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Kann meine Ohrstöpsel nicht finden!

Verfasst: 22.04.2011, 15:26
von RäuberKneißl
Kann meine Ohrstöpsel nicht finden!

Hab ich die in den Salat gesteckt?
Wo mein Ohr so große Einsamkeit hat.
Komm, mein Taubenbrüstchen, sing,

den Bahnsteigkantensong,
den Zurücktreten-Blues
sing zwei Kutsch-Räder oder

meinetwegen Wählscheiben große
silbrig glänzende Bose 349,95
Euro umgebungsgeräuschfreie

loneliness-cancelling Diesellieder.
Ist das Ketchup da am Salat?
Mein ich wohl. Ist schließlich McDonalds hier.

Verfasst: 23.04.2011, 15:22
von leonie
Lieber Franz,

ich mag Deine Gedichte. Ich weiß nie, ob ich sie wirklich "verstehe". Aber es ist eine Melodie darin und die Worte setzen Assoziationen, Bilder und Gefühle frei.

Liebe Grüße

leonie

Verfasst: 23.04.2011, 16:56
von Mucki
Hi Franz,

deine Texte sind oft rätselhaft für mich, so auch dieser.
Vielleicht kommen da noch "erleuchtende" Kommentare, so dass ich verstehe, was du hier ausdrücken möchtest. ,-)

Gruß
Gabi

Verfasst: 23.04.2011, 19:44
von Max
Hallo Franz,

da geht es mir anders als meinen beiden Vorrednerinnen: Ich weiß, dass ich diesen Text nicht verstehe (auch nach der dritten Lektüre nicht) ;-) .. Ich würde gerne etwas Konstruktiveres schreiben, aber ich fürchte, ich bin zu weit von ihm entfernt.

Liebe Grüße
Max

Verfasst: 24.04.2011, 11:12
von RäuberKneißl
Hallo zusammen,
danke für die Rückmeldungen, inzwischen befürchte ich die Meldungen schon etwas; dabei fand ich dieses Stückchen selbst ganz zugänglich.
Die Frage ist vielleicht auch ein bißchen, wieviel an 'verstehen' man von einem Gedicht einfordert, die textliche Analyse verführt ja immer etwas in Richtung Logik / Gedanke - spannend ist aber oft auch das Gegenteil. Also Stellen, wo die üblichen, logischen Gedankengänge durchbrochen worden und Irritationen auftauchen, wie sie eigentlich im normalen Leben nicht selten sind, z.B. beim Bonner Mäcki, an Bahnsteig 1 gelegen, einem Geräusch- und Taubenreichen Ort, wo die verschiedensten Versuche, mit diesen Geräuschen umzugehen oder ihnen etwas entgegenzusetzen oder sich abzukapseln sichtbar werden (die Bose-Dinger nehmen die Umgebungsgeräusche auf und erzeugen aktiv einen 'noise-cancelling' Gegenton, der sie neutralisieren soll).
Ich gestehe, es bleibt ein Rest für die Phantasie ...
Grüße
Franz

Verfasst: 24.04.2011, 12:19
von Ylvi
Hallo Franz,

ich finde das sehr bildhaft und habe denke ich auch keine inhaltlichen Schwierigkeiten. Der Mittelteil gefällt mir in seiner Eigenheit, der Mac-Salatrahmen übertönt das allerdings für mich und zieht es auf eine mir etwas platt erscheinende Ebene, als ob er etwas zurücknehmen, oder ausgleichen wollte.
So wäre es für mich rund:

Wo mein Ohr so große Einsamkeit hat


Komm, mein Taubenbrüstchen, sing,

den Bahnsteigkantensong,
den Zurücktreten-Blues
sing zwei Kutsch-Räder oder

meinetwegen Wählscheiben große
silbrig glänzende Bose 349,95
Euro umgebungsgeräuschfreie

loneliness-cancelling Diesellieder.


danke für die Rückmeldungen, inzwischen befürchte ich die Meldungen schon etwas
Warum?

Liebe Grüße
Flora

Verfasst: 24.04.2011, 12:24
von Max
Lieber Räuber,

ich glaube, dass Dein Kommentar, die Frage, wie viel man von einem Gedicht wirklich verstehen muss, trifft einen interessanten Kern der Rezeption.

Ich gestehe, dass dieser Punkt bei mir sehr hoch,. viielleicht zu hoch angesiedelt ist ... alles, was ich nicht verstehe, sei es Lyrik, bildende Kunst oder sogar Musik, hinterlässt mich ein wenig unbefriedigt.

Liebe Grüße
max

Verfasst: 24.04.2011, 23:02
von ferdi
Hallo Franz!

Da ich mit dem Begriff "Bose" nichts anfangen kann, sind meinem Verstehen ohnehin Grenzen gesetzt ;-)

Aber auch wenn es nicht um "Verstehen" geht, muss dem Leser doch ein Eindruck von Geschlossenheit entstehen, von sich-aufeinander-beziehen? Ich finde, das klappt hier gerade so eben noch (und würde daher die "Rahmenhandlung" nicht missen wollen).

Noch zu den "Irritationen": Mir scheint, das ist der Normalzustand zwischen Aufstehen und ins Bett gehen - mit etwas Pech auch darüber hinaus. Von daher muss ein Gedicht aber doch schon mehr leisten, als zu der Menge von "Irritationen", die ohnehin schon tagtäglich bewältigt werden muss, noch weitere hinzuzufügen? Den eigenen die der anderen Leute, wenn man so will? (Dafür brauche ich übrigens noch nicht mal Gedichte lesen - da reicht es, tagtäglich, im Zug die Nase aus dem Buch zu nehmen und den Menschen beim Telefonieren zuzuhören ;-))

Ferdigruß!

Verfasst: 26.04.2011, 21:26
von RäuberKneißl
Hallo,
hat etwas gedauert mit meiner Reaktion, das liegt am wilden Zettelkasten mit all den Procrastinations (Ruby lernen usw.)
Ferdi: Die Irritationen stehen nicht als Selbstzweck, der Kontext Bahnsteig, McDonalds und die wuchtigen Kopfhörer (Bose ist übrigens eine sehr werbeaktive Firma, nicht nur in Fernsehzeitschriften - sogar Luxusautos machen damit Werbung, wenn sie ein Bose-Soundsystem drin haben) sind schon nah am Kern des Gedichts. Ich laufe selten mit Ohrhörern rum, es steckt nach einiger Zeit eine seltsame Ich- oder Weltverlorenheit drin, man wird etwas - Kopfsalatig, finde ich.
@Flora - deine Variante ist eine echte Alternative, vermutlich wird sie mir bald besser gefallen als die jetzige, man hat bei ihr eher Chancen, etwas zu hören, als bei dem Salat-und-Ketchup-Gedöns.
Grüße
Franz

Verfasst: 26.04.2011, 23:35
von ferdi
Hallo Franz!

Die Irritationen stehen nicht als Selbstzweck, der Kontext Bahnsteig, McDonalds und die wuchtigen Kopfhörer sind schon nah am Kern des Gedichts.

Das verstehe ich nicht - wenn die Irritiationen "nah am Kern des Gedichts sind", dann sind sie eben doch weitgehend Selbstzweck?! Was ist denn dieser geheimnisvolle "Kern"... Oder läuft das dann wieder unter "Phantasie" :-)

@ Bose: Ich habe kein Auto, (Luxus oder nicht), lese keine Fernsehzeitschriften (wofür) und benutze keine Kopfhörer (weder im Haus noch draußen). Heißt das jetzt, das Gedicht ist für mich an sich unverständlich?

Ferdigruß!