blau

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
moonlight

Beitragvon moonlight » 30.06.2011, 17:16

blau


glück hat
eine farbe
kein funkeln
das mich
trägt


blau fordert
lange tage
ein weg
nachhause
geht



arglos treib
ich weiter
bis letzter
vor mir
steht



© Moonlight 2011

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Eule
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Beitragvon Eule » 18.07.2011, 10:32

Hallo moonlight, eigentlich eine gute Idee, dieses Farbgedicht. Man muss es mehrfach lesen, bis man den Inhalt erfaßt. Schön ! :daumen:
Zuletzt geändert von Eule am 21.07.2011, 00:55, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.

Gerda

Beitragvon Gerda » 18.07.2011, 11:31

Hallo Moonlight,

ja, welche Farbe hat das Glück, diese Frage haben sich sicher schon einige Menschen gestellt.
(Nur nebenbei, "Blau" ist meine Farbe für die "Stille")
Arnes Lob kann ich überhaupt nicht folgen. Auch nach mehrmaligem Lesen bleibt mein Eindruck, dass dieser schmale Text (nicht nur optisch) auf den Rreim hin geschrieben wurde, der zudem nicht "rein" ist (trägt, geht, steht)
Wie der Inhalt nun unter dem Titel "blau" zu verstehen ist, würde ich gern ergründen.
Im ersten Vers: Ein Glück, welches zwar eine Farbe hat, aber Lyrich nicht durch Funkeln trägt.
Funkelt Glück? Funkelt Blau? Es ist eine Feststellung, die aus der Betroffenheit des Lyrich zu resultieren scheint, sie impliziert, dass Glück, blau ist, funkeln muss um das Lyrich zu tragen.
Das hat der Leser zunächst einmal hinzunehmen.
Der zweite Vers benötigt hinter: blau fordert lange tage eine Zäsur, um sinnvoll gelesen zu werden, was allerdings ungewöhnlich ist, nach dem Lesen des ersten Verses, der ohne Zäsur auskommt. (Der erste Vers gibt im Zusammenhang gelesen einen vollständigen Satz: glück hat eine farbe kein funkeln das mich trägt)
Was ist damit gemeint, dass blau lange tage fordert? Wenn das Glück blau ist, ist es blau, an kurzen wie an langen Tagen ...??? Meterologisch ist die Feststellung ja wohl nich gemeint.
Im weiteren stolpere ich geradezu über den Passus
ein weg
nachhause
geht

Ich kann mir zwar denken, wie es gemeint sein wird, aber m. E. müsste es heißen, "einen weg der ... ", zumal im letzten Vers, mit dem "letzten weg" Bezug genommen wird.
Weshalb treibt Lyrich zudem noch arglos? Weil Glückes Funkeln fehlt?
Dann der letzte Weg ... nicht gerade ein neuer Gedanke.

Zusammenfassend finde ich, Bruchstücke, die ich inhaltlich zwar irgendwie zusammen bringe, die mir aber allzu beliebig und bekannt sind. Für mich stehen da Worte, die ich verstehe, der Text indes bleibt in seiner Aussage flach, hinter meinen Erwartungen zurück.
Frische Bilder, die ich bei Kommentaren zu anderen deiner Texte hervorhob, suche ich hier vergebens.
Auch verbindende Elemente, die dem Text die notwendige Konsistenz geben könnten, vermisse ich.
Klingt alles zusammen für mich nach Notizen die ein Gedicht ergeben könnten.

Liebe Grüße
Gerda

moonlight

Beitragvon moonlight » 20.07.2011, 18:32

Lieber Arne,
ich freue mich das du mein "Farbgedicht" für dich entdeckt hast.

LG
Moonlight

moonlight

Beitragvon moonlight » 20.07.2011, 18:32

Liebe Gerda,
vielen Dank für deine ausführliche Analyse. Blau war die Farbe meines Vaters.


LG
Moonlight
Zuletzt geändert von moonlight am 21.07.2011, 13:02, insgesamt 1-mal geändert.

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Eule
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Beitragvon Eule » 21.07.2011, 00:54

Hallo moonlight, erst einmal mein Beileid. Es fällt schwer mehr zu schreiben, wenn man nur wenige Texte und Sätze voneinander gelesen hat.

Gefühle und Erinnerungen sind oft schwierig auszudrücken oder anderen Menschen zugänglich zu machen, aber sie können auch stilistisch unkompliziert und direkt lebendig und lyrisch werden

In der 3.ten Strophe holperte ich beim Lesen schon über die Verkürzung "letzter" und grübelte, was damit gemeint sein könnte. Wahrscheinlich ist es aber gerade das Offene, Wortlose dieser Zeile, wie sie da steht. Und, die Struktur des Textes ist sicher nicht zufällig gewählt.

Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

moonlight

Beitragvon moonlight » 21.07.2011, 10:43

Danke dir Arne.

