeit/Uhr/Gesicht finde ich sehr stimmig umgesetzt. Den letzten Teil "fallen Nächte ins All" mag ich allerdings gar nicht, das wirkt auf mich abstrakt und gezwungen verlyrikt - außerdem sehe ich den Kontext nicht in den mittäglichen Bildern angelegt (höchstens, wie gesagt abstrakt als Gegenpol). Vielleicht fände sich da noch ein konkreteres Bild als 'All'?
Grüße
Franz

Niko

Beitragvon Niko » 21.08.2011, 14:29

hallo eule,

inhaltlich finde ich deinen text grandios, wobei mir die ins all fallenden nächte auch ein wenig probleme machen, weil sie mir zu wenig sagen. grundsätzlich habe ich mit deinen zeilenbrüchen ein problem. es ist für mich mühselig, die zusammenhänge zu erlesen. mir würde solch eine setzung eher behagen:

Bogengang


Dünner fließt
derMittag übers Ziffernblatt
der Wimpern Nervennetz
der Erinnerung

- ein wenig noch -

steht auf den Papieren
bis zu den Niederungen

Ein wenig noch
fallen Nächte
ins All

ich würde gerne von dir wissen, warum du die zeilenbrüche so machst, wie du sie machst.

liebe grüße: niko

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Eule
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Beitragvon Eule » 21.08.2011, 17:17

Danke für Eure Kommentare ! In meinem "alten" Duden von 2009 (!, 24.Aufl.) steht als Hauptschreibweise auch noch die von Gerda empfohlene. Da Zifferblatt/der Wimpern eine unnötige Konsonantenwiederholung vermeidet und sich dadurch klingender liest, habe ichs wieder auf die Anfangsschreibart umgestellt.

@ Gerda: Deinen Hinweis zum sich wiederholenden "der" fand ich sehr gut und habe dies auch sogleich im Text umgesetzt.

@ Max: danke für die lobenden Worte.

@ Franz, Niko: Die "All"-Metapher am Ende ist mir zu wichtig um sie zu verändern. Zu den "fließenden" Umbrüchen habe ich schon einmal geschrieben, dass sie für mich mehr Dynamik in einen Text bringen. Vielleicht kann ich dies einmal an einem anderen Text von mir noch einmal genauer (Zeile für Zeile) beschreiben.
Ein Klang zum Sprachspiel.


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