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eines tages

Verfasst: 01.05.2011, 15:39
von Mucki

eines tages
werde ich leicht sein
über den dingen schweben
die mir heute zu schwer wiegen
eines tages
werde ich lachen
die dinge wegwinken
die mich heute weinen lassen
eines tages
kann heute sein

Verfasst: 02.05.2011, 11:19
von moonlight
Liebe Gabriella,

dein Gedicht berührt mich.

LG
Moonlight

Verfasst: 02.05.2011, 11:28
von leonie
Liebe Gabriella,

mich berührt es auch, es ist melancholisch und hoffnungsvoll zugleich.

Liebe Grüße

leonie

Verfasst: 02.05.2011, 11:51
von Mucki
Hallo Moonlight und leonie,

danke für euer Feedback.
Ja, melancholisch und hoffnungsvoll zugleich soll dieses Textlein sein.

Saludos
Gabriella

Verfasst: 02.05.2011, 20:18
von ferdi
Hallo Gabriella,

ich bleibe im Gegensatz zu meinen Vorrednerinnen leider völlig "unberührt". Natürlich kann ich den Kopf einschalten und mir etwas denken bei deinen Zeilen, aber zum "berühren" gehört ja auch eine gewisse Körperlichkeit, hier also eine sprachliche Körperlichkeit; und worin die hier bestehen könnte, vermag ich nicht zu sehen; ich bemerke nur gänzlich unkörperliche Begriffe, ins Äußerste gesteigert im "Dinge".

Hallo Moonlight, hallo Leonie,

könntet ihr mal schreiben, wie dieses "berührt werden" sich genau äußert - und vor allen Dingen, auf welche Art das Gedicht diese Berührung bei euch erreicht? Welche Eigenschaften es hat, die es ermöglichen?

Ferdigruß!

Verfasst: 02.05.2011, 20:28
von allerleirauh
liebe gabriella,

mir geht es wie ferdi. der text erreicht mich nicht wirklich. ich kann dies nicht wie ferdi begründen, mit seinem schönen begriff von der "sprachlichen körperlichkeit" verbinde ich wenig bis nichts; bei mir ist es eher so, dass ich da, bitte nicht falsch verstehen, das soll nicht abwertend klingen, eine binsenweisheit a la "momentan läuft es nicht so gut, aber das kann und wird sich ändern" lese, die man mir schon gefühlte tausendmal nahebringen wollte. (ich denke beispielsweise an den spruch vom lichtlein, das da, wenn man denkt, es geht nicht mehr, daherkommt...)

melancholie, hoffnung und optimistisches denken in allen ehren, einen neuen zugang oder gedanken kann ich den zeilen nicht abgewinnen.

lga

Verfasst: 02.05.2011, 21:25
von Amanita
So ganz kann ich auch nicht mitgehen. Das Anliegen des Textes ist klar, ich möchte ja auch dran teilnehmen - aber auf mich wirkt das Ganze dann eher schwerfällig (und daran möchte ich denn doch nicht teilhaben). Besonders der Schluss klingt für mich ziemlich negativ, weil er auf mich eine phlegmatische Ausstrahlung hat. Eines Tages/ kann heute sein - das ist mir einfach zu abwartend, fast fatalistisch.

Mit den zwei Zeilen darüber habe ich auch meine "Problemchen", aber das ist sicher eine ganz persönliche Geschichte.

