Es handelt von tiefer Sehnsucht zu meiner Familie. Wenn Lyrik, dann abstrakt: aber ich muss wohl damit rechnen, nicht verstanden zu werden.
wenn du, tayfun, mit einer sprache umgehst, die in weiten teilen der verlöschenden sprache einer vergangenen zeit, die meinem empfinden nach mehr als 100 jahre zurückliegt, dann scheint es mir verständlich zu sein, dass die meisten leser aufgrund eines neueren baujahres damit wenig anzufangen wissen. ähnlich mag es anderen ergehen, die völlig abstrakte texte lesen, die scheinbar nichts mit dieser zeit zu tun haben und fühlbar nie in irgendeine zukünftige zeit passen. so kann´s gehen!
du schreibst, es sei ein gedicht, das die tiefe sehnsucht zur familie ausdrückt. hm - ich versuche mal, zu verstehen,,,
Das windlose Segel
Welkt und gleitet zur Brust,
ein windloses segel, dass zur brust gleitet. um darin einen sinn sehen zu können, muss die metapher ersteinmal in sich schlüssig sein. das empfinde ich hier nicht. ein segel LÄSST gleiten. aber zur brust? ein windloses segel - ein antriebsloses leben? - das verstehe ich. gefällt mir als bild auch. auch das "welkt" finde ich nicht unpassend. es lässt mir den gedanken zu, dass die lebenszeit verblasst und das leben kraftlos ohne antrieb ist. soweit so gut.
Die letzlichen Stunden
Fleischern zu machen auf ewig.
den sprung der ersten beiden zeilen zu diesen gerade zitierten zeilen finde ich haltlos. vor allem das "fleischern" reißt völlig aus dem bild, das nur mit mühe bis hierhin gemalt werden konnte - von seiten des lesers, von mir. was bitte sind "letztliche stunden"? letzte stunden ok. oder "die letztlich die stunden...."-auch ok. aber letztliche stunden fleischern machen.-ne, tayfun - da kommt dann dem leser nicht zwingend die einstimmung oder ein flüchtiger gedanke an familiensehnsucht auf. eher der gedanke, ob man (ich) sich weiteres lesen noch zumuten möchte. denn es wird sprachlich altertümelnd, gedanklich mehr als uneinheitlich - für mich als leser wohlgemerkt.
Seid ihr in mir, so fühle ich,
Doch seid ihr bei mir,
Dann lebe ich.
die strofe ist dann ein aufatmen! der autor redet in verständlichen worten. aber, tayfun: es ist schon vertändlich, dass ein leser bezugnehmend auf das gerade gelesene "fleischern" bei der folgenden strofe auf einen gestörten mörder, einer der abschlachtet, kommen kann! was meinst du? hätte ich nun aus dem, was dem zuletzt zitierten voranging, eine spur nur an hinweis auf familie, sehnsucht etc bekommen, fiele mir das weiterspinnen eines begonnenen roten fadens deutlich leichter. so kann ich bisher keinen finden und freue mich über diese nahezu glasklare strofe und versuche, hier mal einen roten faden anzuspinnen...
Möge der Wind sanftstreichende Grüße versenden!
klingt so ein bisschen pathetisch wie "möge die macht mit dir sein" - auch diese assoziationen kommen durch eine alternde sprache zustande! nach unterbrechung durch die vorangegangene oasenstrofe also diese zeile. man überliest sie fast. sie bildet eine klitzekleine brücke zwischen segel-strofe und windboten-strofe. einen sinnlichen, sinnhaften bezug aber vermag diese eine zeile auch nicht zu schaffen.
Tief klafft bildfressend ein Schlingmaul;
Der Schatten ist mein.
meine güte, tayfun! du haust hier mächtig auf die sahne!!! tief klaffend / bildfressend / schlingmaul und dann das dramatische "der schatten ist mein". die strofe macht mir lesendem regelrecht angst. und - ach: gerade noch in der oase klarer worte, werde ich hineinestoßen in den höllenschlund schmerzpeiniger dämonischer unzusammenhanglosigkeiten! denn ich kriege nicht die kurve von dieser strofe zurück zu der davor. es ist mindestens 300 x so dunkel als das vorangegangene und stilistisch sturz über die abgrundtiefsten klippen. - einen möglichen bezug zur familiensehnsucht, die ich jetzt gerade als eventuelle möglichkeit in der "seid ihr bei mir" strofe gesponnen habe, sehe ich nicht. der rote faden wird tiefdunkelschwarz und reißt jäh entzwei.
Dies, Bote der Lüfte,
Behalte für dich
Und schiebe die Wolken!
von diesem dämonenhaft dunklen bild reißt du mich wieder raus, ziehst mich in in die lüfte, wo ein imaginärer bote (wer ist bote der lüfte? der windgott? amor? - man weiß es nicht) wolken schieben mag. wäre die luft selbst bote, so wäre das mit schlüssiger. aber dem autor reicht das nicht. er stellt der luft einen boten zur seite. - und der leser wundert sich nicht zum ersten mal. einen bezug zur familie, nach der man sich sehnt? - ich WILL ihn finden. aber ich finde nix!
Nicht sonnlos möcht ich euch,
Denn sonnlos bin ich selbst.
gut: zumindest bildmäßig geht es nahtlos weiter. luft, wolke, sonn(los). aber wo ist hier von familie die rede? es mag sein, dass du das ganz eindeutig so siehst, tayfun. nur: als autor muss ich doch zumindest dem leser wenn schon nicht eine brücke, so doch wenigstens einen knüppelsteg bauen! was für den autor selbstverständlich ist, muss sich dem leser nicht auf grund dieser tatsache automatisch auch erschließen!!!
und mir erschließt sich hier gar nichts. ein wildes spielen mit worten, in denen der autor sich selbst am besten gefällt. - so scheint es mir. nur bringt es wenig mit einem bollwerk aus sprache, die in der heutigen zeit umständlich und zum teil -aus gutem grund - verblichen ist, die leser zu blenden. es täuscht NIE über fehlende inhalte und mangelnde sinnhaftigkeit hinweg.
liebe grüße: niko