Liebe Renée,
da ist sie ja, die Auster! Sagtest du nicht, es wäre ein älteres Gedicht von dir? Oder gibt es noch eines?
Dieses jedenfalls gefällt mir sehr gut! Durch die Zeilenwiederholungen erinnert es ein wenig an ein Pantum, ist aber nicht so starr (schön, dein Bild des Vergessens der Form!). Ich spüre die Gezeiten, die über die harten Schalen wandern, in den Versen wieder und auch die Ablagerungen auf der schorfigen Schale.
Hier ist mir der Satzbau nicht ganz klar:
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Sie öffnet sich nur selten und die Spalte,
in die das Meereswasser dringt,
um davon den Algenduft zu kosten
und um sich aufzuladen im weichen Innern;
Was ist mit der Spalte? Ich warte da noch auf ein Verb. Oder willst du sagen, sie öffnet sich und die Spalte? Aber sie kann sich ja nur öffnen, indem sie die Spalte öffnet. Das klingt so, als wenn ich sage, ich öffne mich und meinen Mund. Ein bisschen komisch klingt das für mich aus diesem Blickwinkel.
In der letzten Strophe bräuchte ich das "mutig" nicht. "Standhalten" beinhaltet bereits die Standhaftigkeit (also gewissermaßen Mut) und eine Auster ist natürlich nicht mutig, sondern sie ist einfach dort, wo sie bestehen kann. Und sie kann ohnehin nicht fort.
Ansonsten sehr gern gelesen, die Wimpern, den Lidstrich, das Zucken, sehr fein nachempfunden!
Viele Grüße
fenestra