Verfasst: 02.05.2011, 22:20
von Niko
für mich, liebe gabriella, will der text eine hoffnung beschreiben. oder auch - besser- eine zuversicht. ich sehe den text nicht so negativ in der aussage wie amanita. aber dein text ergreift nicht und mich berührt er in keinster weise.

wenn jemand fragt: wie ist der wein. dann kann ich sagen, was man üblicher weise sagt: blumig, mild im abgang, reifes bouquet. das beschreibt mehr oder minder sachlich, wie mir der wein bekommt. was in der beschreibung aber fehlt ist, was der wein in mir auslöst. wie sich blumig anfühlt und was ist überhaupt mild? und was ist in dem zusammenhang "mild im abgang"? was für ein gefühl hat man dabei?

das individuelle empfinden vermisse ich hier. der text wirkt mir zu pauschal, verallgemeinernd und damit verliert er in gleichem maße für mich an reiz.

liebe grüße: niko

Verfasst: 03.05.2011, 00:31
von Mucki
Hi,

danke für eure Eindrücke.
Ich weiß gar nicht so recht, ob der Text berühren soll oder, ob er es überhaupt kann.
Die Frage ist wohl, wie man ihn versteht.
Wie weit man das Melancholische und hoffnungsvolle Element hier in dem Sinne versteht, in dem ich es meinte.
Amanita hat geschrieben:Besonders der Schluss klingt für mich ziemlich negativ, weil er auf mich eine phlegmatische Ausstrahlung hat. Eines Tages/ kann heute sein - das ist mir einfach zu abwartend, fast fatalistisch.

Das kommt meiner Intention schon recht nahe, geht nur sehr viel weiter, im "morbiden" Sinne.
Mit dem Anfang:

eines tages
werde ich leicht sein
über den dingen schweben


deute ich dies schon ziemlich direkt an. Annett, ich schreibe hier nichts im Sinne dieses Spruches vom Lichtlein, das da, wenn man denkt, es geht nicht mehr, daherkommt, sondern genau vom Gegenteil, nur dass für das LI dieses "Licht" eben ein anderes ist.

Ich wollte mal schauen, ob man das herauslesen kann, doch offensichtlich gelingt dies nicht.
Macht ja nichts. War ein Versuch.

Saludos
Gabriella

Verfasst: 03.05.2011, 01:32
von Pjotr
Guten Abend,

was "berühren" bedeutet? Ist doch einfach. "Ich fühle und denke etwas ähnliches wie du, und das in Melancholie". Man könnte noch Eigenschaften wie "nachdenklich, hoffend" hinzufügen, aber die sind in der Melancholie ja schon drin, meine ich, sie ist keine dumpfe Endzeitstimmung.

Die ersten beiden Kommentatoren haben den Begriff "berühren" eingeführt. Den haben die folgenden Kommentatoren dann als einzigen Kritik-Maßstab genommen. Warum?

Was ist mit der Form-Idee? Mit der Musik? Mit der Pointen-Idee? Mit der Wortwahl? Und so weiter ...

Die Zeilen werden mit zunehmender "Last" breiter. Da steckt eine kompositorische Idee dahinter.

Und da gibt es den Versuch, eine gewisse Pointe zu kreieren in Form eines zirkelnden Widerspruchs, indem zum einen das "heute" im schweren Diesseits besungen wird, zum anderen im leichten Jenseits. Alles wird eins, und neu, und unbekannt. Hoffnung benötigt unbekanntes, sonst ist der Ausgang ja eh schon klar.

Zur Wortwahl: Vielleicht könnte man die "Dinge" gleich konkreter nennen. Es gibt viele schwere Dinge, die einen originellen Namen haben, die man als Metapher nehmen könnte. Außerdem wäre der Text dann nicht mehr angewiesen auf die übliche Standardphrase "über den Dingen schweben".

Das "heute" könnte in allen drei Fällen möglicherweise noch interessanter plaziert werden. Nicht nur der Rhythmik wegen.

Gibt es noch elegantere Weisen, um "die mir" und "die mich" auszudrücken?

Das sind meine ersten spontanen Gedanken dazu.

Niko, kannst Du eine Empfindung beschreiben, ohne auf eine andere vergleichbare Empfindung zu weisen? Ich denke, das geht nicht. Die braucht dann ebenfalls einen Vergleich. Beschreibe "salzig". Das ist ... "brennend". Beschreibe "brennend". Das ist wie ... "Salz auf der Zunge". Du wirst aus dem Zirkel nicht herauskommen, oder gleich in der Sackgasse festsitzen. Egal wo Du die Bildebene ansetzst, detailiert oder ganz abstrakt, Du kannst nur auf Empathie hoffen, meine ich.