Oldy

Beitragvon Oldy » 21.07.2011, 11:09

Blau war die Farbe meines Vaters.
Er ist an Krebs gestorben.

Es tut mir leid um deinen Vater, aber diese Information ist ein Kommentarkiller.
Wie kommentiert / kritisiert / bewertet man Emotionen?

Daher nicke ich nur und lasse es hier gut sein.

lg
Uwe

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 21.07.2011, 12:15

Von einer Freundin (Germanistin), die meine Texte öfter mal vorgelegt bekommt, bekomme ich hin und wieder "Schelte", dass ein Text zu hermetisch sei, sprich: dass er von subjektiven Voraussetzungen ausgeht, die vom Leser nie entschlüsselt werden können.
Wenn Blau die Farbe Deines Vaters ist, wäre das - diese Aussage - m. E. Stoff für ein eigenes Gedicht, vielleicht mit recht erzählendem Tenor; denn wir sind natürlich gespannt (ich spreche mal für mich + x), warum Blau die Farbe Deines Vaters ist.
Natürlich muss nicht alles erklärt werden. Aber Du hast es nun selbst getan innerhalb Deiner Antwort, daher nehme ich darauf Bezug.

Ein "Farbgedicht" überhaupt liegt mir natürlich auch sehr :daumen: , aber wenn ich lese Blau, dann erwarte ich doch etwas Allgemeineres als Du offenbar aussagen wolltest.
Oldy hat übrigens nicht unrecht mit dem "Kommentarkiller" - das ist alles so privat und emotional, dass man sich da nicht einmischen möchte; was wiederum einen Kommentar wirklich fast unmöglich macht.

Gerda

Beitragvon Gerda » 21.07.2011, 12:23

Liebe Moonlight,

Mir tut es leid für dich, dass du deinen Vater verloren hast, aber es braucht m. a. n. nicht dieses Hintergrundwissens um einen Text auf seine literarische Qualität hin besprechen zu können.

Die Information über den Tod deines Vaters hier nachzuschieben mag dir Bedürfnis gewesen sein, dennoch, meine Perspektive, bleibt jene, die ich oben ausführlich darglegt habe; nämlich ausschließlich eine auf den Text und nicht auf die "Umstände, Ereignisse, unglüclichen Umstände", die zu ihm geführt haben.

Für mich ist es wichtig, das ein literaischer Text losglöst von diesem Hintergurnd- oder Entsteheungswissen für sich bestehen kann, erwarte, dass ein/e Autorin über ihr subjetives Erleben hinaus Worte findet, so wie du es ja auch geschafft hast.

Was fange ich mit der Information an, nachdem ich einen lange wohlüberdachten Kommentar geschrieben habe?
Ich würde mich wirklich freuen, könnte ich irgendwann und irgendwo auch einmal eine Auseinadersetzung deinerseits über einen meiner Kommentare von dir lesen, ich schrieb es berets im Faden "malinge".

Liebe Grüße
Gerda

moonlight

Beitragvon moonlight » 21.07.2011, 12:54

Liebe Amanita,
ich war in einer sentimentalen Verfassung als ich das geschrieben hatte.
Danke für deinen herzlichen Kommentar "Blau war die Farbe meines Vaters" dazu werde ich noch ein Gedicht einstellen...aber nicht jetzt...ich möchte euch nicht überfluten mit meinen Gedichten.

LG
Moonlight

moonlight

Beitragvon moonlight » 21.07.2011, 13:00

Liebe Gerda,
Danke dir für deine Worte,
du hast recht ich hätte es nicht schreiben sollen aber wie gesagt ich war in einer sentimentalen Verfassung.
Ich freue mich immer wenn objektiv auf den Text eingegangen wird.
Ich habe versucht im Faden "maligne" zu erklären warum es mir so schwer fällt meine Gedichte aufzuschlüsseln.


LG
Moonlight

moonlight

Beitragvon moonlight » 21.07.2011, 13:05

Lieber Uwe,
danke für deine Worte.

"Wie kommentiert / kritisiert / bewertet man Emotionen?"

Ich habe den Kommentarkiller gelöscht.

LG
Moonlight

Mucki
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Beitragvon Mucki » 21.07.2011, 16:35

Hallo moonlight,
moonlight hat geschrieben:Ich habe versucht im Faden "maligne" zu erklären warum es mir so schwer fällt meine Gedichte aufzuschlüsseln.

aufschlüsseln sollte man seine Texte eigentlich überhaupt nicht, finde ich. Nur in Ausnahmefällen. Wenn z.B. die Interpretationen der Kommentatoren in eine Richtung gehen, die einem echtes Unbehagen bereiten.

Für mich z.B. ist die Farbe Blau absolut positiv konnotiert. Aber das sind halt so ganz subjektive Erlebnisse, die man mit bestimmten Farben verbindet. Dito bei Zahlen, etc. etc.

Saludos
Gabriella


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