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vielleicht ein aphorismus
Verfasst: 30.07.2011, 08:35
von Niko
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im schatten lernt das licht bescheidenheit
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Verfasst: 30.07.2011, 12:02
von Gerda
Lieber Niko,
"Wo viel Schatten, da viel Licht", titelt ein Sprichwort.
ein anderes: "Ohne Licht kein Schatten".
oder " ... die im Schatten sieht man nicht" (Dreigroschenoper)
usw. usf.
Dein Aperçu klingt interessant und im ersten Moment auch schlüssig. Nach mehrmaligem Lesen indes und ein wenig Nachdenken, tauchen jedoch grundlegende Fragen auf:
Ist es denn nicht so, dass, das Licht den Schatten gebiert?
Gelingt eine Umkehrung der Verhältnisse, so wie du sie beschrieben hast?
Kann der Schatten "Lehrmeister" sein?
Oder - lese ich den Text losgelöst von den physikalischen Abläufen als Metapher?
So eindeutig wie im ersten Moment des Lesens ... hm. Jein
.gif)
Ich bin gespannt auf deine und weitere Meinung/en.
Liebe Grüße
Gerda
Verfasst: 30.07.2011, 12:33
von Mucki
Hallo Niko,
da das Licht kein Lebewesen ist, kann es m.E. auch keine Bescheidenheit lernen.
Stünde da z.B.:
im schatten lernt die lichtgestalt bescheidenheit
sähe es schon anders aus.
Saludos
Gabriella
Verfasst: 30.07.2011, 12:57
von Gerda
Hallo Gabi,
Gabriella hat geschrieben:da das Licht kein Lebewesen ist, kann es m.E. auch keine Bescheidenheit lernen.
Stünde da z.B.:
im schatten lernt die lichtgestalt bescheidenheit
sähe es schon anders aus.
... und das hier?
"Sei wie das Veillchen im Moose,
sittsam bescheiden und rein
und nicht wie die stolz Rose,
die immer bewundert will sein".
In diesem alten Spruch wird dem Veilchen Bescheidenheit als Eigenschaft zugesprochen.
(Es gibt unzählige Beispiele, aber dieses fiel mir als erstes ein)
Warum kann dann nicht auch das Licht Bescheidenheit lernen?
Ich meine die Frage ernst. Wo ist der Unterschied?
Die Projektion erfolgt durch den Menschen und in der Übertragung funktioniert sie doch.
Liebe Grüße
Gerda
Verfasst: 30.07.2011, 13:07
von Mucki
Hallo Gerda,
in der Übertragung funktioniert es, ja. Doch ich habe einen Aphorismus immer so verstanden, dass er eine Art Weisheit darstellen soll. Und das heißt für mich, dass da keine Metapher enthalten sein sollte, sondern eine Wahrheit, die man zu einem Sinnspruch formuliert, hm?
Saludos
Gabriella
Verfasst: 30.07.2011, 13:26
von Niko
"der krug geht solange zum brunnen bis er bricht" - auch das ist, ein sinnspruch, ein aphorismus, der sich einer metapher bedient, oder?
ich finde eure diskussion ganz interessant. natürlich macht licht schatten. der satz funktioniert natürlich nur in übertragung.
nun warte ich aber erstmal auf weitere meinungen.
liebe grüße: niko
Verfasst: 30.07.2011, 21:37
von Herby
Lieber Niko,
die Frage der Projektion stellt sich mir zwar nicht, es geht mir aber ähnlich wie Gerda. Auf den ersten Blick sehr eingängig, doch dann... Ich kann noch nicht artikulieren, was genau an deinem Satz für mich dem A. entgegensteht, es hängt irgendwie mit dem zusammen, was Gerda formuliert:
Gerda hat geschrieben:Ist es denn nicht so, dass, das Licht den Schatten gebiert?
Andererseits Frage an Gerda, du schreibst:
Gerda hat geschrieben:Gelingt eine Umkehrung der Verhältnisse, so wie du sie beschrieben hast?
Ist das denn eine notwendige Voraussetzung für einen A.?
Liebe Grüße,
Herby
Verfasst: 30.07.2011, 22:08
von ferdi
Hallo!
Also für mich geht's auf... Aber da ist, andererseits, durchaus auch ein Gefühl von Falschsein.
Mag sein, es liegt daran: Ein sehr stark aufeinander bezogenes Gegensatzpaar - Licht und Schatten - bildet den Stoff, aber nur der eine Bestandteil wird "vermenschlicht", kann handeln und lernen; der andere bleibt als Ortsangabe "Gegenstand".