Edit: Muss Lyrik eigentlich immer Bilder malen? Kann man jedwede Eigenschaft bebildern? Bei Düften werden meist Duftverursacher als Bildobjekte verwendet, bei Hautberührungen die kontaktierenden Körper, bei Geschmäckern sind ähnlicherweise die Geschmacksverursacher die Bildobjekte. So auch bei Klangbeschreibungen. Ist das Auge die einzige Lyrikantenne?


Cheers,

Pjotr

Verfasst: 03.05.2011, 08:01
von Amanita
Hallo Pjotr, danke für Deinen Hinweis, dass die Zeilen, die "Schweres" beinhalten, auch die längsten/ "schwersten" sind; das ist kompositorisch tatsächlich spannend.
Und die Frage, wie das mit den Bildern in der Lyrik ist, stelle ich mir auch manchmal ... eventuell wird diese Sicht, dieser "Ansatz" hier im Forum mittlerweile etwas zu sehr betont? Wie ist es mit "Klangbildern", Wortspielen, Sprachexperimenten ... (ich hatte aber nicht die Zeit, diese Fragen bzw. die Antworten darauf zu vertiefen, das kann also nur eine Bestätigung von Pjotrs Hinweisen in aller Kürze sein).

Verfasst: 03.05.2011, 09:26
von Ylvi
Hallo Gabriella,

das Gedicht liest sich so glatt und "leicht" dahin, dass ich merke, dass ich schon zu Beginn fast aussteige und gar nicht mehr wirklich "hinhöre", weil ich den Eindruck habe, dass es sich an einer Oberfläche bewegt, die bekannt scheint (@Lichtlein) in der es aber überhaupt nicht "stattfindet". Dass da nur über etwas drübergestreichelt wird mit vollständigen abgerundeten Sätzen. Mir fehlt der Haken. Ich würde stark reduzieren und es brüchiger, offener werden lassen.
Vielleicht lese ich aber auch falsch, da mir die angesprochene "Hoffnung" ins Jenseits verlagert scheint und damit das Gedicht eine ganz andere Wendung für mich bekommt.
Nur mal so als Anreiz, selbst nochmal zu schauen.

eines tages
leicht sein
werde ich
über die dinge
schweben, lachen, wegwinken
worüber ich weine
eines tages
könnte heute
tot sein


Liebe Grüße
Flora

Verfasst: 03.05.2011, 09:40
von Amanita
Ja, die erste Zeile führt tatsächlich ins Jenseits ...

Verfasst: 03.05.2011, 14:35
von Mucki
Hi Pjotr,

die "Dinge" konkreter zu benennen, würde hier den Rahmen sprengen. Ich wollte es ja kurz schreiben und alles, was für das LI schwerwiegt, in einen Nenner bringen. Deshalb wählte ich "Dinge", weil dieses Wort gerade besonders fleischlos ist. Alles und nichts sagt. "die mir" und "die mich" empfinde ich klanglich genau richtig. Ich freue mich darüber, dass du die langen Zeilen, die Schwere enthalten, gesehen hast.
Eine Standardfloskel ist übrigens: Über den Dingen stehen, aber nicht: über den Dingen schweben. Dieses "schweben" ist mir hier ja gerade wichtig.

Hi Flora,

dein Verkürzungsvorschlag entspricht nicht mehr meiner Intention. Einmal funktioniert die Setzung dann für mich nicht mehr. Und der Sinn wird auch verändert.

eines tages
könnte heute
tot sein


drückt etwas anderes aus. Auch möchte ich das Wort "tot" nicht verwenden.

Danke für eure Kommentare.

Saludos
Gabriella