Hallo Pjesma,
ich habe mir den Text jetzt nochmal genau angeschaut und versucht herauszufiltern, woran es liegt, dass ich ihn ganz anders gelesen habe, als es von dir intendiert war.
Ich denke es liegt hauptsächlich daran, dass ich nicht alles einem Sprecher, einem Blau zuordnen kann, das eine sind die Wassergedanken, das andere die Pflanzenvergleiche und ich höre da unterschiedliche Stimmen, Wahrnehmungen und sehe dadurch auch unterschiedliche Menschen. (Wobei ich einen "See" sehe, in den die Muscheln und Medusen schlecht passen, weil dann plötzlich das Meer auftaucht. :) ) Für mich wäre es wichtig, dass die phantasievollen Vergleiche am Ende nicht nur lose und vereinzelt in der Luft hängen, sondern sich zu einem stimmigen Bild zusammenfügen. Für deine Intention, wenn ich sie richtig verstanden habe, wäre das denke ich auch eine gute Möglichkeit etwas aufzuzeigen, wenn das Naturbild wirklich entsteht und man am Ende als Leser
eine gemeinsame Landschaft sehen würde?
Wahrscheinlich ist es auch so, dass mir eine solche Sprache nur dann glaubwürdig erscheint, wenn der/die Sprecher dieses Bild selbst vor Augen hat, es sozusagen im Laufe der "Beziehung" gewachsen ist.
Für eine "mündliche" Tirade, ein sich Hineinsteigern fehlt mir denke ich auch etwas mehr "umgangssprachlich" Eingeworfenes.
unmotiviert, deine schwangeren wolken,
störend und selbstgefällig ihre goldenen ränder
Das "unmotiviert" habe ich auch der Zeile darüber zugeordnet (sprach einer unmotiviert), was dann denke ich nicht zu deiner Intention passt. Die zweite Zeile sticht für mich sprachlich heraus und scheint mir zu "schriftlich", was dann zusammen gleich hier am Anfang eine andere Richtung vorgibt.
Irritierend finde ich, auch wenn man sich bei einer Tirade natürlich widersprechen kann, dass die Perle einmal mit weiß (perl-mutet) und dann wieder mit blau in Verbindung gebracht wird.
Den Erzähler ("sprach einer" würde ich auf jeden Fall ersetzten, wenn du den letzten Satz erhalten willst.) Vielleicht könntest du auch mit einer klareren Strukturierung, arbeiten, einzelnes benennen ... schwierig.
Ich weiß nicht, ob du damit etwas anfangen kannst, mir fällt es immer am leichtesten, wenn ich mit dem Text direkt arbeite, um meine Knackpunkte und Stolpersteine aufzuspüren und für den Autor sichtbar zu machen. Natürlich nicht als konkreten Vorschlag, sondern nur um zu zeigen und eine Reibungsfläche zu bieten, wenn du das nicht möchtest, lösche ich es natürlich wieder. Die kursiven Stellen sind die, bei denen ich das LIch höre.
► Text zeigen
fr.17.6./ ich würde einen anderen Titel suchen, da das "unser" für mich im Text nicht ausgeführt ist und er mit der Bilderflut des Textes auch nicht mithalten kann und dagegen sehr blass wirkt.
dein blau
warfst du mir vor
jetzt sag ich dir mal, wie es ist
unmotiviert lungern schwangeren wolken darin
mit ach so selbstgefälligen goldenen rändern
schau dir diese vorgetäuschte tiefe an
die algen? gewinnen die oberhand
blutegel? tummeln sich darin
und dann dieses silbern mit schuppen
es perlmutet weiß an sagst du
und kalkulierst mit der seidenen oberfläche der steine
dabei beschwert es erdrückt umschlingt
fragt sich ständig
befragt mich
schwebt überhaupt nicht
wie nebel über dem morgendlichen see
und dein blau ist gar zu grelldurchsichtig
ein viel zu scharfer spiegel der dinge:
ich mag mir die augen
an deinem blau nicht zerschneiden
phhhh!
weil es so viel vom eisenhut hat
und viel zu wenig bergt ??? birgt/weiß?
des vergissmeinnichts vom vergissmeinnicht?
es hat zu viel von der distel und fast gar nichts vom rittersporn
dein blau kriecht
und schlingelt
um die gelenke
ist giftig
und grünt beinahe
das sprech ich jetzt deinen diesen harmlosen hortensien einfach mal zu:
dass sie an mir saugen
mit ihrem übermäßigen blauen lebensdurst
mit ihrer unglaubwürdigen üppigkeit
sie stechen ihre winzigen blauen augen
in mein fleisch
ungebeten
gradezuaufdringlich
rötet dein blau
violett an meiner haut
wenn die sonne untergeht
ist
dein blau
ist ist ...
und übrigens wenn das dein bestes blau sein sollte:
so blaue perlen (seen?)
kann es gar nicht geben!
dein blau
ist nicht
mein blau
was hätten die beiden sich schon zu sagen?
Liebe Grüße
Flora