Man könnte ja zu Vergleichszwecken den Eindruck "Gegenstand" abschwächen:
Vom Schatten lernt das Licht Bescheidenheit.Jetzt mal von möglichen (wahrscheinlichen) Bedeutungsverschiebungen abgesehen - wie fühlt sich das an?
Ferdigruß!
PS - Gerda: die im Dunkeln sieht man nicht .gif)
Verfasst: 30.07.2011, 22:57
von Gerda
Hallo in die Runde,
Zitat:
"Typischerweise formulieren Aphorismen einen geistreichen, betont subjektiven Gedanken. Beispielsweise enthalten sie ein originelles Werturteil, eine persönliche Erkenntnis oder Lebensweisheit, erheben aber schon durch ihre bevorzugten Sujets (Moral, Philosophie, Psychologie, Ästhetik, Politik, Sprache u. a.) den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Durch ihre Kürze wirken sie auf manche Leser apodiktisch. Demgegenüber steht die häufig (selbst)ironische und paradoxe Form der aphoristischen Aussage. Manche Aphorismen kommen dem spontanen Widerspruch ihrer Rezipienten zuvor, indem sie ihn zum Thema machen (Selbstreferenz)."
Das passt doch auf deinen Satz, Niko. Mich überzeugt er immer mehr.
Liebe Grüße
Gerda
ferdi hat geschrieben:PS - Gerda: die im Dunkeln sieht man nicht .gif)
Ferdi, aber ja! Siehst du, wie ich mir mit der flachen Hand vor die Stirn haue ... .gif)
Verfasst: 30.07.2011, 23:02
von Gerda
Lieber Herby,
Herby hat geschrieben:Gerda hat geschrieben:Gelingt eine Umkehrung der Verhältnisse, so wie du sie beschrieben hast?
Ist das denn eine notwendige Voraussetzung für einen A.?
Ich glaube, das, was mir durch den Kopf ging, trifft eher bei Redensarten zu.
Liebe Grüße
Gerda
Verfasst: 31.07.2011, 10:52
von Oldy
Das wörtliche Lesen führt hier wohl auf die falsche Spur. Das Niko es so nicht gemeint haben kann bzw. gelesen haben will, war mir eigentlich sofort klar.
Bleibt also nur die Lesart im übertragenen Sinne (schon die Überschrift deutet es an).
Ich beziehe es auf den Menschen. Reichtum, Macht, Überheblichkeit (Licht). Wenn dieser Mensch nun "abstürzt", also seines Geldes, seiner Macht verlustig wird und sich notgedrungen zu denen gesellen muss, auf die er bislang in seiner Arroganz und Überheblichkeit hinab gesenen hat (Schatten), lernt er notgedrungen die Bescheidenheit, weil ihm nicht anderes mehr übrig bleibt.
Es ist für mich ein Menschenbild vom tiefen Fall.
Für mich daher ein guter und treffender Aphorismus.
lg
Uwe
Verfasst: 31.07.2011, 10:58
von Eule
Hallo Niko, auch wenn der Spruch mir irgendwie bekannt vorkommt, sinngemäß würde ich ihn als Umschreibung des berühmten "Jedem Ende wohnt ein Anfang inne"-Zitats von H.Hesse verstehen. Herzliche Sonntagsgrüße !
Verfasst: 31.07.2011, 12:01
von Gerda
Inhaltlich habe ich den Aphorismus ganz ähnlich verstanden, wie Uwe es w. o. ausgeführt hat.
LGG
Verfasst: 31.07.2011, 14:05
von Niko
hallo allerseits,
so wie uwe es beschreibt, trifft es genau den kern. ich sehe es nicht wie du ferdi, dass ein teil gegenstand und ein teil vermenschlicht ist. im gegentei: einer macht und einer lässt mit sich machen....bevor der schatten lehrt, muss das licht ja erstmal dahin gelangen...
was den aphorismus angeht, herby, so hat ja gerda eine gute definition eingestellt. und es freut mich, dass für dich, gerda, der text mehr und mehr überzeugt.
natürlich, wenn man dann den kern des textes weiterdenkt, kommt man auch auf das, was eule schreibt. so nach dem motto: wer im abgrund liegt, der kann nur aufsteigen. ob dem neuen erwachsen aus dem schatten dann ein zauber innewohnt, lass ich mal dahingestellt. (ich liebe dieses gedicht von hesse. es zeugt für mich von immenser lebenserfahrung und beinhaltet alles, was das leben ausmacht.... darf ich zitieren? ich finde dieses gedicht unglaublich schön und stark!
Text von der Moderation durch einen Link ersetzt http://www.uni-giessen.de/wolff/dieter/stufen.htmlhach.........
liebe grüße euch allen: niko